Sonntag, September 23, 2007

Noch 3 1/2 Tage

Ich sitze gerade mit einer Portion kalter Soba-Nudeln vor meinem Rechner - die nicht etwa kalt sind, weil ich zu faul war, sie aufzuwärmen, sondern weil es sich so gehört - und wenn ich die verputzt habe, wartet noch eis gebratener Reisball auf mich und ein leckeres Brause-Getränk mit dem Geschmack von Pfefferminz-Kaugummi. Ich hab das Bad heute einmal so kräftig gereinigt wie noch nie, ich hab mein Zimmer aufgeräumt und bisher das meiste schon verschickt, weggeschmissen oder für den Koffer bereitgelegt. Die letzten Einkäufe sind soweit auch erledigt und es fehlen nur noch die letzten Amtsgänge vor der Abreise. Ich will hier nicht weg. Nicht wirklich. Aber meine Daseinsberechtigung hat ein Ende gefunden. Mein Studium hier ist vorbei, das Stipendiumsgeld ist komplett ausgezahlt und meine deutschen Freunde sind zum Großteil schon wieder in Hamburg. Ich hab die wichtigsten Sachen gesehen, die man als Tourist oder auch als Japanologe in Japan gesehen haben sollte. Was hält mich hier? Vieles, nicht zuletzt aber auch die Tatsache, dass es sich in Japan leicht leben lässt. Okay, der Sommer ist zu heiß und im Winter soll es hier in Fukui normalerweise zu viel schneien, aber es gibt an jeder Ecke einen Laden, und an jeder vierten einen der 24 Stunden am Tag geöffnet hat. Mein Hobby ist hier billiger als nirgendwo anders (wo ich bisher gewesen bin) und man wird hier im allgemeinen besser und netter behandelt, als in Deutschland. Außerdem halte ich Japan oder zumindest Fukui für insgesamt sicherer als deutsche Städte, also, kriminalitätsmäßig, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis haben wir in Deutschland ja nicht.

Ich hab's geschafft meinen Film zu Ende zu drehen und das innerhalb von rekordverdächtigen 6 Drehtagen. Im Moment bin ich dabei, das ganze zu schneiden. Neben dem Dreh und diversen Vorbereitungen für meine Abreise hielten mich auch einige Treffen auf Trab. Einmal mit dem Filmclub, weil der ehemalige Clubchef mal wieder in Fukui war und dann noch einmal um mich zu verabschieden, auch wenn tags drauf der Dreh weiterging ^^ Dann noch einmal mit dem Orgakommitte für das Filmfest Fukui, wo ich nun auch schon zum letzten Mal gewesen bin. Und dann war da noch der Sporttag mit Yuka und ihren Freundinnen, insgesamt 6 Mädels, mit denen ich dann Volleyball gespielt habe. Ich hab geschwitzt wie Sau, aber es tat gut, sich mal wieder richtig zu bewegen und Spaß gemacht hat es natürlich auch. Mit Aika war ich dann noch einmal unterwegs zu Ichijoudani, den Clanruinen der Asakura, und dem nahegelegenen Wasserfall. Auch mit Ai habe ich mich noch einmal getroffen. Einmal im International Club, wo ich mich von den dortigen Leuten verabschieden wollte, doch es waren nicht viele da, dafür habe ich aber zufälligerweise die Vietnamesin aus meinem Japanischkurs aufgegabelt, die mit einer Freundin vor der verschlossenen Tür des benachbarten Retaurants standen. Gestern bin ich mit Ai ins Kunstmuseum gegangen, wo es eine Ausstellung eines berühmten Anime- und Mangakünstlers, Yasuhiko Yoshikazu, gab, dem Erfinder von Gundam, der wohl beliebtesten japanischen Serie um riesige von Menschen gesteuerte Roboter (a.k.a. Mobile Suits). Zufälligerweise war er sogar persönlich anwesend. Leider kamen ich und Ai nur noch gerade rechtzeitig um seine Schlussworte zum veranstalteten Workshop zu hören, aber immerhin habe ich eine Berühmtheit zu Gesicht bekommen und das hier in Fukui! Danach habe ich meine letzten Wii Spiele, die ich nicht mit dem Gerät zusammen an Ai verkauft hatte, sowie einen Batzen von über 70 Comics bei Book Off verscherbelt und umgerechnet vielleicht40 Euro bekommen, davon gerade mal 6 Euro oder so, für die vielen Comics. Das tat weh, so wenig Wertschätzung für meine Sammlung zu erfahren, die ich nur ungern weggab (weil der Versand von 70 Comics einfach verdammt viel kostet und ich nicht weiß ob ich die noch einmal lesen würde). Aber ich hab gleich ein paar neue gekauft ^^ Außerdem, für meine brandneue (gebrauchte) PSP, den Film Enter the Dragon mit Bruce Lee. Hab noch keinen seiner Filme gesehen und dachte mir, den nehm ich mal mit. Dann ging es weiter ins Kino Fantastic Four 2 gucken. Weil ich nichts erwartet hatte, wurde ich auch nicht enttäuscht, im Gegensatz zu Ai.

Morgen geht's mit Aika zum Bergsteigen und danach sind alle Leute, die ich hier kenne eingeladen, bei mir der Premiere der vorläufigen Fassung meines Films beizuwohnen und mich nebenbei zu verabschieden. Keine Ahnung wie voll die Wohnung dabei wird, aber es könnte echt eng werden. Andererseits könnte es auch arg leer bleiben. Ich hoffe auf eine angenehme Zwischenlösung ^^ Dienstag dann die letzten Amtsgänge und Auflösungen, der Endputz, Schlüsselübergabe und Aufbruch gen Osaka, wo ich die letzen beiden Nächte bei Tomoyo von der Summer School verbringe, bevor ich am Donnerstag früh nach Hamburg zurückfliege. Für den Flug bin ich hoffentlich gerüstet. Nintendo DS, PSP, MP3-Player, Bücher, Comics, das sollte reichen. Aber ganz im Ernst, ein vernünftiges Gespräch mit meinem Sitznachbarn wäre mir wahrscheinlich lieber, vor allem wenn es ein Japaner sein sollte. Geplante Ankunft in Hamburg ist dann 17:25 Uhr am Terminal 2.

Sonntag, September 16, 2007

Was bisher geschah...

Es ist mal wieder Zeit für eine kurze Zusammenfassung dessen, was ich so erlebt habe.

Lars, Kathrin und ich waren in Mikuni beim Hanabi (Feuerwerk). Mikuni ist ein Ort an der Küste zur Japansee in Fukui-Ken und auch der Ort an dem das Tojimbo-Kliff liegt. Die Fahrt dorthin dauert normal 40 Minuten, aber an dem Tag dauerte es 1 Stunde und obwohl wir schon keine Sitzplätze mehr bekamen, als wir einstiegen, wurde die Bahn immer voller und voller. Am Ende standen wir dicht gedrängt aneinander gepresst wie zur Rush Hour in Tokyo und mussten an den letzten Haltestellen Leute stehen lassen, die einfach nicht mehr einsteigen konnten. Der Strand an dem das Hanabi veranstaltet wurde war gerammelt voll und die Leute, mit denen wir uns dort treffen wollten, waren nicht aufzufinden und telefonisch nicht erreichbar. Also haben wir uns einen mäßig schlechten Platz "am Gang" ergattert. So wurden die ersten Minuten des Feuerwerks durch das ständige Hin und Her der Leute verdorben. Nach einer kurzen Platzkorrektur hatte man aber einen freien Blick auf das sehr schöne Feuerwerk. Pyrotechnik ist in Asien wirklich eine Kunstform. Nachdem das rund einstündige Spektakel sein Ende fand brachen natürlich alle Leute Richtung Bahn auf, wo sich eine elendig lange Schlange bildete. Glücklicherweise trafen wir zufällig eine Bekannte, die mit Auto dort war und uns anbot, uns mitzunehmen. Allerdings mussten wir dann erstmal eine Weile laufen, bis wir am Auto ankamen. Ein ziemlich langes Stück war das, aber der Zeitaufwand war nicht der Rede wert, denn dort wo das Auto weit weg vom Strand stant, endete nämlich gerade eine lange Autoschlange. Die Straßen des kleinen Ortes Mikuni sind für ein derartiges Menschenaufkommen nicht konzipiert und das Verkehrssystem war hoffnungslos überlastet. Also statteten wir einer Freundin unserer Bekannten einen Besuch ab, die günstigerweise in dem Haus wohnte, auf dessen Parkplatz das Auto stand. Es war schon merkwürdig, mal so in ein fremdes Haus reinzuplatzen als Ausländer und das auch noch, wenn schon Besuch da ist (in jedem Haus in Mikuni schien Besuch zu sein, daran erkennbar, dass in den Eingangsfluren sich die Schuhe stapelten). Wir aber natürlich nett empfangen. Selbst als wir dann 1 oder 1 1/2 Stunden später wieder aufbrachen, waren die Straßen immer noch gut voll. Das Feuerwerk ging von ca. 19:30 bis 20:30 und irgendwann nach Mitternacht war ich wieder zu Hause ^^

