Sonntag, Oktober 29, 2006

Die letzte Woche

So, jetzt nochmal kurz zusammengefasst, was alles passiert ist. Ich habe Donnerstag Internet- und Telefonanschluss bekommen. Frau Akado von NTT ist mit einem fertig voreingestellten Modem hergekommen, mit dem Internet wirklich per Plug and Play funktioniert. Einstöpseln und fertig. Nach einem kurzen Test und einer kleinen Runde Counter Strike Source auf einem der ca. 12 japanischen Server, die es nur gibt, musste ich auch gleich wieder los zur Uni. Wir trafen uns dann dort mit den Tutorinnen und sind zum Rathaus um unsere Alien Registration Cards entgegen zu nehmen. Danach haben wir Omiyage für den Präsidenten und Vizepräsidenten der Uni gekauft, die wir nach dem anschließen den Unterricht besucht haben. Es war mal wieder ein recht steifes Treffen, sehr viel steifer als beim Dekan. Lars hat dabei den Vogel abgeschossen, als er auf die Frage, wie es ihm im Wohnheim ginge, sehr deutsch und direkt erzählt hat, dass es laut und etwas verdreckt sei. Die Präsis haben sich dann erstmal beraten, was man dagegen tun könne, aber ich glaube, das war wohl mehr um Gesicht zu wahren und dass da nichts nach kommen wird. Lars hofft dasselbe ^^ Danach bin ich auf dem Fahrrad losgezogen um ein Telefon zu kaufen. Ich wollte eigentlich bei den Second Hand Läden Hard Off und Off House nachschauen, aber da kam ich leider 2 Minuten zu spät, da beide Läden, ebenfalls sehr deutsch, bereits um 20 Uhr schließen. Das Telefon hab ich dann letztlich bei Hyakuman Boruto = 100 Man Volt = 1.000.000 Volt gekauft. An der Kasse wurde ich gefragt, ob ich eine Mitgliedskarte oder so hätte, aber natürlich hatte ich keine. Die Kassiererin hat es aber trotzdem billiger für mich gemacht. Solchen Service wünsche ich mir in Deutschland :-) Als ich dann abends zum ersten Mal seit langem Skype und Yahoo Messenger anschmiss, hatte ich auch gleich bis zu drei Chatfenster gleichzeitig offen.

Tags drauf am Freitag ging es dann mit einer Reisruppe bestehend aus drei Deutschen, zwei Taiwanesen und ca. 20 Chinesen nach Ishikawa Ken, die nächste Präfektur im Norden. Auf dem Weg haben wir eine ziemlich große, goldfarbene Buddhastatue gesehen, die bestimt so 20-30 Meter groß gewesen sein muss. Angeblich soll die zu einem Freizeitpark gehört haben, der aber bereits seine Pforten geschlossen hat, wenn ich den Sensei richtig verstanden habe. Als erstes Stand das JAIST Forschungsinstitut auf dem Plan. Dort studieren hauptsächlich Doktoranden und forschen im Bereich der Informatik und der Chemie. Das Gelände war sehr hübsch, die Gebäude sauber und futuristisch. Es sah aus wie einem Ego Shooter. Ich hätte auch gerne gewusst ob man das Gelände an Wochenenden für Paintball mieten kann ^^ -die Führungen waren nicht so spannend. Es gab ein paar Supercomputer und grosse Server, ne Menge Elektronenmikroskope und einen sehr starken Magnetfeldgenerator.

Der nächste Halt war in der Stadt Kanazawa. Dort haben wir in unter zwei Stunden den Kanazawa Schlosspark und den Kenroku Garten besichtigt. Beides sehr, sehr schön, aber leider waren unsere Guides so erpicht darauf ihr Programm durchzubekommen, dass sie uns ständig herumgescheucht haben. Weil sie aber so viele spezifische Vokabeln benutzt haben, konnte ich dem, was sie sagten kaum folgen und hätte mich lieber darauf konzentriert, die Szenerie zu genießen und ein paar hübsche Fotos zu schießen, aber kaum blieb man stehen hieß es: "Hier entlang!" oder "Kommen Sie, schnell!" auf Japanisch natürlich.

Als letztes haben wir den Myouryuuji, einen Tempel mit dem Spitznamen Ninja-Tempel, besichtigt. Nach einer langweiligen und unverständlichen Einführung per Tonband, gab es dann eine sehr interessante Führung, bei der uns alle möglichen verstekcten Räume, Treppen, Fallen und Fluchtwege gezeigt wurden. Der Tempel muss von paranoiden Leuten gebaut worden sein, die jederzeit einen Angriff befürchtet haben. Als Kind der perfekte Spielplatz zum Verstecken spielen.

Gestern gab es noch ein Summer School Treffen, bei dem neben uns Deutschen auch Teilnehmer vergangener Summer Schools aus Fukui dabei waren. Mayumi, Elenas Tutorin, spielte ein Lied auf der Shamisen vor und Elena eines auf der Gitarre. Hayashi Senseis Versuche, noch jemanden dazu zu bringen, ein Talent vorzuführen, wurden erfolgreich von allen abgeblockt. Am Abend gab es dann eine Halloween-Party, die eigentlich schon mit einer Bahnrundfahrt begann, aber weil Lars falsche Informationen bekommen hatte, kamen wir dazu zu spät und mussten uns am Ende der Bahnfahrt anschließen. Während wir auf die kommende Bahn warteten, begneten wir einem Amerikaner und einem Kanadier, die mir wirklich Angst gemacht haben mit ihren sehr freizügigen Kostümen... Die Feier ging dann in einem recht kleinem Club weiter, der aus einem Tanz- und einem Barraum bestand, die viel zu klein waren um den Menschenstrom aufzunehmen. Mir war das ganze zu laut und zu voll, also hab ich mich sehr schnell wieder verdrückt.

