Live aus Osaka
Naja... Ich werde wohl nicht so weit kommen, aus Osaka tatsaechlich zu berichten, denn zunaechst bin ich ja am 22. abends mit dem Nachtbus nach Tokyo aufgebrochen. Die Busfahrt war unbequem. Ich hatte zwar einen Einzelplatz (es gab drei Einzelreihen) mit viel Beinfreiheit und einer parat liegenden Decke aber letztlich konnte ich kaum schlafen und hatte Nacken- und Rueckenschmerzen. Angekommen bin ich dann 6 Uhr morgens in Shinjuku, wo mich dann nach einiger Zeit, da Zeit und Ort spontan geandert wurden (ich bin schon in Shinjuku ausgestiegen statt bis zum Tokyo-Bahnhof durchzufahren), von Doro abgeholt wurde. Wir sind dann zu den anderen gestossen und haben erstmal unser Gepaeck zum Hotel gebracht. Das Hotel war uebrigens sehr neu und sauber mit eingebautem Cafe. Unser Zimmer hatte zwei Doppelbetten von denen nur drei belegt waren (Sven, Mercy und ich). Timo und Doreen hatten ein eigenes Zimmer, Bentou und Caro waren woanders in einem Hotel, Ronja und Dannz waren in einer Wohnung von einem Freund von Dannz und Doro war bei einer Freundin untergekommen.
Als erstes ging es nach Asakusa, wo ein grosses rotes Toori (Kaminari-Mon = Donner-Tor) mit einem riesigen Lampignon steht. Dahinter erstreckte sich eine lange Strasse mit lauter Touristenlaeden die zum dahinter liegenden Schrein fuehrte, den wir im Anschluss besichtigten. Als nachstes ging es dann zum beruhmten Yasukuni-Schrein, wo unter den dort verehrten Ahnen auch Klasse A Kriegsverbrecher dazugehoeren. Er ist deshalb sehr beruehmt, weil japanische Premierminister immer wieder dorthin fahren und die Ahnen verehren, was in China, Korea und dem sonstigen asiatischen Umland auf Empoerung stoesst, da diese Laender unter diesen Kriegsverbrechern waehrend des Zweiten Weltkriegs gelitten haben. Der Schrein sah aber nicht allzu spannend aus, eher typisch, wie alle anderen groesseren Schreine in Japan. Danach ging es zurueck ins Hotel, wo wir nun endlich einchecken konnten und uns erstmal ausgeruht haben, bevor es schon wieder weiter zu Fuss von unserem Stadtteil Jimbouchou (einem Viertel das fuer seine unzaehligen Buchhandlungen beruehmt ist) zu einer anderen Bahnstation gingen, wo wir uns treffen wollten um zum Tokyo Dome zu gehen. Der Treffpunkt wurde dann aber verlegt und wir mussten von der Station zum Dome selbst gehen, was sich als Umweg herausstellte.
Der Tokyo-Dome ist eine Mischung aus Einkaufszentrum und Vergnuegunspark. Es gibt mehrere Attraktionen unter anderem auch eine Achterbahn und unzaehlige Restaurants. Der Dome an sich ist ein grosses Stadion. Sehr schoen waren die Wasserspiele dort. Natuerlich war auch noch alles weihnachtlich geschmueckt. Passende Bilder gibt es, wenn ich zurueck in Fukui bin. Im Dome ist dann auch noch Akko dazugekommen, eine Japanerin von der letztjaehrigen Summer School. Zu Abend haben wir dann McDo gegessen. Zurueck im Hotel hab ich mich erstmal hingelegt und war froh endlich den vermissten Schlaf nachholen zu koennen.
Nach dem ersten Tag war schon klar: Tokyo ist riesig und bunt. An das Verkehrssystem mit den vielen Bahnlinien musste ich mich erst gewoehnen und normale Supermaerkte gibt es in der Innenstadt so gut wie gar nicht. Dafuer an jeder zweiten Ecke einen Combini (Convenience Store 24h geoeffnet). Die Gebauede sind im Schnitt sehr hoch und recht neu. Eine schoene Stadt in der es sehr viel zu sehen gibt.