Ich hatte mir ja ein Seishun Ticket gekauft, mit dem man günstig herum fahren kann. Da ich das Prinzip aber missverstanden hatte, schmiss ich versehentlich das eigentliche Ticket weg und behielt nur die Informationszettel, von denen ich dachte, sie seien weitere Einzeltickets (ich hatte zuvor keinen Blick auf die Zettel geworfen). Nachdem ich mich also erstmal mächtig aufgeregt hatte kaufte ich mir ein neues Ticket. Erste Reiseziel war Himeji. Der Zug dorthin ging um 6:30 und ich musste entsprechend früh aufstehen. Die Fahrt dauerte 4 1/2 Stunden. Nur Hinweg! Müde aber guter Dinge kam ich dann in Himeji an und wurde erstmal von der Sonne gebraten. Der Weg zum nahe gelegenen Schloss (einem Weltkulturerbe und im übrigen das wohl berühmteste in Japan) war schon anstrengend. Auf dem Schlossgelände selbst rumzulaufen war bei der Hitze so kräftezehrend, dass ich kaum Lust hatte, Fotos zu machen. Ich schwitzte wie Sau. So sehr hatte ich noch nie zuvor geschwitzt. Meine Arme sahen aus, als hätte ich sie gerade in Wasser getaucht. Ich bin also möglichst schnell über das weitläufige Gelände gelatsch und hab mir alles angeschaut und ein paar wenige Fotos gemacht. Nach einer kleinen Eispause machte ich halt in einem Kebab-Restaurant. Dort habe ich für viel zu viel Geld ein kleines Schiffchen mit Eintopf bekommen (Kinderportion) und dazu ein zu kleines Fladenbrot. Der Geschmack war auch eher durchschnittlich. Ich war neidisch auf die beiden Frauen am Tisch nebenan, die für den selben Preis zwei Döner bekommen hatten. Danach ging es weiter mit dem Bus und dann der Seilbahn zum Shoshazan, einem Berg auf dem sich der Engyo-ji befindet, eine relativ große Tempelanlage, deren älteste Gebäude über 1000 Jahre alt sind und unter anderem in Last Samurai zu sehen war. Dort war es dank der vielen Bäume zwar schattig, aber dennoch viel zu heiß. Ich fühlte mich schon richtig schmuddelig, weil ich wirklich schweißgebadet war. Ich hab sogar so sehr geschwitzt, dass man Seilbahn Ticket für die Rückfahrt sich zum Teil aufgelöst hatte. Akzeptiert haben sie es zum Glück trotzdem. Weil ich nach dem vielen Gelaufe und Geschwitze keine Lust mehr hatte (und alle Ziele abgehakt waren) bin ich relativ zeitig kurz nach vier Uhr mit der Bahn zurückgefahren.

Die nächste Fahrt ging nach Takaoke und Gokayama in der Präfektur Toyama (von Fukui aus ein Stückchen weiter nach Norden) zusammen mit Lars. Weil Lars allerdings am ersten Termin nicht ausreichend geschlafen hatte musste die Reise einmal verschoben werden. Wir fuhren morgens früh los und machten erstmal Halt in Takaoka, von wo aus der Bus nach Gokayama abfährt. Bei unserem Glück war der vorherige Bus gerade vor 20 Minuten abgedüst und der nächste ließ noch 2 Stunden auf sich warten. Also gingen wir nach Anleitung meines Reiseführers zum großen Buddha in Takaoka, dem drittwichtigsten in Japan (diesen Platz teilt er sich mit dem von Katsuyama in Fukui). Weil wir ja soviel Glück hatten, wurde der Buddha gerade restauriert und war verhüllt. Einige Leute sollen ja tatsächlich extra dafür irgendwo hingehen, um sich etwas hübsches anzuschauen, dass man gar nicht sehen kann, weil es verhüllt wurde. Fotos haben wir trotzdem geschossen und gingen dann weiter zum Schlosspark. Das Schloss selbst war nicht erhalten, aber der Park war sehr schön und es gab einen kleinen Zoo mit freiem Eintritt. Den nächsten Bus haben wir dann rechzeitig erwischt und sind damit weiter nach Gokayama. Gokayama gehört zusammen mit dem nahe gelegenen Ort Shirokawago ebenfalls zum Weltkulturerbe. In diesen Dörfern gibt es nämlich eine besondere Art von Reetdachhaus, die einzigartig ist. Außerdem liegt es mitten in den Bergen. Gokayama selbst besteht aus mehreren kleinen Dörfern und Lars und ich haben uns das nächstgelegene Ainokura angeschaut. Sowohl das Dorf als auch die Natur waren wirklich schön. Wir sind auch ein Stückchen den Berg hoch zu einem besonders großen und alten Baum. Der Pfad führte zwar noch weiter hoch, aber da der letzte Bus von Ainokura um kurz nach 16 Uhr abfährt (wir waren gegen 14 Uhr angekommen) hätte das zu lange gedauert. Nach einer überfälligen Eispause (ich habe Tulpeneis probiert - schmeckte ganz lecker) ging es dann zurück Richtung Fukui.

Mein nächste Ausflug führte mich nach Oono, hier in Fukui. Dort traf ich mich mit einer Studentin von der Uni Fukui, die ich mich dort rumgeführt und rumgefahren hat. Erst ging es zum kleinen Oono Schloss, dass aber interessanter war, als manch anderes und nahezu menschenleer, was mir immer lieber ist. Weiter ging es dann zu einer Residenz einer Samurai-Familie. Ein sehr schönes und recht geräumiges Anwesen. Dann weiter zu einer Wasserquelle, für die Oono berühmt zu sein scheint. Das Wasser schmeckte auch weitaus besser, als das chemische Leitungswasser hier. Dann weiter nach Katsuyama, wo es zum Heisen-ji ging, einem Tempel am Fuß eines Berges. Der Tempel war zwar schön, aber wirklich beeindruckend war die Natur drum herum. Dann eine kleine Eispause und weiter rein ins Gebirge zum Kuzuryuu See. Die Fahrt dorthin war sehr schön, da sie entlang des Kuzuryuu Flusses führte, der sich seinen Weg durchs Gebirge bahnt und streckenweise als Schlucht verläuft. Weil es leicht regnete, sah man hier und dort auch kleine Wasserfälle an den Gebirgswänden. Der See war ebenfalls schön, vor allem mit dem Gebirge im Hintergrund, dessen mittlerer Teil durch Wolken behangen war. Als letztes folgte noch eine kurze Besichtigung des Teramachi, dem Tempelviertel, in Oono.

Der folgende Ausflug gin nach Toyama, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Die Stadt ähnelt Kanazawa in Ishikawa-Ken und ist größer als die Stadt Fukui. Ich schaute mir die Stadt zunächst von einer Aussichtsplattform an, bevor es zum Schloss ging. Das wirklich besondere an diesem Schloss für mich persönlich, war ein bestimmtes Ausstellungsstück. Ein Modell des Schlossgeländes. Toll, und was ist daran so besonders? Gar nichts. Besonders ist nicht das Modell, sondern die Show dazu. Das Modell liegt hinter einer schrägen Glaswand und über der Glaswand hing ein Monitor dessen Bild sich so im Glas spiegelte, dass man den Eindruck hatte, das Bild schwebe im Glaskasten über dem Modell. Dazu gab es noch eine sehr schöne Beleuchtung, die immer gerade das beleichtete, worum es gerade im Video ging und das in entsprechenden und wechselnden Farben. Auf der Rückseite lief auch noch ein anderes Video, dass wiederum eine andere Beleuchtung auf das Modell warf. Ein anderes Gebäude auf dem Schlossgelände war zum Kunstmuseum umfunktioniert. Dort besichtigte ich eine Ausstellung von Töpferwaren aus aller Welt und allen Zeitepochen. Nach einem Abstecher zum Wissenschaftsmuseum ging es zurück zum Bahnhof. Von dort aus wollte ich eigentlich zu einem Fest, dass in einem nahe gelegenen Ort veranstaltet wird, aber die Leute standen schon Schlange, um hinfahren zu können, und nach der Erfahrung mit dem Mikuni-Feuerwerk, war ich besorgt, nicht mehr rechtzeitig zurückkommen zu können und fuhr stattdessen wieder zurück nach Fukui.

Ende August hatten wir Barbecue in Mikuni gemacht, mit Blick aufs Meer. Anlass war die bald anstehende Heimkehr der beiden Koreaner Han und Kim. Mit von der Partie waren neben Lars, Kathrin und mir noch Yoshimi und Fumiyo, sowie zwei Arbeitskollegen vom Kino und Kims Tutor. Es gab reichlich zu essen, vor allem Fleisch, Fleisch und Fleisch. Von einer anderen Gruppe, die gerade wieder nach Hause fuhr, haben wir sogar noch mehr Fleisch und Salat geschenkt bekommen.