Heute Vormittag bin ich dann mit Aika und einigen Freunden von hier ins Gamecenter (eigentlich zwei verschiedene) und danach Essen gegangen. Die vier Japaner waren wirklich ganz normale Menschen. Natürlich ein wenig Spiele-Manga-Anime-orientiert, aber nicht diese androgynen Schönlinge oder Hip-Hopper, die man hier öfters sieht. Leider konnte ich den Gesprächen nicht wirklich folgen und vor allem einen, der aus Osaka kommt und auch bereits arbeitet, konnte ich so gut wie gar nicht verstehen. Anfangs dachte ich sogar, er würde nicht einmal Japanische sprechen ^^ Die Spielhallen in Japan sind interessant. Es gibt immer die Pachinko und Slotautomaten, an denen man nur Geld verliert und die Grabsch-dir-Was-Automaten, bei denen auch nie was gewinnt (einer hat mit drei Versuchen nur ein winzig kleines Päckchen Schokoladen-Herzen bekommen). Daneben gibt es dann noch Mahjong Automaten und Pferderenn-Wettautomaten. Da sitzen dann die Leute in ihren High-Tech-Stühlen und wetten auf virtuelle Pferderennen. Sehr viel gibt es von den Prügelspielautomaten und auch Rennspielautomaten sind weit verbreitet. Aber nicht nur normale Rennspiele, auch Motorad-, Fahrrad-(zum selbst Pedale treten), Truck-, Bus-(Tokyo Guide Bus) und sogar Pferderennautomaten (zum selbst reiten). Sehr lustig fand ich auch den neuen After Burner Automaten. Wer sich auskennt, weiß sicherlich, dass das ein altes Sega-Spiel ist, bei dem man mit dem Flugzeug herumfliegt und alles abschießt was sich bewegt und das gante in 3D. Tja, dieser Automat hatte schicke neue Grafik und der Stuhl bewegte sich mit! Man musste sich auch anschnallen dafür. Ein sehr interessantes Spielgefühl. Musikspiele gab es nicht so viele: Taiko no Tatsujin (japanische Trommeln), Drum Mania (Schlagzeug), Dance Dance Revolution, Guitar Freak und Beat Manie ebenso wie Pop'n'Music habe ich heute nicht gesehen, aber die gibt es hier auch. Lightgun Spiele gibt es auch einige, auch mit größeren Gewehren, auch mit richtigem Snipergewehr mit Fernrohr. Dann gibt es neuerdings auch Strategiespiele die mit Karten gespielt werden. Man hat dann ein Feld und einen Monitor vor sich und legt seine Karten (die man wohl kaufen muss) auf das Feld um Aktionen am Monitor auszuführen. Es gab solche Automaten mit Fußball, einem Gundam Sci-Fi Strategiespiel und einem historischen, asiatischem Strategiespiel. Es schien auch ein richtiges Rollenspiel mit Touchscreen zu geben, womöglich sogar Onlinerollenspiel, ich weiß aber nicht wie das funktioniert. Ansonsten gab es noch ne ganze Masse mehr, aber es würde zu lange dauern alles aufzuzählen. Das genialste, was ich bisher gesehen hab, war aber der Half-Life 2 Deathmatch Automat in Nagoya. Da waren vier vernetzt Automaten auf denen die Leute in Teams gegeneinander gespielt haben. Ich glaube aber nicht, dass ich mich mit der Zwei-Stick-Steuerung anfreunden könnte. Ich hab schon mit dem einen Stick bei After Burner nix getroffen ^^

Samstag, Oktober 28, 2006

Ein paar Fotos

Da ich gerade keine Zeit für lange Romane habe und mein Eintrag von gestern durch Absturz verloren ging, erstmal ein paar Fotos.

Die Ekimae-Strasse, die zum Bahnhof führt. Die Innenstadt Fukuis. Samstag Mittag ist nicht so viel los und ich hab das Foto geschossen, als gerde alle Ampeln auf Rot waren ^^

Der kahlköpfige Saxophonist in der Ekimae-Straße:

Hab ich heute entdeckt:

Kathrin und Lars an der Uni (zwischen Mensa weiter links und Bib weiter rechts):

das Kyouikuchiiku Gebäude in dem ich Unterricht habe:

Essen in der Mensa mit Aika, Lars und Kathrin:

Die Straße vor meinem Haus (siehe ganz links) mit Blick nach Norden (Richtung Uni):

...und mit Blick nach Süden (Richtung Innenstadt):

Der Kenroku-Garten in Kanazawa:

Der Kanazawa Schlosspark:

Das Forschungsgelände von JAIST in Ishikawa-Ken:

Ein Bild aus Nagoya mit Yamamori-Sensei, Doro und mir vor dem Nagoya-Schloss:

Montag, Oktober 23, 2006

Sehr beschaeftigt

Die letzte Woche war sehr anstrengend. Da ich das Wochenende in Nagoya verbracht hatte, hatte ich die Vorbereitungen noch nicht fertig fuer die Woche. So musste ich einiges nachholen. Fuer diese Woche musste ich dann sogar noch mehr machen, was mein Wochenende gut verkuerzt hat. Ausserdem ist es alles sehr anstrengend. Nach dem Unterricht und auch nachdem man irgendwas fertig gemacht hat, ist man ziemlich erschoepft. Ich hab in den letzten Tagen auch gut 2 Stunden oder so am PC gespielt. Ansonsten war ich zwischendurch oefters mit dem Fahrrad unterwegs, auch abends, um die Gegend zu erkunden oder Laeden genauer unter die Lupe zu nehmen, die Manga oder Spiele verkaufen. Ich hab mir auch bei Books Off ein paar Manga von Masakazu Katsura sehg guenstig gekauft, hab aber noch keinen Blick rein geworfen. Ich hab auch meine mitgebrachten Manga und Buecher und auch meine Kanjikarten noch gar nicht angefasst.