Am zweiten Tag ging es nach Harajuku, wo wir uns vor Snoopy Town, einem Shop in dem alles Snoopy und Co. Merchandise war. Sogar Suessigkeiten mit Snoopy vorn drauf (und dem selben Inhalt den man in jedem Super Markt bekommt) wurden dort verkauft. Nach dem Treffen trennten wir uns wieder um die Gegend zu erkunden. Ronja und ich haben erstmal Doener gegessen (hergestellt von echten Tuerken und mit vernuenftigem Geschmack) und sind dann durch eine eher enge aber hoffnungslos ueberfuellte Seitenstrasse geschlendert, wo Ronja sich mit Fanartikeln zu ihrer Lieblingsband w-inds eindecken konnte ^^ Nachdem sich alle wieder zusammengefunden hatten ging es zu der Bruecke auf der sich jedes Wochenende Cosplayer (Leute in Anime- und anderen Kostuemen) zur Schau stellen. Anschliessend sind wir durch den Yoyogi Park zum Meiji Schrein gegangen. Die Anlage war groesser und schoener als die vom Yasukuni. Anschliessend ging es zu Fuss weiter nach Shibuya, dem Stadtteil Japan den alle kennen. Dort sind naemlich die riesigen Bildschirme an den Hochhaeusern befestigt. Das ist Tokyo wie man es sich vorstellt. Alles blinkt und leuchtet und ueberall Menschen. Es war ja auch Heiligabend. Ronja, Doro, Aiko (bei der Doro uebernachtet hat) und ich sind herumgelaufen, haben uns einen riesigen Manga- Anime- Viedeospielladen im zweiten Untergeschoss eines Gebaeudes angeschaut (man musste ewig lang die Treppe runter dafuer), danach kurz in ein Game Center, weil ich unbedingt ein bisschen daddeln wollte und anschliessend zum Karaoke. Wir waren leider nur im zweiten Stock, hatte naber dennoch eine nette Aussicht aus dem Fenster auf die belebten Strassen Shibuyas zur Weihnachtszeit. Am Treffpunkt bei der Hundestatue Hachiko an dem Platz mit den oben besagten Bildschirmen haben Ronja und ich unsere Begleitung sogar auf der Kreunzung im Menschenstrom verloren. Zu zwoelft (Doro, Ronja, Aiko, Akko, Sven, Doreen, Timo, Bento, Caro, Danny, Mercy und ich) zogen wir dann los um einen Platz fuer Yulklapp (oder wie auch immer man das schreibt) zu finden. Da es aber in der naeheren Umgebung zu voll war und spaeter die Laeden um 8 schlossen - es war schon halb acht - dauerte es bis wir uns in einem Starbucks, das bis 9 geoffnet hatte niederliessen. Es stiess dann auch noch Marlies, eine Freundin von Doro aus Nagoya, dazu so dass wir mit 13 Leuten im Starbucks sassen und Geschenke austauschten. Und das war dann unser Weihnachten.
Tags drauf gingen wir zuerst zum Tokyo Tower, einem Eiffelturm Look-alike in wir letztlich alle nicht rein wollten, weil er als ueberteuerte Touristenfalle gilt. Stattdessen haben wir von unten aus ein Foto geschossen. Die Aussicht ueber ganz Tokyo genossen wir stattdessen im Tokyoter Rathaus. Im 45. Stock gab es eine kostenfreie Aussichtsplattform von der man ganz Tokyo ueberblicken konnte. Und die Stadt nahm kein Ende. Wohin man blickte: ein Meer aus Gebaeuden mit wenigen versprengten Gruenflaechen. Leider war es zu neblig um den Fuji zu sehen. Zufaelligerweise trafen wir aber noch Gabi, eine weitere Japanologin, dort, die mit ihrem Freund unterwegs war. Nach einem Mittagessen bei Royal Host (die Bedienung war tatsaechlich geradezu koeniglich hoeflich ^^) im Schatten der vielen Hochhaeuser Shinjukus ging es nach Akihabara, dem beruhmten Elektronikviertel Japans, in dem sich alle Otakus (die japanischen Anime-Manga-Spielefreaks und Stubenhocker) rumtreiben, wenn sie mal nicht zu Hause hocken. Ich bin zwar in unzaehlige Laeden gerannt und hab mir alles moegliche angesehen, aber gekauft habe ich nichts. Den Wii schon gar nicht, denn nach der Ankunft in Tokyo wurde mir schnell klar, dass mein jetztiges Geld erstmal fuer den Urlaub hier draufgeht. Ich bin dann wieder rechtzeitig zurueck zum Hotel, hab noch ein bisschen Verpflegung besorgt und ging dann nochmal los um nach CDs von Susumu Hirasawa zu schauen, der auch in seiner Heimat Japan nicht sehr beruehmt ist. Ich ging in den Laden Disk Union, ein dunkler, eher enger Laden, der schon so aussah, als koenne er Susumu Hirasawa im Angebot haben und tatsaechlich fand ich auch eine CD. Auf Nachfragen wusste der Mann an der Kasse sofort bescheid und fragte auch gleich, ob denn auch CDs von seiner Band P-MODEL in Ordnung sein und drueckte mir einen Batzen zum Durchschauen in die Hand. Ich hab dann am Ende die neueste von Hirasawa allein (dem Soundtrack zu "Paprika" anscheinend ein neuer Anime), eine alte von seiner Band und die neuste von Orange Range, einer beliebten J-Pop Band die ich hoere geholt. Abends hat dann Doro bei uns vorbeigeschaut und auch dort geschlafen, weil sie keine Lust hatte zur Wohnung ihrer Freundin am Rand der Stadt zu fahren.