Vor einer Woche hatten wir dann ein weiteres Abschiedstreffen. Diesmal mit unseren Anfangstutorinnen Aika, Mayumi und Naoko, zusammen mit Elena und den inzwischen wieder in Hamburg angekommenen Lars und Kathrin. Alle drei Mädels arbeiten jetzt seit einem halben Jahr und alle drei meinten, sie würden gerne wieder aufhören zu arbeiten. 22 Jahre ist meiner Ansicht nach auch viel zu früh um ins Arbeitsleben einzusteigen ^^ Ein paar Tage später gab es wieder eine Abschiedsfeier bei Fumiyo mit Lars, Kathrin, Elena, Oliver, Yoshimi, meiner neuen Tutorin Yuuki und einigen anderen, die bei der Summer School waren. Genau davor hatte ich meinen letzten Unterricht im International Club gegeben, wo wir gegessen und geplaudert hatten. Hinterher gab es noch das obligatorische Abschiedsfoto mit allen Leuten, die gerade dort waren. Am Tag vor der Abfahrt von Lars und Kathrin nach Osaka gab es noch eine letzte Abeschiedsfeier vor deren Wohnheim. Dort sie nahezu jeden Tag zum Rauchen saßen, versammelten sich alle möglichen Freunde und Bekannte um ein letztes Mal zusammen rumzuhängen. Am nächsten Tag brachten wir die beiden zum Bahnhof. Kathrin Flieger ging noch am selben Abend, der von Lars den Tag darauf.

Einen Tag war ich auch mal wieder in Fukui mit dem Fahrrad unterwegs, wo ich mir eine Samurai-Villa angeschaut hatte, die wirklich schön war. Vor allem der Garten mit dem riesigen Teich samt obligatorischen Karpfen war idyllisch. Das Haus selbst war sehr geräumig und es zog ein angenehm kühler Wind durch sätmliche Zimmer. Das Haus wäre bestimmt gut als Ferienhaus geeignet ^^ Anschließend fuhr ich zum Kunstmuseum. Dort gab es an dem Tag jedoch nur zwei Ausstellungen. Eine mit Shodou, Kalligraphie, und eine mit Bildern zu Gottheiten und ähnlichem. Bei der Kalligraphie Ausstellung wurde ich vom, ich vermute, Ausstellungsleiter angesprochen und ausgefragt. Weil ich nett und höflich war, gab es als Geschenk einen Band mit allen ausgestellten Werken.

Vor genau einer Woche war ich noch einmal in Kyoto mit dem letzten verbliebenen Seishun Ticket. Dort hab ich mich wieder mit Maria von der Summer School 2005 getroffen und wir haben eine Beisichtigungstour gemacht. Es ging zum Kinkaku-ji, dem Goldenen Tempel, dem Ryouan-ji, mit dem berühmtesten Steingarten Japans, dem Ninna-ji und dem Nijoujou, dem Schloss in Kyoto, alles Weltkulturerben. Das Schloss in Kyoto hat mir besonders gefallen. Nicht nur wegen des quietschenden und pfeifenden Holzbodens, der vor Eindringlingen warnt, die sich nachts ins Schloss zu schleichen versuchen, sondern vor allem, weil es das bietet, was eigentlich allen anderen Schlössern fehlt: die Residenz. Andere Schlösser bestehen meist nur aus dem Wehrturm. Dieses Schloss hatte keinen Wehrturm aber dafür das Anwesen, in dem der Schlossherr, in diesem Fall der Shogun, wohnte. Und es war riesig. Und der gut gepflegte Garten durfte natürlich auch nicht fehlen.

Der Dreh zu meinem Film hat nach langer Suche nach Hauptdarstellern endlich letzte Woche begonnen und läuft soweit planmäßig. Es bleibt nur noch ein einziger Drehtag und dann die mühselige Arbeit des Schneidens. Einen Film richtig zusammen zu kleben ist viel schwieriger, als ich gedacht hatte. Nicht nur der richtige Übergang im Bild sondern auch im Ton ist sehr schwierig, vor allem wenn das Mikro seine Position wechselt oder auffällige Hintergrundgeräusche vorhanden sind. Ich hab keine Ahnung, wie das am Ende aussehen/ sich anhören wird...

Ich habe nur noch 12 Tage in Japan und nur noch 10 in Fukui. Die Zeit wird knapp und es gibt noch viel zu tun. Verträge kündigen, Sachen verschicken, Sachen verkaufen, Leute treffen, letzte Einkäufe und natürlich der Film. Es ist anstrengend und stressig und auch wenn ich mich nicht darauf freue, Japan zu verlassen, so freue ich mich zumindest darauf, dass diese anstrengende Endphase ein Ende nimmt.

Mittwoch, September 12, 2007

Das Ende vor Augen...

Ich bin nunmehr seit 11 Monaten und ca. einer Woche in Japan und es trennen mich, sofern ich nicht unverhofft im Lotto gewinne, nur noch 14 1/2 Tage von meiner Abreise. Heute sind Lars und Kathrin nach Osaka aufgebrochen, wo Kathrin noch heute und Lars dann morgen abfliegen wird. Das heisst, dass die Hälfte unserer Fukui-Clique schon weg ist. Das Gefühl, zu wissen, dass einem nur noch 2 Wochen bleiben, bevor man seine 777 Sachen packt und dem Land auf unbestimmte Zeit den Rücken zukehrt. Keine Möglichkeit, mal schnell vorbei zu kommen, mal einen Abstecher übers Wochende machen zu können. Ein Jahr (grob übern Daumen gepeilt) ist eine relativ lange Zeit, in der man sich ein neues, vom alten nahezu unabhängiges Leben aufbaut, und eben dieses Leben nimmt nun demnächst ein allzu endgültiges Ende. Ich werde nicht wieder als Student an die Uni Fukui kommen können. In absehbarer Zeit ist bestenfalls ein kurzer Urlaub möglich und selbst wenn ich später einmal wieder in Fukui leben sollte, wären bis dahin viele Leute, die ich hier kennengelernt habe, bis dahin schon weggezogen sein.

Was also nimmt man mit, wenn alles zu Ende ist? Zwei Wochen mögen noch etwas früh sein, aber letztlich ist es hauptsächlich die Summe an Erfahrungen und Erinnerungen, die man mitnimmt. Ich kann nicht sagen, ob ich mich verändert habe, aber Erfahrungen habe ich auf alle Fälle gewonnen. Welche Kontakte dauerhaft erhalten bleiben ist immer schwer abzusehen, aber meist sind es eher wenige. Am sichersten ist wohl, dass unsere Fukui-Clique weiterhin befreundet bleibt. Danach kommt wahrscheinlich der Kontakt zu Aika, meiner Tutorin, die mich vor allem das erste halbe Jahr auf vielen Schritten (hauptsächlich zu Ämtern und ähnlichem) begleitet hat. Natürlich nehme ich auch einiges Materielles mit, dass sich im Laufe der Zeit angesammelt hat, nicht zuletzt auch einiges, was tatsächlich meinem Studium dienen wird.

Wenn man zurück schaut, ist ein Jahr doch sehr viel kürzer, als man denkt. Als ich in Japan ankam, war das Ende noch nicht einmal absehbar. Alles war neu und anders und es gab so unglaublich viel zu entdecken und zu tun, dass man nicht einmal daran gedacht hat, dass dieses Jahr mal zu Ende gehen könnte. Wenn dann die Halbzeit naht, mekrt man zum ersten Mal, wie schnell die Zeit tatsächlich dahin fliegt. Nach einem halben Jahr gab es noch immer so viel Unentdecktes, so vieles, was man noch tun wollte und auch ein weiteres halbes Jahr später steht es nicht anders damit. Am Ende des Jahres macht man sich, egal wie es verlief, Vorwürfe. Man hätte dies noch machen sollen, jenes hätte man besser machen müssen, und man hätte sich doch mehr mit Person X treffen sollen. Und man hätte mehr lernen sollen ^^ Aber so ist das Leben. Der Mensch kann nicht wider seine Natur, wie man sagt. Jeder hat seine Art zu leben, ganz gleich, wo er lebt. Old habbits die hard. Lebensstile ändern sich nicht so schnell. Es ist normal irgendwann auch in Japan in einen Alltag zu verfallen, der dem in Deutschland nahe kommt. Man darf sich keine Vorwürfe machen. Lieber daran denken, was man gewonnen hat, anstatt daran, was man verpasst oder gar verloren hat. Dieses Jahr war eine wunderbare Zeit für mich, die ich nie vergessen werde, sofern mich nicht Alzheimer oder andere biologische Umstände dazu zwingen >_< Wahrscheinlich bin ich einen Tick erwachsener geworden in diesem Jahr. Einen Tick reifer. Einen Tick älter -_-;

