Die letzte Woche
So, jetzt nochmal kurz zusammengefasst, was alles passiert ist. Ich habe Donnerstag Internet- und Telefonanschluss bekommen. Frau Akado von NTT ist mit einem fertig voreingestellten Modem hergekommen, mit dem Internet wirklich per Plug and Play funktioniert. Einstöpseln und fertig. Nach einem kurzen Test und einer kleinen Runde Counter Strike Source auf einem der ca. 12 japanischen Server, die es nur gibt, musste ich auch gleich wieder los zur Uni. Wir trafen uns dann dort mit den Tutorinnen und sind zum Rathaus um unsere Alien Registration Cards entgegen zu nehmen. Danach haben wir Omiyage für den Präsidenten und Vizepräsidenten der Uni gekauft, die wir nach dem anschließen den Unterricht besucht haben. Es war mal wieder ein recht steifes Treffen, sehr viel steifer als beim Dekan. Lars hat dabei den Vogel abgeschossen, als er auf die Frage, wie es ihm im Wohnheim ginge, sehr deutsch und direkt erzählt hat, dass es laut und etwas verdreckt sei. Die Präsis haben sich dann erstmal beraten, was man dagegen tun könne, aber ich glaube, das war wohl mehr um Gesicht zu wahren und dass da nichts nach kommen wird. Lars hofft dasselbe ^^ Danach bin ich auf dem Fahrrad losgezogen um ein Telefon zu kaufen. Ich wollte eigentlich bei den Second Hand Läden Hard Off und Off House nachschauen, aber da kam ich leider 2 Minuten zu spät, da beide Läden, ebenfalls sehr deutsch, bereits um 20 Uhr schließen. Das Telefon hab ich dann letztlich bei Hyakuman Boruto = 100 Man Volt = 1.000.000 Volt gekauft. An der Kasse wurde ich gefragt, ob ich eine Mitgliedskarte oder so hätte, aber natürlich hatte ich keine. Die Kassiererin hat es aber trotzdem billiger für mich gemacht. Solchen Service wünsche ich mir in Deutschland :-) Als ich dann abends zum ersten Mal seit langem Skype und Yahoo Messenger anschmiss, hatte ich auch gleich bis zu drei Chatfenster gleichzeitig offen.
Tags drauf am Freitag ging es dann mit einer Reisruppe bestehend aus drei Deutschen, zwei Taiwanesen und ca. 20 Chinesen nach Ishikawa Ken, die nächste Präfektur im Norden. Auf dem Weg haben wir eine ziemlich große, goldfarbene Buddhastatue gesehen, die bestimt so 20-30 Meter groß gewesen sein muss. Angeblich soll die zu einem Freizeitpark gehört haben, der aber bereits seine Pforten geschlossen hat, wenn ich den Sensei richtig verstanden habe. Als erstes Stand das JAIST Forschungsinstitut auf dem Plan. Dort studieren hauptsächlich Doktoranden und forschen im Bereich der Informatik und der Chemie. Das Gelände war sehr hübsch, die Gebäude sauber und futuristisch. Es sah aus wie einem Ego Shooter. Ich hätte auch gerne gewusst ob man das Gelände an Wochenenden für Paintball mieten kann ^^ -die Führungen waren nicht so spannend. Es gab ein paar Supercomputer und grosse Server, ne Menge Elektronenmikroskope und einen sehr starken Magnetfeldgenerator.
Der nächste Halt war in der Stadt Kanazawa. Dort haben wir in unter zwei Stunden den Kanazawa Schlosspark und den Kenroku Garten besichtigt. Beides sehr, sehr schön, aber leider waren unsere Guides so erpicht darauf ihr Programm durchzubekommen, dass sie uns ständig herumgescheucht haben. Weil sie aber so viele spezifische Vokabeln benutzt haben, konnte ich dem, was sie sagten kaum folgen und hätte mich lieber darauf konzentriert, die Szenerie zu genießen und ein paar hübsche Fotos zu schießen, aber kaum blieb man stehen hieß es: "Hier entlang!" oder "Kommen Sie, schnell!" auf Japanisch natürlich.
Als letztes haben wir den Myouryuuji, einen Tempel mit dem Spitznamen Ninja-Tempel, besichtigt. Nach einer langweiligen und unverständlichen Einführung per Tonband, gab es dann eine sehr interessante Führung, bei der uns alle möglichen verstekcten Räume, Treppen, Fallen und Fluchtwege gezeigt wurden. Der Tempel muss von paranoiden Leuten gebaut worden sein, die jederzeit einen Angriff befürchtet haben. Als Kind der perfekte Spielplatz zum Verstecken spielen.