Den zweiten Weihnachtstag mussten wir frueh hoch, denn es ging ins Tokyo Disney Land. Als wir losgingen fing es an zu regnen und hoerte bis spaet nachts nicht wieder auf. So goss es in Stroemen, waehrend wir durch den Park schlotterten und uns in jede naechstbeste Attraktion mit wachsender Begeisterung setzten, da uns alles gefiel, was warm und trocken war. Der Hoehepunkt war noch, als wir 50 Minuten bei kaltem Regen fuer Winnie the Pooh anstanden. Gesehen haben wir wenig (ich hielt den Kopf auch staendig nach unten um mich zu verkriechen) und mitgemacht haben wir auch nicht allzuviel (Space Mountain war sogar komplett geschlossen). Eine Erfahrung war es alles mal und irgendwie war es auch lustig, auch wenn ich am Ende meine Jacke, meine Hose, meine Socken und meine Schuhe auswringen konnte. Wir haben immerhin gut 7 Stunden durchgehalten. Nervig fand ich nur dass nach jeder Attraktion ein passender Merchandise-Shop kam um den Touristen das Geld abzunehmen, dass sie am Eingang noch nicht losgeworden sind. Am Ende sag ich dazu nur: Disney Land unter! Am Abend kam nochmal Doro vorbei und wir sind in einer kleinen aber belebten Seitenstrasse von Jimbouchou etwas essen gegangen. Da konnten wir uns das erste mal seit langem mal wieder ordentlich unter vier Augen unterhalten. Naja, alle anderen Augen konnten uns zumindest nicht verstehen ^^ Uebernachtet hat sie dann auch wieder im freien Bett bei uns im Zimmer.
Mein Gott. Ich schreib und schreib und bin erst mit dem vierten Tag der Reise fertig. Dabei ist heute schon der siebte...
Am 5. Tag, dem 27.12., dem Tag der Abreise, bin ich erstmal wieder nach Harajuku und anschliessend mit Ronja durch den Yoyogi Park. Dort wehten uns starke Windboehen dass Wasser einer vielleicht 20 Meter entfernten Fontaene ins Gesicht, als wir uns gerade am See auf einer Bank ausruhen wollten. Uebrigens sah ich in Yoyogi zum ersten Mal bewusst die Obdachlosen Japans, die die Regierung gerne totschweigt. Die lagen da zu Hauf im Park herum. Und das konnten sie auch problemlos, denn es waren bestimmt so an die 15 Grad gewesen. Tokyo ist verdammt warm im Winter! Danach ging es nochmal nach Shibuya zu Tower Records, einem ca. 6-stoeckigem CD-Laden, wo ich abermals eine CD von Susumu Hirasawa erstehen konnte. Danach habe Ronja, Doro und ich bei einem Italiener gegessen und danach sind Doro und ich in ein Cafe gegangen um nochmal etwas zu plaudern, bevor sich die Wege wieder trennen. Abends gab es dann ein grosses Abschiedsessen im Tokyo Dome bei Bubba Gump Shrimp Co., einem Shrimp-Restaurant dass von dem Film Forrest Gump inspiriert ins Leben gerufen wurde. Dort gab es wirklich riesige Protionen. Ronja und ich teilten uns eine Protion Shrimps mit Pommes und einen "Mud Pie" ein Stueck Eistorte an dem am Ende 4 Leute gegessen haben, bevor er endlich aufgegessen war. Anschliessend sind wir zu unseren Bussen gefahren. Ich bin zusammen mit Ronja, Mercy, Bento und Caro nach Osaka gefahren, waehrend Dannz mit Doreen und Timo nach Hiroshima aufbrach und Doro und Marlies zurueck nach Nagoya fuhren. Nur Sven blieb noch etwas in Tokyo. Auf der Fahrt sassen wir zu fuenft auf der Rueckbank und es war wieder mal sehr unbequem und schlafarm. Lustig war, dass ich 3 Uhr nachts - Abfahrt war um 21:30 Uhr gewesen - Doro und Marlies auf einer Raststaette traf, an der auch deren Bus hielt, der allerdings erst um 23 Uhr aufgebrochen war.