Nachdem ich soviel unternommen habe, soviel rumgereist bin und soviel probiert habe, fragen mich die Japaner ständig, welches japanische Essen mir am besten geschmeckt hat, wo es mir am besten gefallen hat und was mir am meisten Spaß gemacht hat in diesem Jahr. Ich habe viel gegessen, was mir gut geschmeckt hat, einiges, was mir nicht so gut geschmeckt hat, und weniges, was mir gar nicht geschmeckt hat. Was war am besten? Keine Ahnung und es ist auch völlig egal. Man muss seine Lieblingsessen ja auch nicht durchnummerieren. Ich bin an vielen Orten gewesen. Ich war in Großstädten wie Tokyo, Osaka, Nagoya und Hiroshima, in alten, traditionsreichen Städten wie Kyoto und Nara, ich war in Himeji, Toyama, Kanazawa, Takaoka, und Gokayama und ich war in vielen Orten in der Präfektur Fukui: Fukui selbst, Sabae, Katsuyama, Mikuni, Maruoka, Eheiji, Oono. Jeder Ort hatte etwas, das kein anderer Ort hatte und vieles, was man überall findet. Jeder Ort hat seinen Charakter und seine Reize. Wo war es am besten? Keine Ahnung und es ist auch völlig egal. Es hängt auch viel davon ab, wie das Wetter war, wie ausgeschlafen man war, wie sehr die Sonne brutzelte, wieviel Pech oder Glück man hatte. Ich habe vieles unternommen in meiner Zeit in Japan. Ich habe studiert, ich bin gereist, ich war in Museen, ich habe eingekauft, ich habe bei Veranstaltungen mitgewirkt, ich habe im Filmclub bei der Filmproduktion mitgewirkt, ich war beim Karaoke, ich hab gefaulenzt, gedaddelt, gelesen, Filme geschaut, Musik gehört, mich mit Freunden getroffen, neue Bekanntschaften gemacht und vieles mehr. Es gab Alltägliches und es gab Außergewöhnliches. Was war am besten? Keine Ahnung und es ist auch völlig egal. Aber eines ist klar: wichtig ist nicht was oder wo sondern mit wem und die beste Zeit ist die, die man mit Freunden verbracht hat.

Samstag, August 18, 2007

Ein kurzes Update

Meine Zeit in Fukui und in Japan nähert sich dem Ende. Ich hab noch rund 40 Tage, bis ich zurück nach Deutschland fliege. Ein Bedürfnis zurückzukehren verspüre bisher noch nicht. Es gibt noch viel in diesem Land zu sehen und zu tun. Das schlimmste ist aber, seine verbleibende Zeit einzuplanen, weil man genau weiß, dass man nicht alles schaffen kann, was man möchte.

Das Semester ist inzwischen zu Ende und ich habe es soweit ganz gut überstanden. Wie gut weiß ich nicht, denn ein Zeugnis habe ich bisher noch nicht gesehen. Einerm meiner Lehrer ist erst zu spät aufgegangen, dass er mir eine Note geben soll, und so musste ich an einem Sonntag eine Extrastunde in seinem Büro absitzen. Auf alle Fälle besser als eine Klausur ^^ Damit ist meine aktive Studienzeit hier in Fukui bereits beendet.

Mit Aika habe ich mich in letzter Zeit wieder öfters getroffen. Wir waren unter anderem im Kino und mit ihrer Schwester zusammen auf dem Phönix-Fest in Fukui. Die beiden waren im Yukata (ein dünner Kimono für den Sommer) unterwegs wie auf einem der letzten Fotos zu sehen ist. Den ganzen Tag über gab es Yosakoi Tanz zu sehen, auf Bühnen oder im Rahmen einer Parade. Natürlich durften Fressbuden mit Karaage, Okonomiyake, Castella, Frankfurtern, Crepes, Yakitori, Yakisoba, Kakekoori, etc. nicht fehlen. Glücksspiel war natürlich ebenso vertreten, wie Goldfischangeln und diverse lokale Firmen und auch die Uni. Beim Standt vom Kino, bei dem Aika gejobt hat, habe ich dann Salzeis gegessen. Das klingt jetzt furchtbar unappetitlich, ist aber halb so schlimm. Es war ein blaues, süßes Eis mit einem dezenten Salzgeschmack. Dominant war aber ein anderer, von mir nicht weiter klassifizierbarer Geschmack. Zur gleichen Zeit war auch noch ein Open Air Rockfestival in einem kleinen Park, kostenfrei und ohne Berühmtheiten ^^ Es war übrigens verdammt heiß mit um die 35 Grad im Schatten (wie seither fast jeden Tag, und das ist zwei Wochen her) und deshalb liefen fast alle Leute mit Plastikfächern rum, die man an jeder Ecke in die Hand gedrückt bekommt. Ich hab insgesamt 3 Stück abgestaubt ^^

Im Kino war ich auch öfters. Die Hard 4 hab ich allein gesehen, Harry Potter 5 mit Lars und Kathrin, Ratatouille (auf japanisch) mit Aika und Transformers mit Ai. Weil ich aber nicht genug habe, geh ich dieses Wochenede nochmal ins Kino ^^ Die Filme waren zwar alle solide und gut, aber nichts außergewöhnlich atemberaubendes. Und insbesondere Harry Potter ist etwas unbefriedigend, wenn man weiß, wie viel detailreicher und ausgefeilter die Vorlage ist.

Noch vor dem Fest war ich an einem Tag unterwegs mit den Mädels aus dem Ibunka Kouryuu Kurs (Interkultureller Austausch). Ich hatte drei nach unserem letzten gemeinsamen Unterricht angesprochen, um Handynummern und Mailadressen auszutauschen, weil ich die drei für meinen Film rekrutieren wollte, und da wurde ich prompt gefragt, ob ich nicht bei dem Semesterabschlusstreffen mitmachen wolle, wozu ich nicht nein gesagt habe. Ich hab micht dann schon vorher mit 4 der Mädels (Kayo, Mai, Misato und Yuuko) getroffen um Bowlen zu gehen. Das war sehr lustig, auch wenn ich mit Abstand am wenigsten Punkte hatte mit 38 und 56. Ich bin halt immer noch der Pudelkönig ^^ Danach haben wir noch schnell Purikura geschossen (siehe vorherige Fotos) und sind dann zum eigentlichen Treffen. 13 Mädels, dessen Namen ich zugegebener Maßen nicht mehr alle genau kenne, und ich als einziger Mann und einziger Ausländer dazwischen beim Essen in einem Takoyaki Restaurant, obwohl ich Oktopus überhaupt nicht mag. Aber die Oktopusbällchen sind lecker, wenn man das Stück Tako denn mal rausoperiert hat ^^ Es gab natürlich auch anderes zu Essen, Schinken, Hähnchenfleisch und gebratene Soba-Nudeln. Damit natürlich nicht genug ging es darauf weiter zum Karaoke mit 11 Mädels. Die waren relativ überrascht, dass ich so relativ problemlos japanische Lieder gesungen habe. Ich war im Gegenzug etwas überrascht, dass fast alle Mädels verdammt gut singen konnten. Ich glaub die machen das nicht zum ersten Mal ^^

Tags drauf war ich in Osaka. Ich habe mir das Seishun Ticket gekauft, mit dem man 5 Tage lang (beliebig in einem festen Zeitraum verteilt) nach Belieben die normalen Züge ohne Express nutzen kann, ähnlich dem Wochend-Ticket in Deutschland, nur günstiger und etwas langsamer ^^ Ich bin also unter 6 Stunden Schlaf (war um Mitternacht vom Karaoke zurück) aufgestanden und zum Bahnhof und bin nach Osaka. Dort habe ich mich mit Ronja getroffen und wir sind bummeln gewesen durch Denden Town und einige Book-Offs.

Am zweiten Tag des Phönix-Matsuris war ich mit 2 Ibunka Mädels dort. Wir haben uns wieder durchgefressen und uns ein paar der Shows angesehen, die es am zweiten Tag gab, wie zum Beispiel den Yukata-Wettbewerb, bei dem auch viele Austauschstudentinnen von der Uni mitgemacht (und verloren) haben. Danach gab es Musik von Bands und "Stars" aus Fukui und Stand-Up Comedy. Von der Parade an dem Tag habe ich allerdings nichts gesehen.

Einen Tag war ich unterwegs mit dem Filmclub. Genauer gesagt, unserem Chef und dem Ex-Chef, der inzwischen in der Nähe Tokyos an einer Film-Uni studiert. Er war zurück nach Fukui gekommen um unter anderem einen Film über die Stadt Sabae südlich der Stadt Fukui eine Dokumentation zu drehen. Wir sind also zu dritt los und haben alles gefilmt, was in Sabae mit Brillen zusammenhängt. In Sabae werden 90% aller japanischer Brillen hergestellt und sogar die Matrix-Brille (fragt mich nicht welche der vielen, vielleicht auch alle) wurde in Sabae gefertigt.

Der Filmclub selbst hat ein Mitglied verloren, weshalb das aktuelle Projekt nach Rücksprache mit dem Regisseur eingestellt wurde. Ein weiteres Mitglied ist über die Ferien in die Heimat Präfektur gefahren und letztlich haben alle irgendwann was anderes vor. Dennoch habe ich es geschafft mein eigenes Projekt durchzuboxen. Ende August sollen die Dreharbeiten beginnen für den neuen Film nach meinem Drehbuch und unter meiner Regie ^^ Außerdem habe ich Miho aus Hiroshima gebeten, etwas für den Soundtrack zu komponieren. Ich hoffe, das Projekt zu Ende bringen zu können.