Am Freitag gab es eine offizielle Orientierung fuer die neuen auslaendischen Studenten, bei der man uns hauptsaechlich nochmal all das erklaerte, was wir schon wussten und uns mit Werbung fuer Fukui, die Uni und der internationalen Gemeinschaft zuschuettete. Am Anfang stellten sie uns auch unsere Senseis vor, bei denen wir schon seit einiger Zeit Unterricht haben, woraufhin wir alle (mehr als die Haelfte der Anwesenden) auf die Buehne gebeten wurden um uns nacheinander vorzustellen. Ausserdem wurde noch sehr deutlich und explizit darauf verwiesen, doch ja Acht im Verkehr zu geben. Vielen Dank, aber ich bin kein Grundschueler mehr und bin mir der Gefahren des alltaeglichen Verkehrs bewusst. Man brachte sogar Beispiele an, in denen auslaendische Studenten in den letzten Jahren Verkehrsunfaelle hatten und laenger als einen Monat im Krankenhaus lagen. Das ganze gibt einen netten Kontrast zu den Plakaten hier in der Gegend die mit Stolz verkuenden, dass es im Verwaltungsbezirk in den letzten 365 Tagen nicht einen einzigen Verkehrstoten gab.

Im Anschluss gab es dann eine wunderbar ungezwungene Willkommensparty, auf die keiner Bock hatte. Dort wurden wir Land fuer Land nochmals auf die Buehne geschickt um ein Lied aus unserer Heimat zum besten zu geben. Als Deutschland aufgerufen wurde, hatte Kathrin sich guenstigerweise zum Rauchen davonzustehlen, so dass Elena und ich alleine "Ick heff mol een Hamburger Veermaster sehn" singen mussten, da Lars den Text nicht kannte.

Am Abend haben wir vier uns dann mal wieder bei Elena zusammen gefunden um eine Partie Siedler zu spielen, bei der ich als Letzter abschnitt (@Marc und Andi). Das heisst dann wohl, dass ich bald ne Freundin bekommen muss ^^ Wir haben uns so gegen 8 Uhr versammelt und um 2 Uhr wieder verstreut und haben doch nicht mehr als eine Partie geschafft, da wir zwischendurch ueber Gott, die Welt und das Leben in Japan gequatscht haben. Ein sehr netter Abend, auch wenn ich allmaehlich ein schlechtes Gewissen bekomme, zu viel Zeit mit Deutschen zu verbringen und nur Deutsch zu sprechen. Naechstes Mal sollten wir vielleicht noch jemanden dazu holen, der kein Deutsch versteht ^^

Heute war ich mit meiner Tutorin Aika mittags noch vor dem Unterricht ins Kino gegangen. Da Sie dort arbeitet hatte sie freien Eintritt und konnte durch einen Freund, der dort arbeitet auch fuer mich eine Freikarte ergattern. Wir sind viel zu frueh (und ich viel zu warm angezogen und mit Regenschirm, den ich nicht wirklich brauchte, aber trotzdem mit hatte, weil Aika gesagt hatte, dem Wetterbericht zufolge solle es regnen, selbst aber vergessen hatte, den ihren mitzunehmen, aber das Wetter war ja auch gut, weil sie eine Hare-onna sei, eine Gut-Wetter-Frau, wenn man mit einer solchen unterwegs ist, hat man immer gutes Wetter. Solche Frauen muss man nach Hamburg importieren ^^) losgefahren und sind noch ein wenig im Einkaufsviertel vor dem Bahnhof rumgelatscht. Ich hab ihr erstmal erklaert, was es mit den im Buergersteig eingravierten, mit merkwuerdigen Texten wie Pisces, Aquarius oder Libra beschrifteten Symbolen auf sich hat, und sie hat mir im Anschluss einen schoenen Jinja, einen Schrein gezeigt, mitten im Einkaufsviertel, den man durch eine Seitengasse erreicht. Dann war ich das erste Mal seit meiner Ankunft in Japan (vor fast 3 Wochen) in einem McDonald's. Aika hatte einen Stapel Rabattmarken fuer Makkudo, wie es die Japaner abkuerzen, dabei. Ich entschied mich fuer ein Menue mit Krabbenburger und Krabben- und Chickennuggets plus Getraenk. War lecker und die Chickennuggets mit Barbecue-Sosse haben mich an meine Schulzeit an Husum erinnert, wenn meine Mutter Freitags nach der Schule mit mir einkaufen war und wir bei McDoof gegessen haben. Das Kino sieht stink normal aus, aber es gibt freie Platzwahl und somit auch keine Parkett-Logen-Trennung wie in Hamburg. Der Film, Il Mare (eigentlich das US-Remake des gleichnamigen koreanischen Films, der im Original "The Lake House", hier aber "Il Mare" heisst), lief in Englisch mit japanischen Untertiteln, die ich mir nur selten angeschaut habe, zumal sie auch etwas schwer zu lesen waren, aufgrund des ungewohnten Fonts. Der Film hat mir sehr gefallen, aber vermutlich sollte man sich eher das koreanische Original anschauen, wenn man kann, zumindest bekommt man den Eindruck, wenn man hoert wie sehr Marc von dem Film schwaermt ^^

Zu guter letzt waren wir heute noch beim Kyouikuchiikigakubuchou, dem Dekan der Erziehungs- und Regionalwissenschaften an der Fukudai, der Fukui Uni. Ich hatte den Dekan, Kurogi-Sensei, bereits in Hamburg getroffen, und war beauftragt gewesen mit ihm loszuziehen um deutsche Schulbuecher fuer Mathematik zu kaufen, die Kurogi-Sensei mit japanischen und anderen vergleichen wollte. Wir hatten Omiyage, Mitbringsel, fuer ihn dabei, aber noch bevor wir sie ihm geben konnten, bekamen wir von ihm erstmal faustgrosse, leckere Windbeutel und Tee und Kaffee angeboten. Wir haben uns dann ne Weile mit ihm unterhalten und haben kurz vorgestellt, in welcher Richtung wir in Japan Forschung betrieben wollen.

