Morgendstund hat Spott im Mund
Bitte was?! Was da klingt, wie der kläglich gescheiterte Versuch ein deutsches Sprichwort wiederzugeben oder es gar witzig umzugestalten, ist tatsächlich ein eben von mir erdachter Merksatz um sich das Kanji für spotten zu merken, das nämlich mit dem Zeichen für Mund und dem Zeichen für Morgen geschrieben wird und "azakeru" gelesen wird. Wie man erkennt bin ich fleißig am Lernen für die 4 Klausuren die nächste Woche auf mich zukommen. Zur Zeit für die morgige Übersetzungklausur, bei der ich ohne Hilfe meines Wörterbuches einen Ausschnitt aus einem Bereich von 11 Seiten eines bereits im Unterricht überstzten Buches neu ins Japanische übersetzen soll. Das bedeutet hauptsächlich eines: Vokabeln lernen. Vokabeln wie Konzentrationslager (Kyouseishuuyoujo), SA-Gruppe (Totsugekitaiin-no-ichidan) oder ziehender Schwermut (Kokoro ni shimiru you na Yuuutsu (drei 'u' = juh-u-tsu)). Das es schönere Texte zum Übersetzen gibt als "Die weiße Rose" von Inge Scholl oder, was mich Donnerstag erwartet, "Anmerkungen zu Hitler" von Sebastian Haffner, ist wohl einleuchtend. Die einzige Klausur für die ich nicht wirklich lerne, ist die Aufsatzklausur am Dienstag über den Text, den wir über japanische Kultur gelesen haben. Ich hab den Text nochmal durchgelesen und entdecke immer mehr den zugrunde liegenden propagandistischen Charakter des Textes der in seiner Konservativität nahezu erschreckend bis lächerlich ist. Da wird von der Beispiellosigkeit der japanischen Friedengrundsätze gesprochen. Keine Armee (die Japanische Armee nennt sich zwar Selbstverteidigungsstreitkraft, ist aber eine der am modernsten ausgerüstetsten der Welt) keine Atomwafen (wozu auch eigene, wenn US Kriegsschiffe vor Ort genügend davon parat haben, um Nordkorea ins Steinzeitalter zu bomben). Beispiellos wie? Nicht zu vergleichen mit, naja, zum Beispiel Deutschland? Natürlich bleiben die Japaner weiterhin Kriegsgegner, weil sie einmal im Jahr zum Gedenktag ihrer Niederlage die Gräuel des Krieges noch einmal wachrufen und der Bombenopfer in Japan gedenken. Ja genau. Während wir Deutschen jedes Jahr, nicht nur aber besonders zum Gedenktag der Niederlage, die Gräuel unserer Vorfahren gegenüber den Juden und allen anderen Menschen eingebleut bekommen. Naja, Hauptsache die vielen Sportanlagen und Ferienresorts japanischer Firmen, die nachts nach Ende der Überstunden oder während des ein-wöchigen Jahresurlaubs, den Sie im Schnitt nehmen, nutzen können, halten weiterhin das System der lebenslangen Anstellung aufrecht, das schon seit vielen Jahren am bröckeln und längst alles andere als sicher ist. Und sowas in einem Text der nicht früher als 2000 erschienen sein kann, den angeführten Statisken zufolge. Naja, bin gespannt, was für einen Aufsatz ich da schreiben darf. Und wehe, ich darf mein Wrterbuch nicht benutzen...
Dass die Milch in Japan anders schmeckt, ist ja verständlich. Die schmeckt ja schon anders, wenn man innerhalb Deutschlands verreist. Dass Joghurt (Yooguruto) ebenfalls anders schmeckt, habe ich mir schon gedacht, nein, ich hab sogar darauf gehofft, als ich mir Joghurt von, man bleibt sich eben treu, Danone gekauft habe, denn eigentlich habe ich wenig übrig für Joghurt. Dass der Joghurt dann aber eigentlich gar nicht nach Joghurt, sondern nach Quark schmeckt, genauer gesagt fast genauso wie Fruchtzwerge, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich bin zwar zufrieden, aber wieso schmeckt Joghurt wie Quark? Die Antwort ist einfach: Sie kennen keinen Quark, also machen sie auch keinen Unterschied zwischen den verschiedenen Milchprodukten die Quarkig-Joghurtig sind. Leider scheint sich das auch auf anderes zu übertragen. Denn Pudding schmeckt ein wenig nach Götterspeise und ist von der Konsistenz entsprechend. Ein anderes Lebensmittel, dass ich stets mit Milch zubereite ist Kartoffelpüree. Sowas gibt es auch in Japan und nennt sich hier Mashed Potato. Einmal habe ich es ausprobiert. Ich habe es anstatt nur ein Drittel Milch zu nehmen es komplett mit Milch zubereitet, aber es schmeckte weniger nach Milch, als deutsches Kartoffelpüree, das nur mit Wasser zubereitet wurde. Vom Käse fange ich besser gar nicht erst an. Der einzige Käse den Japaner regelmäßig zu konsumieren scheinen ist Scheiblettenkäse und gewürfelter, harter Schmelzkäse, der Baby Cheese. Es gibt auch echten Käse, aber dann nur in Zwerprotionen zu unverschämt hohen Preisen. Aber genug von der Welt der Lebensmittel aus reiner, weißer Milch und hin zu einem ganz anderen bösartig schwarzem Lebensmittel, dass ich in Japan, oder zumindest hier in Fukui, gänzlich vermisse: Lakritz. Meine mitgebrachten Vorräte neigen sich dem Ende und Nachschub ist nur in den Großstädten, in den WIRKLICHEN Großstädten des Landes zu finden, denn Japaner können Lakritz für gewöhnlich nicht ausstehen. Aika meinte, der Geschmack von Lakritz erinnere sie an den Geruch von Tatami-Matten und musste hinterher sofort etwas trinkien, die typische Reaktion von Japanern auf die klebrig-zähe schwarze Masse, die ich so sehr mag. Gibt man Lakritz im elektronischen Wörterbuch ein und zeigt es einem Japaner, kommt so etwas wie: "Und das kann man essen?" Naja, genauso ist meine Reaktion, wenn jemand von Nattou spricht, fermentierte Sojabohnen, die wirklich wörtlich nach Scheiße riechen, wenn man mich fragt.