Nebenbei läuft ja auch noch die Vorbereitung für das Filmfestival. Dafür waren wir neulich in Sabae im Kulturzentrum um den Vorführort zu begutachten und ein paar der Kurzfilme vom letzten Jahr zu schauen, um ein Gefühl für das ganze zu bekommen. Interessant war es allemal und demnächst beginnt die Begutachtung der eingereichten Filme zur Auswahl.

So kurz bevor ich wieder abhaue werde ich über Mixi, eine japanische Internet-Community, bei der ich mich vor Monaten angemeldet hatte, angesprochen, ob ich nicht neue Freundschaften schließen möchte. Naja, ich sage nicht nein, erst recht nicht bei hübschen Frauen ^^ Ich hab mich dann auch 2 mal mit ihr getroffen und nett geplaudert. Außerdem habe ich endlich mal die Dose Königsberger Klöpse geschlachtet, die ich nicht alleine essen wollte. Besonders toll: Sie fliegt bereits Ende August für ein halbes Jahr nach Amerika.

Inzwischen bereite ich meine Rückkehr vor, schmiede Pläne für die verbleibende Zeit, frage ständig Leute, ob sie Zeit haben und packe schon die ersten Kartons, die ich bald verschiffen muss, damit sie nicht allzu spät in Deutschland ankommen.

Freitag, August 10, 2007

Zeit für ein paar Bilder

Weil nur Text langweilig ist, gibt es mal wieder ein paar Bilder, die ich geschossen habe.



Tojimbo



Universal Studios Japan (Falls es noch nicht klar war)



New York in den Universal Studios Japan



Der Bahnhof von Kanazawa



Östliches Teeviertel in Kanazawa aus dem 17./18. Jh.



Kenrokuen vom höchsten Punkt des Gartens fotografiert. Großstadtdschungel?



Tor des Oayama Jinja in Kanazawa



Das nenne ich mal halbnackte Frauen! Natürlich nur fotografiert als Beispiel für die Kunstfertigkeit Kanazawas.



Tauchen mal anders. Das Museum für Kunst des 20. Jahrhunderts in Kanazawa macht's möglich.



Ich denke die unfreiwillige Message spricht für sich



I really don't think I want to see Bruce pee! Nur Japanern kann entgehen, was an diesem Namen verdächtig sein könnte.



Die riesige Kannon-Statue von Kagaonsen



Uni-Fest an der Fukudai



Aika(r.) und ihre Schwester Megumi(l.) und irgendso'n doofer Ausländer in der Mitte



Fukui Matsuri, Yosakoi



Ein Purikura mit 4 Mädels aus dem Ibunka Kouryuu Kurs nach dem wir bowlen waren

Samstag, Juli 21, 2007

Überfällig? Nein, nicht wirklich...

Der letzte Eintrag ist schließlich gerade mal 2 Monate her, also fast gestern. Also, um kurz Revue passieren zu lassen, was denn bisher passier ist...

-Ai und ich waren im Mai in Osaka. Anlass dazu war ein Wettbewerb in einem Automaten-Prügelspiel, bei dem Ai mitmachen wollte (das Spiel ist veraltet, und die anderen Teilnehmer sind hauptsächlich alte Freunde aus ihrer Studienzeit). Am ersten Tag waren wir in den Universal Studios Japan. Dort hat es solange geregne bis wir am Ende des langen Tages Richtung Ausgang gingen. Da wurde es dann plötzlich sonnig. Naja, jedenfalls gab es kaum Schlangen und wir hatten zusätzlich einen Fastpass mit dem man sich an einer Extra-Schlange für Extra-zahlende Kunden anstellt und schneller reinkommt. Teilweise war die Wartezeit null. Wir sind dann auch in zwei Attraktionen (Spider-Man und Zurück in die Zukunft) gleich zweimal rein. Ansonsten gab es hauptsächlich Shows zu sehen, teils mehr, teils weniger interaktiv. Es gab Shrek, Waterworld, Jurassic Park, Backdraft, Terminator, der weiße Hai und mehr. Das Essen dort war natürlich von mäßiger Qualität bei horrenden Preisen. Abends waren wir dann noch indisch essen. Am nächsten Tag gingen wir zunächst durch Denden-Town, dem Elektronikviertel in Osaka, wo ich in einem Spielwarengeschäft eine Reise-Ausgabe von Die Siedler von Catan gefunden habe und zwar im Megaman Design. Ziemlich schräg. Dann haben wir uns mit Ronja zum Essen getroffen, der ich auch bei der Gelegenheit ihr Geburtstagsgeschenk überreicht habe. Danach ging es dann zur der Spielhalle, die weit außerhalb der Innenstadt lag. Bei dem Wettbewerb hat Ai zwar nicht gewonnen, aber doch ganz gut abgeschnitten. Natürlich waren ansonsten nur Männer beteiligt ^^ Ich hab nur zugeschaut. Gegen Profis hab ich eh keine Chance ;-)

-Am Tag darauf war ich mit Ai beim Unifest. Dort stellen die Studenten alle möglichen Freßbuden auf und präsentieren ihre Clubs mit Shows und Ausstellungen. Einige Clubs hatten auch Gewinnspiele, bei denen man Videospiele gegeneinander spielen oder mit Plastikpatronen auf Zielscheiben schießen sollte. Mein Filmclub war ebenfalls vertreten und präsentierte seine letzten Filme, unter anderem auch den, an dem ich mitgewirkt hatte. In einem anderen Film hatte Elenas Tutorin Mayumi eine Hauptrolle gespielt.

-Anfang Juni habe ich mich von Ai getrennt, weil es für mich nicht das Wahre war. Mit einer der Gründe dafür, dass ich wenig Lust hatte, meine Einträge hier fortzusetzen.

-Anfang Juli war die D-1 Dance Competition, bei der ich bei der Organisation ausgeholfen habe. Es waren insgesamt 18 Teams mit 4 bis 28 Leuten aus der Region angereist um sich zu präsentieren. Einige haben sich ganz schön in Schale geworfen, während andere eher leger daherkamen und wieder andere (vor allem die Mädels) geradezu aufreizend ^^ Es war auf jeden Fall etwas fürs Auge. Es waren bestimmt an die 700 bis 800 Gäste dort. Zusätzlich wurde der Wettbewerb auch im Regionalfernsehen und auf der Homepage ausgestrahlt. Und nein, ich habe nicht getanzt, ich habe tanzen lassen ;-)

-Der Filmclub hat sein erstes Projekt durch und nach einem langen Durchhänger, der mich dazu veranlasst hatte, dem Clubchef ein wenig auf die Finger zu hauen, befindet sich nun auch das zweite Projekt in Arbeit, bei dem ich wieder nur eine kurze Nebenrolle habe. Falls es zeitlich alles klappen sollte, wird das dritte Projekt aber von mir geschrieben werden und unter meiner Regie entstehen. Die Geschichte ist fertig und ich muss nur noch das Skript (natürlich auf japanisch) schreiben (und natürlich korrigieren lassen ;-)

-Diesen Montag hatte ich den nationalen Feiertag (Umi no hi, Tag des Meeres) genutzt um nach Kanazawa zu fahren und zwar allein, da die anderen schon Pläne hatten. Ich habe mir dort das östliche Teeviertel (Higashi Chaya Machi) angeschaut, in dem heute noch japanische Häuser aus der Edo-Zeit stehen (ca. 1600-1860) und einem ein Gefühl für Alltagsleben in den damaligen Städten gibt. In den Läden selbst gibt es hauptächlich Kunstwaren und regionale Spezialitäten zu kaufen, obwohl auch ein paar Gastronomiebetriebe vorhanden sind. Besonders schön sind einige der engen Seitengassen mit den schönen alten Holzfassaden. Der Markt in Kanazawa war fast ausgestorben, aber dafür hätte ich Krebse spottbillig kaufen können. Wüsste nur nicht, wie man die zubereiten sollte. In den Kenrokuen bin ich auch noch mal gegangen. Zur Erinnerung: es einer der drei schönsten Gärten Japans. Das Museum für Kunst des 21. Jahrhunderts habe ich eher schnell durchlaufen, da ich eher ein Kunstbanause bin, vor allem was moderne Kunst betrifft. Aber da der Eintritt in Museen hier keine 2 Euro kostet, kann man sowas schnell mal mitnehmen. Nagamchi, das Samuraiviertel war schon interessanter. Es ist eine schöne Ergänzung zum Chaya Machi, was eher Gastronomieviertel war. In Nagamachi stehen die alten Residenzen der Samuraifamilien aus der Edo-Zeit. Es gibt nur zwei oder drei Häuser, die man begehen kann, aber die Straße an sich ist sehr hübsch und vermittelt die Atmosphäre alter Samuraifilme. Als letztes ging es noch zu einem Schrein mit einem ungewöhnlichen Tor (ich glaube der hieß Oyama Jinja, bin mir bei der Lesung aber nicht sicher.) Dort hat mich eine hübsche Japanerin auf Englisch angesprochen und meinte, sie glaubt, mich an dem Tag schon öfters gesehen zu haben. So kam man ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie Tourismus studiert hat und Reisen ihr Hobby ist. Also haben wir uns eine ganze Weile darüber unterhalten und ich hab ihr von den Sehenwürdigkeiten Fukuis erzählt. Sie meinte, sie wolle sich das wohl mal demnächst anschauen. Keine Ahnung ob da noch mal was von höre, aber Handynummer und E-Mail haben wir ausgetauscht. Auf dem Rückweg bin ich noch kurz in Kagaonsen ausgestiegen und hatte 30 Minuten Zeit schnell zur 73 Meter hohen Kannon-Statue zu laufen, die dort über den Überresten eines längst geschlossenen Freizeitparks türmt. Geradezu unheimlich. Die Kinder in der Gegend können Nachts bestimmt nicht gut schlafen. Alles in allem vermittelt Kanazawa den Eindruck eine Stadt des Goldes und der schönen Künste zu sein. Gold wurde dort früher hauptächlich hergestellt und Referenzen dazu findet man allerorts. Und an jeder Ecke gibt es entweder ein Kunstgewerbe oder Kunstmuseum. Die Innenstadt sind übrigens geradezu Metropol aus, mit großen Hochhäuserns, wirklich wie eine moderne Großstadt. Aber wenn man ein Stückchen weitergeht, wirkt es wieder wie Fukui. Eine typische japanische Stadt.