Heute muss ich noch meine 3-Minuten-Rede fuer Mittwoch schreiben. Donnerstag bekomme ich Internet, muss zum Rathaus um meine Alien Registration Card abzuholen, dann zum Unterricht und dann zum Vizepraesidenten der Uni. Am Freitag ist eine Ausflug fuer die auslaendischen Studenten nach Ishikawa-Ken, die naechste Praefektur im Norden, angesagt, Samstag gibt es eine Summer School Party an der ich teilnehme und eventuell noch eine Halloween Party, von der ich noch nichts weiter weiss, und Sonntag wollte Aika mich Freunden vorstellen um dann gemeinsam in eine Spielhalle zu gehen (Video Game Center / Spielhalle / Bowlingbahn / Tischtennis). Mal wieder alles verplant also. Naechste Woche Dienstag geht es im Nihon Jijou Kurs ueber japanische Kultur ins Geschichtsmuseum und Mittwoch habe ich zum Glueck frei. Das verdanke ich dem ungewoehnlichen Umstand, dass Freitag ein Feiertag ist und man den Freitagsunterricht auf den Mittwoch verlegt hat. Da ich aber Freitags frei habe, kann ich mich ausruhen :) Uebrigens bekomme ich mit dem Internet auch einen Telefonanschluss. Wer die Nummer wissen moechte, kann mich ab sofort danach fragen. Ich hab sie mir schon aussuchen duerfen :)

Dienstag, Oktober 17, 2006

Ich bekomme Internet!!!!!

Ich hab mich am Freitagabend extra frueh schlafen gelegt damit ich zeitig um 5 Uhr aufstehen konnte. Nach dem rund 20-minuetigen Spaziergang zum Bus Terminal und der anschliessenden 3-stuendigen Fahrt (die eigentlich nur 2:35 dauern sollte), von denen ich die ersten zwei Stunden auch noch genutzt habe um Hausaufgaben zu machen und zu lernen, war ich eigentlich schon kaputt, als ich in Nagoya ankam. Weil weder ich noch Doro wussten, dass der Bus am Meitetsu Terminal und nicht am JR Bus Terminal ankommen wuerde, und der Terminal relativ gross und verwinkelt ist, hat es gut eine halbe Stunde gedauert, bis Doro mich endlich in Nagoya willkommen heissen konnte. Tja, und dann tauchte ploetzlich ein grauhaariger Japaner auf, der mir bekannt vorkam und tatsaechlich entpuppte er sich als kein geringerer als Yamamori-Sensei, den ich erst kurz zuvor in Fukui getroffen hatte. Doro hatte sich mit ihm verabredet um mich abzuholen ohne es mir zu sagen. Und ich dachte schon, es sei ein unglaublicher Zufall...

Wir sind dann erst einmal zu dritt in den Nagoya Tower, wo ich bei einer Citibank-Filiale im 33. Stock endlich Geld vom deutschen Konto abheben konnte. Meine Barreserven waren bis dahin schon arg erschoepft gewesen und haetten nie bis zum Ende des Monats gereicht, an dem mein Stipendiengeld endlich ankommen soll. Danach haben wir dann das Nagoya-Schloss besichtigt und anschliessend Spezialitaeten aus Nagoya im dort ansaessigen Touri-Restaurant gegessen. Waehrend einer kleinen Pause im Garten, zwischen der Verabschiedung von Yamamori-Sensei und der Ankunft von Doros Freundin Marlies, wurden wir von einem aelteren Japaner angesprochen, mit dem wir uns dann gut eine Stunde unterhalten haben. Da er sich Muehe gab deutlich, langsam und mit einfachen Worten zu sprechen, konnte ich fast alles verstehen, im Gegensatz zum sonstigen Alltag. Mit Marlies haben wir das Schloss dann noch einmal besichtigt. Auch beim zweiten mal faszinierte mich die Saenfte mit eingebautem Fernseher. Haette nicht gedacht, dass man damals in Japan schon solchen Luxus hatte ^^ Am Abend waren wir noch in einem riesigen Einkaufsviertel namens Oosu (oder so aehnlich) und danach ging es zum Wohnheim, dem Aichi Shukutoku Daigaku Kokusai Kouryuu Ryou (glaube ich, kann auch etwas anders gewesen sein, aber auf alle Faelle furchtbar lang; sehr unguenstig, weil man staendig ueberall seine Adresse angeben muss). Dort habe ich in einem Gaestezimmer uebernachtet, einem Washitsu (japanischer Stil mit Tatami-Matten und Schiebetueren) das rund 10 Tatami-Matten umfasste (mein Zimmer in Fukui hat 6!). Einen schoenen Ausblick auf eine Gruenflaeche bot es zudem auch noch, und zur Zierde gab es eine schicke Vase und eine Schriftrolle mit Kalligraaphie an der Wand. Sogar ein eigenes Telefon gab es im Gaestezimmer. Sehr luxurioes. Doros Zimmer ist so gross wie die Wohnheimzimmer hier in Fukui, nur viel neuer und sauberer. Am naechsten Tag habe wir dann noch das Nagoyamatsuri besucht und haben Purikura gemacht. Danach war es auch schon wieder an der Zeit zurueckzufahren.