28.12. ca. 8 Uhr: Ankunft Osaka. Zuerst bin ich den anderen in deren Wohnheim gefolgt, wo ich erstmal Ronjas Dusche benutzen durfte um mich frisch zu machen. Hab mich in Ruhe mit ihr in ihrem zimmer unterhalten und ein bisschen DS mit ihr gespielt und sie hat auch fuer mich Essen gekocht ^^ Sie brachte mich dann zu meinem Hotel hier in Osaka und zeigte mir noch DenDen Town, dem Elektronik-Viertel hier, dass aehnlich wie Akihabara ist. Allerdings scheint es hier teilweise noch billiger zu sein und ich habe auch einen Laden mit vielen deutschen und internationalen Brettspielen entdeckt. Dort verkaufen sie natuerlich auch die Siedler von Catan, Carcassonne und auch Bohnanza. Immer schoen mit japanischer Anleitung eingeschweisst. Die Gegend hier in Osaka ist komplett anders als in Tokyo. Die Gebauede sind nur etwas kleiner, aber dafuer dreckiger und aelter und im Gegensatz zu den jungen feschen Tokyotern laufen hier eine Menge alter Leute herum, die aussehen, als seien sie Sozialhilfeempfaenger die ihr Geld beim Pachinko (japanische Spielautomaten) verspielen. Ich bin sehr frueh eingeschlafen und hab mich 12 Stunden noetigerweise ausgeruht bevor ich in Ruhe aufgestanden bin, mich in der einzigen Dusche fuer 100 Gaeste (die Japaner bevorzugen zum Glueck dass oeffentliche Bad hierim Haus) frisch gemacht und bin nach Tennouji aufgebrochen, wo ich um 11 Uhr mit Ronja und den beiden Japanerinnen, die ich letztes Jahr bei der Summer School betreut habe, Maria und Tomoyo verabredet war. Das tat gut, die beiden nach 16 Monaten mal wiederzusehen, zumal der Kontakt per E-Mail eher spaerlich war. Wir sind ein wenig durch Teile der Stadt gebummelt, die auch weniger verdreckt waren, und sind mit einem merkwuerdigen Riesenrad gefahren, das nicht im Kreis sondern eher in ovaler Form fuhr, wobei die Kapsel sich mitdrehte, und der innere Teil alle paar Sekunden nachkorrigieren musste um nicht zu kippen (Maria war das unheimlich ^^). Dafuer ging es auch streckenwiese gerade nach oben und gerade nach unten. Die Aussicht ueber Osaka war nett, wenn auch weniger ueberwaeltigend als in Tokyo. Wir haben dann noch lecker Frittiertes am Spiess gegessen in einem auf Reggae getrimmtem Restaurant mit japanischer J-Pop Musik (solche Lieder die in Richtung R&B gehen). Anschliessend ging es zum Osaka Schloss. Das war zwar geschlossen, aber es war auch von aussen nett anzusehen und wir konnten noch lustige Fotos schiessen bei diesen Aufstellern, wo man seinen Kopf durchsteckt. Danach sind wir noch zum Karaoke gegangen, wo sich die beiden Japanerinnen beeindruckt davon zeigten, was ich alles an japanischen Liedern kannte. Das war ein sehr schoener und lustiger Tag mit Maria und Tomoyo und Ronja. Morgen fahre nach Kyoto, Japans ehemaliger Hauptstadt vor Tokyo, wo ich mich mit Maria treffe und uebermorgen fahre ich nach Nara, Japans ehemaliger Hauptstadt vor Kyoto, wo ich mich mit Tomoyo treffe. Die beiden sind so knuddelig, dass ich sie am liebsten in Gepaeck stecken und mit nach Fukui nehmen moechte ^^
So, hab ich doch alles aufgeschrieben, auch wenn's teils etwas fluechtig ist. Fotos kommen erst spaeter. Ich leg mich wieder hin, damit ich morgen frueh fit bin.