-Gestern hatte Elena einen kleinen Auftritt in einem Cafe in der Nähe der Uni mit ihrer hier gegründeten Band, in der auch ein Austauschstudent aus Korea mitmacht. Es waren alle möglichen Austauschstudenten und die üblichen Verdächtigen zusammengekommen um dem ganzen beizuwohnen.

-Heute habe ich mich nach lager Zeit mal wieder mit Aika getroffen. Wir sind in einem Cafe neben der hiesigen Konzerthallte gegangen, weil dort ihre jüngere Schwester Megumi arbeitet. Megumi, die mich nach unserem letzten Treffen scheinbar auch mal wieder sehen wollte, hat uns das Essen und alles drum und dran sogar ausgegeben. Also Essen, Getränk, Eis und Kuchen. Und beide Schwestern haben jeweils ein Foto von sich mit mir schießen lassen ^^ In der relativ kurzen Zeit, haben die beiden mein Ego wieder ganz schön hoch schießen lassen, wie die mir geschmeichelt haben. Auch eine der anderen Bedienungen meinte ich sei Kakkouii, also gut aussehend.

Ich habe seit gestern das Formular in dem ich mein gewünschtes Rückreisedatum angeben soll. Das heißt, es ist bald unwiderruflich so weit. Ich muss das Land verlassen. Die wollen mich hier nicht mehr haben! Im Moment steht mir aber noch nicht der Sinn danach zu gehen. Das erste halbe Jahr war man damit beschäftigt sich einzuleben und wenn man damit fertig ist, ist die Hälfte schon rum. Dabei gibt es noch so vieles zu sehen und zu tun. Ich war noch nicht beim Baseball oder Sumo. Hab noch kein Noh- oder Kabuki-Theater gesehen. Ich hab noch keinen der vielen Berge bestiegen. Ich habe die Hauptinsel Honshuu noch nicht verlassen. Ich hab so viele Weltkulturerben noch nicht gesehen. Und ich ich hab die Weltherrschaft noch nicht an mich gerissen ;-)

Mittwoch, Mai 16, 2007

Spät, später, mein Blog

Tja, lang ist's her, dass ich was geschrieben habe, aber im Moment habe ich das Bedürfnis niederzuschreiben, was mir eben wiederfahren/aufgefallen ist. Mein Vater hat mir zu meinem Geburtstag ein Paket mit Lakritz geschickt (Danke für die große Ladung (2kg!!) und die Geburtstagsgrüße, wenn auch leicht verspätet ^^), dass ich heute gefunden habe. Es wurde mir nicht an die Tür gebracht, wie es sich gehört, nein, es lag in einem unbeschriftetem Postfach zusammen mit Brifen für mich und Elena von nebenan. Bisher wurde alles in unsere Postfächer direkt an der Tür eingeworfen, aber seit einigen Wochen scheint das anders zu sein. Hätte ich nicht zufälligerweise das auffällig herausstechende, gelbe Paket der Deutschen Post gesehen, wäre wohl auch meine Stromrechnung für den Monat unbezahlt geblieben. Argh! Welcher Postbote schmeißt Post für verschiedene Leute in ein UNBESCHRIFTETES Postfach?!

So, um ein wenig über die vergangenen Wochen zu berichten, ein kurzer Abriss:

-Ich war mit dem International Club zweimal beim Hanami, der Kirschblütenschau, und hab dort Ai wiedergetroffen, mit der ich die Gundam-Bausätze gebastelt habe. Tags drauf sind wir ausgegangen und seither sind wir zusammen.

-Bei der Firma in der Ai arbeitet sind Katzenbabys geboren worden, von denen die Mutter eins zurückließ. Ai hat sich zwei Wochen um das kleine Baby gekümmert und dementsprechend auch ich ab und an. Ich hab noch nie zuvor ein so junges Tier in der Hand gehalten.

-Im April gab es in Fukui eine Jidaigyouretsu, eine Epochen-Parade, die allerdings nur in etwas zur Hälfte aus einer Parade in historischen Kostümen und zur anderen Hälfte aus Marschparade verschiedener Vereine und Schulclubs bestand. Aika war mit ihrer Firma in der historischen Parade vertreten, auch wenn ich sie aufgrund schlechter Sicht (zu weit hinten, und zu viele Regenschirme) nicht ausmachen konnte. Die Japaner waren ganz aus dem Häuschen als der letzte Reiter vorbeizog. Das war ein angeblich bekannter Schauspieler und alles kreischte und streckte die Handys empor um damit Fotos zu schießen.

-Ich hab Ai beigebracht, wie man Siedler spielt und wir haben gemeinsam mit Lars, Kathrin und Oliver, dem neuen Deutschlehrer aus Hamburg eine Runde gespielt. Oli hat mich gelobt für meine strukturierte Erklärung der Regeln, aber ich denke, wenn man das Spiel schon ein paar hundert Mal gespielt hat, ist das nicht so schwer.

-Ich war mit Ai während der Golden Week (eine Woche die zu über 50% aus Feiertagen besteht) in Mikuni, wo wir uns das Tojimbo-Kliff (wo sich Japaner gerne umbringen) und das örtliche Aquarium angeschaut haben. Außerdem haben wir Spider-Man 3 gesehen. Ich fand den Film gut und er gefiel mir auch besser als Teil 1, aber die allgemeine Kritik scheint den Film mit anderen Augen zu betrachten. In den USA hat er dennoch einen Rekordstart hingelegt. (siehe http://www.the-numbers.com)

-Der Filmclub der Uni hat sich endlich dazu entschlossen etwas zuamchen, bzw. er ist quasi neu gegründet worden und ich bin jetzt Mitglied. Die Dreharbeiten zum ersten Film laufen bereits, aber ich mache nichts besonderes. Nur gelegentliche Vorschläge und Fotos von den Dreharbeiten schießen. Das Skript wurde hauptsächlich vom Clubchef und seinem Kumpel, dem Regiesseur und Hauptdarsteller (Vetternwirtschaft, wie? ^^), geschrieben, aber es haben die meisten Mitglieder ihren Senf dazu gegeben, mich eingeschlossen. Bis zum Uni-Fest vom 25.-27. Mai soll der Streifen fertig sein.

-Beim International Club helfe ich ein wenig bei der Organisation eines Tanzwettbewerbs, weil Ai das auch macht. Im Rahmen dessen bin ich im Lokalfernsehen für ein paar Sekunden zu sehen gewesen und durfte sogar zwei Sätze von mir geben.

-Die Uni hat auch wieder angefangen und die beiden Interessantesten meiner 7 Kurse sind die beiden, von denen mir Herr Hayashi am ehesten abraten wollte: ein Kurs zu japanischer Linguistik und ein Kurs mit dem Titel Computer und Erziehung. Der merkwürdigste Kurs ist Interkulturelle Kommunikation. Dort haben wir in der letzten Stunde nur Nationalhymnen nach Wunsch gehört und ein Gruppenfoto geschossen.

-Gestern Abend waren Lars, Kathrin und ich zusammen mit den Koreanern Han und Kim bei Fumiyo. Fumiyo und Yoshimi haben für uns leckeres japanisches Essen gekocht: es gab Nikujaga, eine Art Fleischeintopf mit Kartoffeln, Wurzeln und Glasnudeln (schmeckt sehr deutsch), Okonomiyaki (wer's noch immer nicht weiß, schlägt es nochmal bei Wikipedia nach) und ein Reisgericht.