Gestern waren wir vier Deutschen mit unseren Tutorinnen Okonomiyaki essen, in einem Restaurant, wo man die Zutaten selbst auf die Herdplatte schmeisst und zubereitet). War sehr lustig und die ersten beiden haben mir auch gut geschmeckt (Anmerkung der Redaktion: Okonomiyaki werden gelegentlich als japanische Pizza bezeichnet. Sie koennen prinzipiell mit allen moeglichen Zutaten zubereitet werden. Haeufig ist Kohlsalat eine Basis, ebenso wie Ei. Dazu kommen dann alle moeglichen Zutaten wie Fleisch, Fisch, Meeresfruechte, Gemuese oder auch Soba (Nudelsorte). Das ganze wird dann einfach in der Schale, in der man die Zutaten bekommt, vermengt, auf der Platte zu einem flachen, runden, kuchenartigem Gebilde geformt und von beiden Seiten gebraten. Dazu gibt es leckere Sosse, Mayonnaise und so huebsches Zeug zum drueberstreuen. Gibt bestimmt auch nen informativen Eintrag bei Wikipedia zu dem Eintrag, falls jemand mehr wissen moechte). Den Okonokiyaki mit Meeresfruechten mochte ich aber nicht so gerne.

Jetzt endlich zum Internet. Ich hatte gestern bei NTT, dem Standard-Telefonanbieter in Japan, angerufen (kostenfrei aus der Telefonzelle), da es kein Kundenzentrum gibt, wo man persoenlich mit Mitarbeitern sprechen kann. Da Elena und ich schon vorige Woche die Empfangsdamen im Shiyakusho gebeten hatten dort fuer uns anzurufen, wussten wir, dass dort eine Frau Akado arbeitet, die Englisch spricht. Mit der hatte ich dann telefoniert und weil ich skeptisch war, meinen Pass und Alien Registration rueberzufaxen, wollte ich gerne erstmal mehr Info geschickt bekommen. Verabredet war dann, ich wuerde meine Unterlagen schicken und sie mir die Info. Heute rief ich dann nochmal an, weil ich die Info vorher haben wollte und am liebsten per E-Mail. Akado-San bot mir stattdessen an, einfach kurz bei mir vorbei zu kommen und es mir persoenlich zu erklaeren. Gesagt getan, war sie 40 Minuten spaeter da und nach einem kurzen Aufschlussreichen Gespraech entschied ich mich das Komplettpaket mit ADSL Flat und IP-Telefonie zu nehmen. Naechste Woche wird sie dann nochmal vorbeikommen und die Hardware installieren. Und ich dachte schon, NTT sei eine Servicewueste, weil sie kein Kundenzentrum haben (was aber auch sehr merkwuerdig ist, wie ich finde). Das ganze ist sogar noch guenstiger als bei anderen eigentlich guenstigen Anbietern, die mir Shino, eine Freundin von Lars, rausgesucht hatte.

Nebenbei bemerkt: Ich hab zwar nur 7 Doppelstunden die Woche, aber fuer die Deutschkurse muss ich mindestens je 2-3 Stunden lang uebersetzen, die Japanischkurse wollen vor- und nachbereitet werden (plus Hausaufgaben wie: Schreiben Sie doch mal einen 1000-Zeichen Aufsatz mit Ihrer Meinung zu diesem Text hier.) und auch in den anderen Kursen gibt es viel zu tun. Ausserdem stellen die Lehrer in den Japanischkursen hohe Ansprueche. Trotzdem waere ich nicht ich, wenn ich nicht Zeit finden wuerde, mir Zeit fuer andere Dinge zu nehmen. Aber seit meiner Ankunft in Japan (ICH BIN SEIT ZWEI, IN ZAHLEN 2, WOCHEN IN JAPAN!!!!) habe ich nur sehr wenig Computer gespielt oder Filme, etc. geschaut.

Zum Schluss noch meine Postanschrift hier in Fukui fuer Postkarten, Leserbriefe, Liebeserklaerungen, Care-Pakete und Briefbomben:

910-0021 (Das ist die Postleitzahl)
Fukui-Ken Fukui-Shi Kentoku 2-10-28 Kirakusou 203
(Fukui-Ken = Praefektur, Fukui-Shi = Stadt, Kentoku = Name des Stadtviertels, 2 = Abschnitt des Stadtviertels, 10 = Blocknummer im Abschnitt, 28 = Hausnummer im Block, Kirakusou = Hausname, 203 = Zimmernummer)
Land: Japan!

Die Adresse in genau der Reihenfolge aufschreiben. Schenkt eventuellen Vordrucken bei Paketformularen keine Beachtung. Wenn Japan draufsteht, kuemmert sich die japanische Post um die Entschluesselung der Adresse und dafuer ist die oben angegebene Reihenfolge wichtig.

Freitag, Oktober 13, 2006

Der erste wirklich freie Tag

Heute ist mein elfter Tag in Fukui und es war der erste Tag an dem ich wirklich nichts zu tun habe. Keine Uni, keine Verabredungen, keine Pflichtgaenge zu irgendwelchen Aemtern, einfach nur frei. Okaz, angesichts des bevorstehenden Wochenendes in Nagoya waere es wohl ratsam, wenn ich zu allermindest die Uebersetzung fuer den Deutschkurs am Montag vorbereite. Hab ich ja auch noch vor. Ich bin aber dennoch recht frueh aufgestanden und das obwohl ich gestern noch bei einer kleinen Willkommensparty fuer Austauschstudenten im Wohnheim war, wo ich mich auch ganz nett unterhalten habe ^^