Gestern gab es noch ein Summer School Treffen, bei dem neben uns Deutschen auch Teilnehmer vergangener Summer Schools aus Fukui dabei waren. Mayumi, Elenas Tutorin, spielte ein Lied auf der Shamisen vor und Elena eines auf der Gitarre. Hayashi Senseis Versuche, noch jemanden dazu zu bringen, ein Talent vorzuführen, wurden erfolgreich von allen abgeblockt. Am Abend gab es dann eine Halloween-Party, die eigentlich schon mit einer Bahnrundfahrt begann, aber weil Lars falsche Informationen bekommen hatte, kamen wir dazu zu spät und mussten uns am Ende der Bahnfahrt anschließen. Während wir auf die kommende Bahn warteten, begneten wir einem Amerikaner und einem Kanadier, die mir wirklich Angst gemacht haben mit ihren sehr freizügigen Kostümen... Die Feier ging dann in einem recht kleinem Club weiter, der aus einem Tanz- und einem Barraum bestand, die viel zu klein waren um den Menschenstrom aufzunehmen. Mir war das ganze zu laut und zu voll, also hab ich mich sehr schnell wieder verdrückt.
Heute Vormittag bin ich dann mit Aika und einigen Freunden von hier ins Gamecenter (eigentlich zwei verschiedene) und danach Essen gegangen. Die vier Japaner waren wirklich ganz normale Menschen. Natürlich ein wenig Spiele-Manga-Anime-orientiert, aber nicht diese androgynen Schönlinge oder Hip-Hopper, die man hier öfters sieht. Leider konnte ich den Gesprächen nicht wirklich folgen und vor allem einen, der aus Osaka kommt und auch bereits arbeitet, konnte ich so gut wie gar nicht verstehen. Anfangs dachte ich sogar, er würde nicht einmal Japanische sprechen ^^ Die Spielhallen in Japan sind interessant. Es gibt immer die Pachinko und Slotautomaten, an denen man nur Geld verliert und die Grabsch-dir-Was-Automaten, bei denen auch nie was gewinnt (einer hat mit drei Versuchen nur ein winzig kleines Päckchen Schokoladen-Herzen bekommen). Daneben gibt es dann noch Mahjong Automaten und Pferderenn-Wettautomaten. Da sitzen dann die Leute in ihren High-Tech-Stühlen und wetten auf virtuelle Pferderennen. Sehr viel gibt es von den Prügelspielautomaten und auch Rennspielautomaten sind weit verbreitet. Aber nicht nur normale Rennspiele, auch Motorad-, Fahrrad-(zum selbst Pedale treten), Truck-, Bus-(Tokyo Guide Bus) und sogar Pferderennautomaten (zum selbst reiten). Sehr lustig fand ich auch den neuen After Burner Automaten. Wer sich auskennt, weiß sicherlich, dass das ein altes Sega-Spiel ist, bei dem man mit dem Flugzeug herumfliegt und alles abschießt was sich bewegt und das gante in 3D. Tja, dieser Automat hatte schicke neue Grafik und der Stuhl bewegte sich mit! Man musste sich auch anschnallen dafür. Ein sehr interessantes Spielgefühl. Musikspiele gab es nicht so viele: Taiko no Tatsujin (japanische Trommeln), Drum Mania (Schlagzeug), Dance Dance Revolution, Guitar Freak und Beat Manie ebenso wie Pop'n'Music habe ich heute nicht gesehen, aber die gibt es hier auch. Lightgun Spiele gibt es auch einige, auch mit größeren Gewehren, auch mit richtigem Snipergewehr mit Fernrohr. Dann gibt es neuerdings auch Strategiespiele die mit Karten gespielt werden. Man hat dann ein Feld und einen Monitor vor sich und legt seine Karten (die man wohl kaufen muss) auf das Feld um Aktionen am Monitor auszuführen. Es gab solche Automaten mit Fußball, einem Gundam Sci-Fi Strategiespiel und einem historischen, asiatischem Strategiespiel. Es schien auch ein richtiges Rollenspiel mit Touchscreen zu geben, womöglich sogar Onlinerollenspiel, ich weiß aber nicht wie das funktioniert. Ansonsten gab es noch ne ganze Masse mehr, aber es würde zu lange dauern alles aufzuzählen. Das genialste, was ich bisher gesehen hab, war aber der Half-Life 2 Deathmatch Automat in Nagoya. Da waren vier vernetzt Automaten auf denen die Leute in Teams gegeneinander gespielt haben. Ich glaube aber nicht, dass ich mich mit der Zwei-Stick-Steuerung anfreunden könnte. Ich hab schon mit dem einen Stick bei After Burner nix getroffen ^^





