Dienstag, April 10, 2007

Bilderflut

Es hat mal wieder etwas länger gedauert, aber nun gibt es endlich die Fotos von meinen diversen Reisen.


Das ist der Genbaku-Dome in Hiroshima. Dieses Gebäude war eines der wenigen im Stadtzentrum, das nach dem Abwurf der Atombombe noch zum Teil stand.


Dieser Baum hat den Abwurf der Atombombe überlebt.


Das Schloss von Hiroshima


Das berühmte rote Torii, das im Meer vor der Insel Miyajima steht. Links Miho, daneben ich und rechts ein mir unbekanntes Reh


Das Torii bei Ebbe und Sonnenuntergang


Einer der beiden Pinguine vom Aquarium auf Miyajima, die man streicheln konnte. Der hier wollte gerade wegrennen.


Das Katsuyama Schloss


Die Tempelanlage zum Großen Buddha von Echizen


Die Pagode beim Buddha


Die Wand mit den unzähligen Buddhas. Die untersten beiden Reihen sind so groß wie echte Menschen.


Das Maruoka Schloss - klein aber alt


Der Sakura-Tunnel am Asuwagawa in Fukui


Derselbe Sakura-Tunnel bei Nacht - man beachte das harmonische Zusammenspiel mit dem Bagger rechts


Ai und ich beim Hanami, der Kirschblütenschau (das ist ein Digi-Foto eines echten Fotos)


Samstag, April 07, 2007

Noch nicht up to date

Ich bin mit meiner Berichterstattung immer noch bei Ende März. Ich muss zunächst einmal nachtragen, dass ich am letzten Tag in Hiroshima mit Danny beim Schloss war, wo das übliche an geschichtlichem Material ausgestellt war. Außerdem gab es in dem Park um das Schloss herum ein paar Bäume zu sehen, die den Atombombenabwurf überlebt hatten und trotzdem blühen.

Am Dienstag den 27.3. ist Marc mit mir gen Nagoya aufgebrochen und hat mir das Ticket spendiert. In Nagoya sind wir durch die Einkaufsstraßen von Oosu getigert und haben so ziemlich jeden Laden angeschaut, der Videospiele verkauft. Beim Essen ist mir mal wieder aufgefallen, wie aufgeschmissen jemand wie Marc sein kann, wenn er kein japanisch kann, denn die Karte war bildlos und komplett auf japanisch. Da ich selbst auch nicht viel mehr herauslesen konnte als die grundsätzliche Kategorie (Schwein, Rind, Geflügel, Krabben, Reis, Ramen, Salat, etc.) hab ich mir das nochmal vor der Tür anhand der dortigen Bilder erklären lassen, wonach ich aber auch nicht schlauer war als vorher. Wenn nicht gerade Mayo, Chili oder Curry dran steht, weiß ich auch nicht genau welche Soße dazugehört, oder wie es zubereitet ist. Kurz nach dem Essen haben wir uns dann mit Doro getroffen, die gerade von der Uni kam und Hunger hatte. Also sind wir mit Doro nochmal Essen gegangen, wobei Marc und ich uns auf Nachtisch beschränkt haben. So mit zwei Freunden aus Hamburg, die man nicht jeden Tag sieht, an einem Tisch zu sitzen, lässt einen vergessen, dass man in Japan ist. Und das übrigens schon seit über einem halben Jahr (naja, jetzt, damals noch nicht ganz). Da es schon spät war mussten Marc und ich auch bald wieder aufbrechen. Marc nach Tokyo und ich nach Fukui. Auf der Fahrt nach Fukui habe ich noch etwas erlebt, dass ich so nicht kannte. Auf halber Strecke wurde nach dem Halt in Maibara die Fahrtrichtung gewechselt. Deshalb standen dort alle auf und drehten die Sitze um, damit sie wieder in Fahrtrichtung sitzen konnten. Ich war mir nicht sicher, ob es mir wert war da mit zu machen, aber wenn ich es nicht getan hätte, wäre aus meinem Sitz und dem vor mir ein Vierer geworden, also habe ich mich einfach mal eingegliedert. Als ich in Fukui ankam bin ich gleich ins Gomokutei, wo die Hamburger Sippe samt Besuch zusammensaß, aber als ich ankam, brachen sie schon alle wieder auf.

Nach der ganzen Anstrengung hatte ich mir vorgenommen am folgenden Tag auszuruhen und lange zu schlafen, aber irgendwie konnte ich nicht. Vielleicht hatte ich mich ja daran gewöhnt früh aufzustehen (davon ist inzwischen nichts mehr zu merken), jedenfalls war ich früher auf den Beinen als gedacht und hatte zudem noch Tatendrang. Also beschloss ich mal eine längere Tour auf dem Fahrrad zu wagen, zumal das Wetter auch gut war. Ich schlug meine Karte auf und suchte nach den beiden verbleibenden Hotspots des Tourismus, die ich noch nicht gesehen hatte: das Toujimbou-Kliff und das Maruoka-Schloss. Da das Schloss näher lag, entschied ich mich spontan dafür. Auf dem Hinweg nahm ich eine etwas kleinere Straße, was ich im Nachhinein bereute, denn der Bürgersteig war viel zu eng und hörte zwischendrin mal auf, war mal auf der einen mal auf der anderen Seite. Sehr unschön. Japan hat seine Fahrradfahrer nicht lieb! Ich bin dennoch nach gut einer Stunde heil am Schloss angekommen, wo bereits die Vorbereitungen zum Kirschblütenfest liefen. Ich bin also zum Schloss hoch, rein, durch und wieder raus in kurzer Zeir, denn das Schloss ist klein und außer einer Fotoreihe zu japanischen Schlössern im ersten der drei kleinen Stockwerke war absolut nichts da drin. Dafür ist es sehr alt und relativ original. Es wurde nach dem letzten Brand mit 80% der Originalmaterialien neu aufgebaut. Hübsch, klein und definitiv nicht spannend. Ich hab mir dann noch eine Portion Kirscheis gegönnt (was mir ein halbes dutzend Japaner kurz darauf nachgemacht hat) und machte mich dann auf den Rückweg, diesmal auf der größten verfügbaren Straße mit einem wunderbar breiten Bürgersteig, auf dem ich gut Gas geben konnte. Nach einer halben Stunde kam ich in die Randbezirke Fukuis, wo die Einkaufszentren stehen und hielt an einer Ampel um die Straßenseite zu wechseln. Als es grün wurde fuhr ich los und dachte mir nicht viel dabei, bis ein Kleintransporter, der aus meiner Richtung kam und abbiegen wollte auf mich zukam und nicht langsamer wurde. Hastig radelte ich schneller um davon zu kommen, aber er erwischte mich noch am Hinterrad. Ich verlor das Gleichgewicht, federte aber auf einem Bein mehrmals ab, bevor ich stehenblieb, sowie glücklicherweise auch der Transporter. Das Hinterrad war verbogen, mir selbst war aber nichts passiert. Der Fahrer lud mein Rad in den Wagen nah mich mit, gab mir sein eigenes Fahrrad leihweise mit und verpsrach, das Rad schnellstmöglich zu reparieren. Einen 10.000 Yen Schein drückte er mir auch noch in die Hand. Der Fahrer arbeitet bei einem Fahrradgroßhändler. Am nächsten Abend brachte er mir dann mein Fahrrad repariert zurück und meinte noch, ich solle mich melden, wenn irgendwas mit dem Rad ist und dass er beim nächsten Mal ein Lampe für mich mitbringen würde, da ich keine habe. Alles in allem hätte es also weitaus schlimmer kommen können. Aber Autofahrer in Japan sind echt gefährlich. Ich bin vorher schon einmal leicht angefahren worden und erst vorgestern, hatte ein LKW mich übelst erschreckt, als er spät und stark bremst, glücklicherweise ohne mich zu treffen. Einen halben Herzinfarkt hatte ich trotzdem. Da hilft auch keine Vorsicht mehr, wenn die Autofahrer einfach nicht schauen, ob da ein Fahrrad fährt. Im Endeffekt habe ich jedenfalls weniger Lust eine wirklich große Fahrradtour zu wagen.