Nach dem obligatorischen Gang zur Uni um E-Mails zu checken bin ich dann nochmal kurz nach Hause um dann so gegen 12 Uhr auf meine erste Erkundungstour mit meinem Fahrrad zu gehen. Ausgeruestet mit 1,5 Liter Extra-suessem Orangen-Fruchtsaftgetraenk, einer Tuete Vorabend-Backwaren von der Baeckerei, meiner Exilim und den superlecken, supersauren Shigekicks zum Naschen machte ich mich auf. Ich bin erst Richtung Norden dem Weg zur Videothek gefolgt, die Aika mir gestern gezeigt hat, und bin dann nach einem kleinen Zwischenstop weiter Richtung Norden gefahren bis hin zum Kuzuryugawa, dem Quasigrenzfluss noerdlich der Stadt. Dann ging es weiter ein Stueck nach Westen um dann der Bahnlinie nach Sueden zu folgen. Da mir das zu langweilig war, bin ich weiter nach Westen gefahren, bis zum Hinogawa, dem Quasigrenzfluss im Westen. Dann bin ich weiter nach Sueden und ueber den Asuwagawa, nicht mal eine Quasigrenze, aber es trennt immerhin die Innenstadt von der nicht ganz so geschaeftigen Gegend. Weil ich aber einen so grossen Umweg genommen hatte, dass ich mich auf der Karte nicht wieder gefunden habe, verzichtete ich darauf, eine kleine Spritztour ueber den Asuwayama, einen kleinen Berg suedlich des Asuwagawa mit Parks und Museen, zu machen und bin stattdessen zurueck nach Norden Richtung Innenstadt und nach Hause gefahren. Insgesamt war ich ueber 3 Stunden unterwegs und hab sehr viel von Fukui gesehen. Jetzt kann ich bestimmt frueh einschlafen, damit ich morgen rechtzeitig hochkomme um mit dem Bus um 7 Uhr nach Nagoya zu fahren.

So, zum Schluss noch ein paar Fotos: Das erste ist ein laengst ueberfaelliges Bild vom Haupteingang zur Fukui Daigaku, wo ich studiere. Das Zweite zeigt den Kuzuryugawa und die Gebirge im Osten von Fukui. Das Dritte zeigt den Hinogawa und die Gebirge im Westen, hinter denen das Meer liegt und das Vierte zeigt den Asuwagawa.

Mittwoch, Oktober 11, 2006

Nachtleben in Fukui, erster Uni-Stress und ein unerwartetes Wiedersehen

Gestern Abend sind Lars, Kathrin, Elena und ich losgezogen, um ein nettes Lokal zu finden, wo man was trinken kann. Nachdem wir uns mehrere Geschaefte angeschaut hatten (so ab 21:30 Uhr in der Innenstadt vor dem Bahnhof, und fast alles ausser den Kombinis und solchen Lokalen hatte bereits zu) entschieden wir uns spontan fuer eins, dass schon von aussen sehr ansprechend aussah. Ausschlaggebend mag wohl auch die Werbetafel mit dem Glas Bier fuer 190 Yen (also ca. 1,20 Euro) gewesen sein. Wir haben uns also reingesetzt und was zu essen (z.B. Gyouza, leckere Teigtaschen mit Hackfleisch und Gemuese) und was zu trinken (fuer mich eine Cola mit O-Saft in Ermangelung von Orangen-Fanta und echter Spezi, aber die Mischung war zu orangenlastig und etwas waesserig, aber die kennen das halt nicht) bestellt. Der Laden war sehr nett, das Essen gut und die Bedienung (die zu Freude aller ausser mir ausschliesslich aus jungen Japanern bestand, die alle sehr freundlich und zuvorkommend und vor allem sehr lebhaft waren). Auf dem Rueckweg kamen wir am Daibutsu, einer Buddha Statue, vorbei. Die sah im Dunkeln ganz schoen schaurig aus.

Heute Vormittag dann ging ich zu meinem Unterricht in japanischer Geschichte nur um festzustellen, dass er auf die Stunde zuvor verlegt worden war. Also schnell zum Sensei, entschuldigen und den Stempel abholen, den wir auf unserem Stundenplan brauchen, der morgen eingereicht werden soll. Danach hatte ich einen Rhetorik Kurs bei Kuwabara Sensei. Sie war viel netter als beim Nihongo Joukyuu Kurs, der als Vorbereitung auf den Test fuer das hoechste Sprachniveau im Japanischen dient, den man sich bescheinigen lassen kann, den Ikkyuu. Wir haben am Anfang sogar ein paar lustige Kennlernspiele gespielt, da hauptsaechlich Erstsemestler teilnehmen. Im uebrigen fast ausschliesslich Frauen, bzw. Maedchen. Die sind ja gerade mal 18 Jahre alt.

Danach ging es dann zu Hasegawa Sensei, der das Ryuugaku, das Auslandsstudium, hier in Fukui erst moeglich gemacht hat um ihm unsere Omiyage, unsere Mitbringsel aus Hamburg, zu ueberreichen. Dabei begegneten wir Yamamori Sensei, unserem Japanischlehrer aus Hamburg, der gerade im Buero von Hasegawa sass. Natuerlich waren wir sehr ueberrascht ihn in Japan und auch noch ausgerechnet hier in Fukui anzutreffen. Nach einem netten Gespraech haben wir uns dann wieder zerstreut und ich habe zu Hause zum ersten mal eine der beruehmten Kalt-Wasser-Waschmaschinen ohne Extra-Fach fuer Waschpulver benutzt, von denen ich schon so viel in anderen Blogs gelesen habe. Echt toll. Ein Teil der Waesche sieht jetzt noch dreckiger aus als vorher...

So, zum Abschluss noch ein paar Fotos aus meiner Wohnung, die ich am zweiten oder dritten Tag hier geschossen habe:

Dienstag, Oktober 10, 2006

Etwas entspannen und mehr Erledigungen

Ich hab inzwischen den Bus Terminal fuer Fahrten nach Nagoya gefunden und auch schon Plaetze reserviert, damit ich dieses Wochenende Doro in Nagoya besuchen kann. Am Sonntag hatte Lars Geburtstag und wir (Lars, Kathrin, Elena und ich, ein Koreaner aus dem Wohnheim von Lars, drei Summer School Japanerinnen (aus Hiroshima, Kyoto und Fukui) Kathrins Tutorin und eine halb Japanerin, mit der Lars befreundet ist) haben in Elenas Wohnung gefeiert. Die Volljapanerinnen haben nur bis 23 Uhr durchgehalten, aber wir anderen haben dann bis halb zwei weitergemacht.