Klausuren hin oder her, am Freitag gab es wieder Stipendiumsgeld und so konnte ich mir endlich einen Wii leisten, den ich mir auch sofort am selben Tag, Freitag, geholt habe, zusammen mit dem Spiel Wii Sports. Ich kann nur sagen, Videospielen war nie so anstrengend. Heute habe ich nur 40 Minuten gespielt und war trotzdem ziemlich erschöpft, weil ich einen langen Schlagabtausch nach dem anderen beim Tennis hatte und mich immer mehr hineinsteigerte, weil der blöde Computer nicht so leicht verlieren wollte. Beim Baseball habe ich sogar das Handtuch geworfen, als der Gegner mächtig in Führung ging, und das nur aufgrund eines ziemlich offensichtlichen Fehlers im Design. Der Pitcher wirft den Ball, der Batter schlägt ihn aufs Feld hinaus. Normalerweise rennen jetzte alle auf dem Feld stehenden Spieler vom Team des Batters los um die nächste Base zu erreichen. Nicht bei Wii Sports. Eine derartige Berechnung wäre zu kompliziert für dieses simple (aber dennoch spaßige) Spiel. Es geht danach wie direkt der Ball gefangen wird. Das bedeutet, ein besonders lang und hoch fliegender Ball, der den Spielern eigentlich die Zeit verschaffen würde, ein oder zwei Bases weiter zu laufen, endet mit einem Out, weil der Computer am Aufprallpunkt wartet und nach mehreren Sekunden den Ball fängt. Fliegt der Ball jedoch flach und ist eine Sekunde später beim Fänger wird es trotzdem als 1-Base-Hit gewertet, wenn der Catcher ihn nicht direkt fängt, sondern erst nach dem Aufprall hinläuft. Dauer nur halb so lange, aber was soll's. Wenn er mich ärgert, polier ich dem Computer beim Boxen seine comicartige Visage :-P Das macht mitunter am meisten Spaß, weil man sich ordentlich austoben kann. Die anderen Sportarten Golf und Bowling sind auch ganz nett, aber immer ein bisschen simpel gehalten. Dennoch kann ich den Wii und Wii Sports wärmstens weiterempfehlen, auch für Leute, die sich eigentlich nicht für Videospiele interessieren. Der Wii und der DS bescheren Nintendo übrigens gerade Rekordumsätze. Die Top 10 der meistverkauften Spiele bestehen in den letzten Wochen ausschließlich aus Titeln für die Nintendo Konsolen. Die Verkaufszahlen der Konsolen selbst stellt die Konkurrenz ebenfalls in den Schatten: jeweil rund 100.000 Stück die Woche mit der Sony PSP auf Platz drei mit ca. 44.000. Da muss nicht nur Microsoft seine Verkaufserwartung der XBOX 360 nach unten schreiben, auch Fachmänner, die dem Wii im voraus einen ruhmlosen dritten Platz mit knapp über 20% Marktanteil am neuen Konsolenmarkt zugesprochen hatten, müssen sich wohl verbessern. Man darf dabei aber nicht vergessen, dass der Erfolg Nintendos oder eher gesagt der Misserfolg (gegenüber der hohen Erwartung) seiner Konkurrenz sich relativiert, wenn man bedenkt, dass Nintendos Verkaufszahlen nicht zuletzt darauf basieren, dass sie einen neuen Markt erschlossen haben: Frauen und Männer (vor allem aber Frauen) die zuvor kein Interese an Videospielen hatten. Schaut man sich die Spiele in den Top 10 an, merkt man auch, dass vieles davon für diese neuen Käufer gemacht wurde. Edutainment Produkte, die Wissen spielerisch vermitteln, und anspruchslose Zeitverteibsspiele wie Wii Sports oder Wii Play. Spiele mit ausgefeilter Story, komplexem Gameplay oder auch atemberaubender Grafik gibt es bei Nintendo eher weniger. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich der Markt in Zukunft entwickelt...


















