Sonntag, April 01, 2007

Leben wie Danny in Saijou

Am Samstag dem 24. hat mich Mihos Vater nach Saijou gebracht. Saijou ist ein kleiner Ort im Osten Hiroshimas und kleiner als beispielsweise Fukui. Das Auto des Vaters war natürlich mit allem Schnick-Schnack ausgerüstet, wie z.B. DVD-Player und GPS Navigation. Natürlich saß man auch auf bequemen Ledersesseln mit mehr Beinfreiheit als fast überall in Japan. Am Bahnhof von Saijou angekommen konnte ich Danny auch schon gleich sehen. Da der Bus, der weiter zu Dannys Wohnheim und zur Uni fuhr, schon da war, mussten wir schnell hinrennen. Wie man bezahlt (ob vorher oder nachher, wieviel, etc.) musste ich mir keine Gedanken machen, denn Danny hat immer 2 Prepaid Karten für den Nahverkehr dabei. Sehr praktisch! (Danke Danny ^^) So fuhren wir dann mit dem Bus ne Weile durch die Gegend, bis wir irgendwann jenseits der Zivilisation aussteigen, wo neben der Uni und der Straße hauptsächlich Wald zu sehen war. Wir sind also zunächst ins Wohnheim und haben in Dannys Zimmer zu zweit etwas Wii gespielt. Beim Baseball konnte ich Danny locker schlagen, weil Danny nicht wusste, was man für verschiedene Einflussmöglichkeiten beim Werfen des Balls hat. Dafür hat er mich beim Tennis abgezogen. Man merkt, das Danny öfters gegen andere Menschen spielt ^^ Da das Wetter zu schlecht war um Saijou zu besichtigen, sind wir zusammen mit einer Freundin von Danny aus dem Wohnheim, Katya, aufgebrochen um "das beste Okonomiyaki in Japan" zu essen. Da der Laden gerade Mittagspause hatte mussten wir uns aber mit dem 2. besten begnügen. Geschmeckt hat es trotzdem. Wer genau wissen will, was so ein Okonomiyaki ist, sollte es besser bei Wikipedia nachschlagen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Okonomiyaki) Danach ging es noch kurz zu Dannys geliebtem You Me Town und dann wieder zu Danny wo wir noch zu dritt ein wenig Wii spielten, bis ich dann wieder gen Hiroshima aufbrach. Bei Miho habe ich dann ein wenig am Klavier gesessen, konnte aber kein Stück mehr komplett spielen, da ich vergessen habe, wie es weitergeht. Wenn man nicht einmal im Monat übt, vergisst man schnell. An diesem Abend gab es zum ersten und einzigen Mal für mich hausgemachtes von Mihos Mutter. Neben dem obligatorischen Reis gab es Gemüse (Tomaten, Gurken und Blumenkohl - meine Verzehrrate lag bei 66% ^^), einen Teller mit Pommes und Hähnchenflügeln (wobei tatsächlich mehr Hähnchenflügel auf dem Teller waren als Pommes) und eine Zusammenstellung aus Kartoffeln, Schinken und Zwiebeln, was mich sehr an Deutschland erinnert hat. Es hat auf alle Fälle gut geschmeckt. Hinterher hat Miho mir noch ein paar von ihren selbst komponierten Stücken vorgespielt und wir haben uns noch recht lange über Musik und andere Themen unterhalten. Wieder mal bis spät nachts ^^

Am nächsten Morgen hörte ich in den Nachrichten von einem Erdbeben in Ishikawa, der Präfektur direkt nördlich von Fukui. Es war verhältnismäßig stark, aber es gab nur einen einzigen Todesfall. Mihos Freund Kazu kam auch morgens dazu und da fiel mir zum ersten Mal auf, das Kazu sehr höflich mit Mihos Eltern spricht, während ich nach japanischen Verhältnissen kollegial mit denen spreche. Die Schuld dafür trete ich gerne an Herrn Miyazaki von der Japanologie Hamburg ab. Er sagte zu uns, Höflichkeitssprache müssen wir verstehen können, aber sprechen können brauchen wir es nicht, das erwartet eh keiner von uns. Er sollte vielleicht mal Doro fragen, wie sie das sieht ;-) Naja, wir sind jedenfalls alle gemeinsam außer Haus gegangen, doch in der Straßenbahn trennten sich die Wege, weil ich weiter Richtung Innenstadt fuhr um mich mit Danny zu treffen. Ich schloss mein Gepäck ein und dann ging es los zu einem letzten Stadtbummel durch Hiroshima. Wirklich gefunden hatte ich aber nichts, zumal ich ja auch schon zuvor unterwegs war um einzukaufen. Wir haben dann noch bei McDo gegessen und dann bin ich auch schon wieder gen Fukui aufgebrochen.

Bevor ich dort ankam, machte ich aber einen Zwischenstopp in Kyoto. Nicht nur, weil ich dort umsteigen musste, sondern auch, weil ich mich dort mit Marc getroffen habe, der für 3 Wochen in Japan war um Urlaub zu machen. Nach 2 Wochen Tokyo wollte er mal was anderes zu sehen bekommen und da habe ich ihm angeboten nach Fukui zu kommen. Ich hab Marc so ziemlich alles aufgezählt, was man in Fukui anschauen kann und am Ende meinte er dann, ein Schloss wäre ok, weil er noch keins besichtigt hatte. Also sind wir am Montag, nachdem Marc das Game Center inspiziert und mit mir eine Runde Dance Dance Revolution gespielt hatte, nach Katsuyama aufgebrochen. Da ich keinen Plan hatte, wie und wann dort Busse fahren habe ich nachgefragt und den Tipp bekommen, dass ich doch gleich hier am Bahnhof auch Fahrräder kostenlos leihen könne. Also haben wir uns zwei Drahtesel geliehen (für Marc war es viel zu klein, bei mir ging es) und sind zum Katsuyama Schloss aufgebrochen, dem höchsten Schloss in Japan mit ca. 58 Metern. Katsuyama an sich ist ziemlich tot und entsprechend wenig Touristen findet man dort. Vermutlich ist im Winter mehr los, wenn Ski-Saison ist, denn Katsuyama ist von Bergen umschlossen und hat drei verschiedene Ski-Resorts. Das Schloss fand ich sehr schön. Vor allem die großen Drachen an der Außenwand konnten mich begeistern. Das Gelände selbst war nahezu verlassen und als wir Bauarbeiter am Werk sahen, hatten wir Angst, das Schloss sei geschlossen. Aber wir lagen falsch, denn die Bauarbeiter hielten für uns kurz inne und wiesen in Richtung Eingang. Drinnen war es ziemlich kalt (deshalb bekommt man an der Kasse auch Wärmetücher, die man durchknetet oder schüttelt oder was auch immer um eine chemische Reaktion auszulösen, die das Ding warm macht). Außerdem mussten wir unsere Schuhe aus und Slipper anziehen. Dabei war gut zu erkennen, dass sich nur ca. 10 Personen im Schloss aufhielten, denn mehr Schuhe waren nicht zu sehen. Es ging mit dem Fahrstuhl hoch in den 6. Stock zur Aussichtsplattform und dann mit der extrem flachen Treppe, die pro Stockwerk 4 Zwischenebenen hat, nach unten. Es gab einges zu sehen. Neben dem genialen Ausblick auf die Gebirgslandschaft, den wir dem guten Wetter zu verdanken hatten, gab es Austellungen zur Geschichte des Schlosses, ein wenig Kunsthandwerk und sehr viele beeindruckende Rüstungen und Waffen. Andere Besucher sahen wir nur ein einziges Mal. Alle anderen Leute waren Angestellte. Das Schloss selbst ist 1989 neu aufgebaut, nach dem Vorbild des alten Schlosses, wie ich vermute. Von dem originalen Schloss ist nur noch das Fundament geblieben und das liegt irgendwo im nirgendwo. Okay, das neue Schloss liegt auch mitten von Feldern umgeben, aber es ist unweit vom nächsten Reisepunkt: dem Echizen Daibutsu, dem großen Buddha von Echizen (Echizen war früher der Name einer Provinz, deren Gebiet nun in Fukui liegt). Auf dem Parkplatz des großen Buddhas standen nur die beiden Fahrräder, die wir mitgebracht hatten. Ansonsten war dort nichts. Es gab eine kleine Souvenirstraße in der nicht ein einziger Laden geöffnet hatte. Das einzige offene waren zwei Läden die nicht in Betrieb waren. Dort gab es Tische, Stühle, Getränkeautomaten und eine Box mit Lesestoff zur Selbstbedienung. Entgegen unserer erneuten Ängste war aber auch der Daibutsu nicht geschlossen. Wir kauften also unsere Tickets und betraten das große Areal. Es gab ähnlich wie in Nara ein großes Tor mit Wächterstatuen, die zwar neu, aber meines Erachtens nicht minder beeindruckend waren. Der Raum (oder besser die Halle) mit dem Buddha selbst hatte eine handvoll Besucher. Es gab dort die größte Buddhastatue Japans mit ca. 17 Metern Höhe, daneben 4 weitere bestimmt über 12 Meter hohe Statuen und im Hintergrund waren die Wände gefüllt mit kleineren Buddhas, die größten davon immer noch so groß wie Japaner. Marc und ich waren sehr angetan. Danach ging es noch zur Mauer der neun Drachen, eine sehr schöne Mauer mit buntem Mosaik und eben neun Drachen (wahrscheinlich Bezug nehmend auf den Namen des Flusses, der durch Katsuyama fließt, der Kuzuryuu Gawa, Fluss des Neunköpfigen Drachen), und danach zu einer 5-stöckigen Pagode, die erste Pagode, die ich bisher betreten habe. Nach diesem lohnenden Ausflug ging es zurück nach Fukui, wo wir Soosu-Katsu, eine Spezialität der Region, gegessen haben. Danach ging es weiter zu einer kleinen Shoppingtour durch diverse Videospieleläden, wobei Marc fündig wurde und ein Neo Geo Spiel kaufte.