Am Montag war ich dann wieder ueber 5 Stunden mit meiner Tutorin Aika unterwegs auf der Suche nach einem Fernseher und einem Kuehlschrank. Am Ende habe ich aber nur ein Mountain Bike gekauft fuer 10.000 Yen (ca. 65 Euro) mit dem ich dann nach Sonnenuntergang bei angenehm kuehler Temperatur (es war tagsueber noch relativ heiss gewesen) nach Hause fuhr.

Ausserdem habe ich im Game Center nahe der Uni ein paar Automaten ausprobiert: Drum Mania, Guitar Freaks, Silent Scope 2 und Virtua Cop 3. Ganz lustig aber es kostet 100 Yen pro Spiel. Sind zwar nur 65 Cent, aber bei Drum Mania habe ich einmal zu lange gebraucht, das Lied zu waehlen, so dass das nachstbeste fuer mich gewaehlt wurde und ich aufgrund des zu hohen Schwierigkeitsgrads nach wenigen Sekunden verloren hatte (normal darf man 3 Lieder hintereinander spielen).

Heute hatte ich den ersten Unterricht. Die erste Stunde behandelt japanische Kultur und ist recht einfach zu verstehen. Ausser mir nehmen nur 4 andere Auslaender (und sonst niemand, keine Japaner) daran teil. Unsere Lehrerin, Imao Sensei, ist sehr nett und spricht sowohl langsam als auch deutlich. Wir sind heute die japanischen Feiertage durchgegangen. Die Japaner haben eigentlich wenig Feiertage. Aber damit sie sich nicht ueberarbeiten wurden nach und nach mehr Feiertage eingefuehrt. Normal ist der Geburtstag des derzeitigen Tenno (Kaiser) ein Feiertag. Aber auch die Geburtstage voriger Tennos sind weiterhin erhalten geblieben auch wenn sie umbenannt wurden und einen tollen Sinn bekommen haben, wie der Midori no Hi (Tag des Gruens) an dem man Mutter Natur feiert. Bei solchen Tagen (auch beim Tag des Sports, Taiiku no Hi) nimmt man das mit dem Datum nicht so genau. Wenn es geht, verlegt man den Tag einfach auf einen Montag oder Freitag, damit man ein langes Wochenende hat. Der zweite Unterricht (Japanisch) war deutlich schwieriger. Wir bekamen einen Text (3/4 A4 Seite), den wir in 3 Minuten lesen und dann die Fragen dazu beantworten sollten. Am Ende musste auch die Lehrerin Kuwabara Sensei einsehen, dass wir doch etwas langsamer sind. Der anschliessende Japanischunterricht bei Imao Sensei (Grammatik) war wieder deutlich angenehmer.

Samstag, Oktober 07, 2006

Endlich mal ausgeschlafen

Heute habe ich zum ersten Mal richtig ausgeschlafen. Bin um 22 Uhr ins Bett und heute erst nach 9 Uhr wierder aufgestanden. Ich glaube, das wird ein guter Tag heute ^^

Die ersten Tage war ich staendig mit meiner Tutorin und meistens auch mit mindestens einem anderen Hamburg plus Tutorin unterwegs um mich ueberall anzumelden, Konten zu eroeffnen (eins bei der Post und eins bei der Fukui Bank), einen Handy-Vertrag abzuschliessen (natuerlich bei AU) und anderen Papierkram zu erledigen. Unsere Tutorinnen sind wirklich sehr nett und kuemmern sich gut um uns. Meine Tutorin Aika sagt mir staendig, ich solle Bescheid sagen, wenn ich irgendwas brauche. Als sie mich gestern nach Hause fuhr, hat sie mich auch noch mehrmals gefragt, ob ich nicht einsam sei ^^ Sie hat da ihre Erfahrungen, weil sie schon mal in Kanada war und sich dort wohl sehr einsam fuehlte.

Gegessen habe ich bisher meistens in der Mensa. Ist sehr guenstig und schmeckt auch ganz ordentlich. Man kann dort entweder komplette Tagesgerichte, komplette Standardgerichte (Nudelgericht wie Udon, Soba, Ramen und Curry oder Katsudon) bekommen oder sein Essen individuell zusammenstellen. Natuerlich kann man auch alles kombinieren ^^ Als Getraenk gibt es zwar nur kalten und heissen Tee, aber der ist kostenlos. Ausserdem stehen mehrere Sossen und Dressings bereit. Wenn man fertig ist, muss man dann alles fein saeuberlich trennen und die Reste wegschmeissen.

Gleich neben der Mensa ist ein Uni-Shop der guenstiger als ein 24-Stunden-Kombini ist, aber teurer als ein Supermarkt. Dafuer gib es guenstiges Fertigfutter (haeufig das wabbelige, suesse, japanische Brot in allen erdenklichen Formen mit typisch japanischen oder pseudo-europaeischen Belaegen), viel Suesskram und Snacks, gekuehlte Getraenke, Schreibwaren, Mangas und Zeitschriften und sogar Computerzubehoer. Elektronische Woerterbuecher und sogar Laptops kann man dort auch kaufen.

Meine meisten Einkaufe erledige ich bisher noch bei Mitsuwa. Das ist ein dreistoeckiger Supermarkt vergleichbar mit Marktkauf oder Plaza. Ein Laden fuer alles halt, aber nicht der guenstigste. Dafuer liegt er nur fuenf Minuten entfernt und direkt an der Bahn (so eine Art S-Bahn, die durch die gesamte Praefektur Fukui faehrt). Scheinbar hat er jedem Tag von 9:30 bis 21:00 geoeffnet. Jedenfalls steht 年中無休 bei den Oeffnungszeiten (also das ganze Jahr keine Pause) wo sonst der Hinweis auf das Schliessen an Sonn- und Feiertagen kommt. Fuer kleine Snacks in der Nacht und am fruehen Morgen sind die Kombinis gut, die es hier an mehreren Stellen gibt.

Mein Appartment liegt tatsaechlich halbwegs zentral. Die Stadt an sich ist relativ gross von der Flaeche her. Es fahren mehrere Buslinien (vier davon die Smile-Busse, bei denen eine Fahrt immer nur 100 Yen kostet), die erwaehnte Quasi-S-Bahn und eine kleinere Strassenbahn die in der Naehe der Uni haelt und Richtung Innenstadt faehrt.

Montag ist Feiertag (Tag des Sports!) und ab Dienstag beginnt dann die Uni fuer mich. Ich hab insgesamt 7 Kurse: Zwei Japanischkurse (Oberstufe) am Dienstag, zwei Deutsch-Japanisch Uebersetzungskurse bei Hayashi-Sensei am Montag und Donnerstag, ein Kurs Japanische Geschichte am Mittwoch, einen Rhetorik-Kurs am Mittwoch und einen Kurs ueber Japanische Gesellschaft und Kultur (Pflicht fuer mich) am Dienstag. Freitags habe ich also immer frei und Montags sowie Donnerstags faengt mein Unterricht erst Nachmittags an. :-)

So, heute will ich noch ein paar Sachen fuer die Wohnung besorgen und danach gehe ich mit Lars, Kathrin und Elena in die Innenstadt.

P.S.: Mein Handy kann E-Mails senden und empfangen (florianlau@ezweb.ne.jp)

Freitag, Oktober 06, 2006

Hat etwas gedauert...

Tja, das ist jetzt mein vierter Tag in Japan und ich habe gerade gestern erst erfahren, dass man ohne weiteres in der Bibliothek Internet nutzen kann, ganz ohne Anmeldung. Einen eigenen Anschluss daheim zu bekommen wird wohl ne ganze Weile dauern.

Ich bin jedenfalls wohlbehalten in Japan angekommen. Der Flug war ziemlich anstrengend. Man hatte nicht allzu viel Beinfreiheit und schlafen konnte ich bestenfalls ein, zwei Minuten am Stueck. Die Unterhaltung an Bord war eher maessig. Es gab 24 Musikprogramme aus aller Welt aber es gab nur ein Fernsehprogramm mit Monitoren am Ende des Ganges und ueber der mittleren Reihe. Wenn man weiter hinten und aussen sitzt, ist das etwas nervig. Und die Filme kamen erst in der letzten Haelfte, als die meisten schliefen (waehrend ich an dem Versuch dasselbe zu tun klaeglich scheiterte). Das Essen war ganz in Ordnung mit vielen kleinen Portionen zu den beiden Mahlzeiten Abendessen und Fruehstueck. Zwischendurch konnte man sich auch in den Zwischenraeumen frei bedienen und Kitkat, Onigiri, Sandwiches und Getraenke nehmen.

Um 8 Uhr japanischer Zeit sind Elena und ich (weil wir den Flug gebucht bekommen haben, sind wir mit derselben Maschine geflogen) am Kansai Airport (der wirklich ein gutes Stueck ausserhalb von Osaka liegt) angekommen und mussten dann erstmal mit der Bahn nach Fukui fahren. Die Fahrt war recht angenehm und die Bahn erinnerte mich sehr an die guten alten Regionalbahnen in Schleswig Holstein, etwas wackelig und alt aber dafuer nicht so steril. Waehrend der Fahrt hatte ich ausreichend Gelegenheit mir der Unterschiede der Architektur und der Landschaft in Japan im Vergleich zu Deutschland gewahr zu werden. Nach 3 Stunden Zugfahrt war ich dann endlich gegen Mittag in Fukui angekommen, wo auch schon unsere Tutorinnen auf uns warteten. Sie hatten gar nicht auf den versprochenen Anruf von uns gewartet und sind einfach zur erstmoeglichen Zeit zu der wir haetten ankommen koennen hingefahren. Tja, so ist der Service in Japan ^^.

Wir mussten erstmal zum Makler, der uns in viel zu schnellem Japanisch vollgetextet hat. Wir haben dann schoen brav Miete und Maklergebuehr bewzahlt, haben ueberall unterschrieben und die Schluessel entgegen genommen. Wir sind dann erstmal zu den Appartments gefahren. Das Haus ist ein wenig... naja, nicht ganz frisch jedenfalls. Elenas Appartment hatte sogar gleich zwei Zimmer zu je rund 6 Tatami (also je ca. 10 qm). Auch ihre Kueche und Bad fielen leicht geraeumiger aus, als bei mir. Dafuer habe ich einen Winzlingsbalkon mit Aussicht auf das nachste Gebauede 2 Meter vor meinem Fenster. Mein Spuelbecken ist uebelst verdreckt und will erst noch ordentlich gesaubert werden. Das Bad ist ziemlich klein und die Badewanne (ja, ich habe eine Badewanne) ist so klein, dass man gerade mal darin sitzen kann. Ausserdem riecht das Bad staendig nach dem Chlor, mit dem die Japaner ihr Leitungswasser schoen sauber halten. Naja, die Miete ist zumindest guenstig und die Uni ist nur 10 Minuten zu Fuss entfernt.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, alles moegliche fuer die leeren Wohnungen zu besorgen, vornehmlich Futons zum schlafen, und haben uns noch kurz mit unserem zustaendigen Professor, Herrn Hayashi, getroffen. Die erste Nacht war scheusslich. Ich war voellig erschoepft und konnte doch nicht recht schlafen. Ausserdem fuehlte ich mich ohne Internet abgeschnitten vom Rest der Welt. Eine kurze Runde Unreal Tournament am Laptop hat mich zumindest ein wenig beruhigt.

Soviel zum ersten Tag. Jetzt muss ich mich erstmal wieder mit den Tutorinnen treffen, weil es noch viel zu erledigen gibt...