Donnerstag, März 29, 2007

Leben wie Flo in Hiroshima

Am 21.3. bin ich gegen Mittag mit dem Zug gen Hiroshima aufgebrochen. 1 1/2 Stunden mit dem Regionalexpress von Fukui nach Kyoto und dann mit dem Shinkansen, ja, DEM Shinkansen, 1 1/2 Stunden lang weiter nach Hiroshima. Der Shinkansen war sehr bequem und bot erstaunlich viel Beinfreiheit, selbst für Europäer. Kurz nach drei war ich dann angekommen und wurde auch gleich von meiner ehemaligen Tandempartnerin (Sprachaustausch) Miho abgeholt und brachte mich per Taxi zu ihr nach Hause. Das Haus der Familie Kimura liegt relativ zentral, aber dennoch ruhig, ist 3 Stockwerke hoch (also Erdgeschoss, 1 und 2) und ist verdammt gut ausgestattet. Es gibt sogar einen Fahrstuhl im Haus, das Bad sagt, wenn das Wasser fertig eingelassen ist und die Nachtischlampe wird einfach durch Berührung eingeschaltet. Weil es der (ich glaube) zweite Todestag eines Familienmitgliedes war, waren Mihos Schwester mit Mann und Kind (zwei- oder dreijährige Tochter) anwesend und entsprechend für eine Trauerfeier gekleidet. In Japan ist es üblich in bestimmten Abständen Todesfeiern abzuhalten. Ich weiß die Regel nicht mehr exakt, aber es ist in etwa jeder 1., 2., 3., 7., 13., 17., 23., etc. Der Vater hatte extra gutes Biobier aus Deutschland gekauft um es mit mir zu trinken, aber ich musste leider ablehen und so trank er das Bier alleine. Hat ja auch seinen Vorteil für ihn ;-) Die kleine Nichte von Miho war echt süß und ich hab ihr ein kleines Kinderbuch vom kleinen Prinzen zum Lernen der Zahlen von eins bis fünf vorgelesen. Weil ihr das so gut gefiel, musste ich es insgesamt dreimal vorlesen ^^ Die Familie hat mir auch das einzige japanische Zimmer im Haus gezeigt. Dort befindet sich natürlich der kleine Hausschrein, in dem die verstorbenen Ahnen verehrt werden. Außerdem war dort etwas zum Hina-Matsuri, dem Mädchenfest, aufgestellt, das am 3.3. stattfindet: Ein Treppenbau, vielleict 1,20 m hoch, mit König und Gattin ganz oben, darunter dann Hofdamen, Musikanten und viele weitere Puppen und Zubehör. Es sah jedenfalls ganz schön beeindruckend aus. Am 5.5., dem Jungenfest (Kodomo no Hi, eigentlich Kinderfest), gibt es etwas ähnliches mit Samurai-Helmen und anderen Kriegsutensilien. Als ich auf die Koto aufmerksam wurde, hat die Mutter sie spielbereit gemacht, hat etwas vorgespielt und mir danach ein japanisches Lied, Sakura, beigebracht, dass ich aber bestimmt schon wieder vergessen habe ^^ Nachdem der Besuch gegangen war, fragten sie mich, was ich essen wolle. Japanisch, hab ich gesagt, also sind wir in ein Fisch und Sushi-Restaurant gegangen und weil ich nicht so recht wusste, was ich nehmen sollte, haben die einfach alles mögliche bestellt und wir haben gemeinsam davon gegessen. Ich hab viele verschiedene Sorten Fisch roh und zubereitet gegessen und einige Sachen, von denen ich nicht mehr so genau weiß was es war und es auch gar nicht so genau wissen will. An Gemüse habe ich auch einiges probiert. Auch Tempura, so eine Art paniertes Gemüse. Eniges war sehr lecker, einiges nicht so sehr. Aber ich habe alles probiert.
Die Familie hat mich übrigens eingeladen. Sie haben mich zu allem eingeladen. Umso glücklicher bin ich, dass ich einiges an Omiyage mitgebracht hatte. Abends habe ich dann noch ziemlich lange mit Miho über dies und jenes gequatscht bis es nachts nach 1 Uhr war.

Am zweiten Tag ging es nach einem Frühstück mit Brot, Kuchen und Pizza auf nach Miyajima mit Miho und ihrer Mutter. Miyajima ist weltbekannt für das große rote Torii, das dort im Wasser steht (sofern Flut ist). Fotos folgen. Miyajima ist eine Insel in der Nähe von Hiroshima. Wir sind zunächst direkt zum Schrein mit dem Torii und haben es dort bei Flut gesehen. Am Schrein hat Miho mir auch gütigerweise ein Mamori, einen Talisman, gekauft, der für Liebesglück sorgen soll. Bestimmt kein Zusammenhang mit dem langen Gespräch, das wir den Abend zuvor geführt hatten, bei dem ich ihr so einiges erzählt habe ^^ Danach haben wir Aal mit Muschelsuppe in einem Restaurant gegessen, in dem es sonst auch nichts anderes gab und sind zum Aquarium. Dort gibt es alles mögliche an kleinen und großen Seetieren: Haie, Delphine, Krebse, Quallen, Otter, Pinguine, Seehunde, Piranhas, Nemo-Fische (wie auch immer die heißen), Rochen, etc. Highlights waren die kurze Seelöwen-Show und die Pinguine, die man anfassen konnte (hinterher musste man die Hände desinfizieren lassen). Gesättigt und unterhalten ging es dann weiter. Wir haben dann noch Süßigkeiten in Form von Ahornblättern (Momiji) gegessen, eine Spezialität der Region und sind dann mit der Seilbahn zum höchsten Berg gefahren. Die Seilbahn gab einem ein durchaus unsicheres Gefühl, vor allem Miho war es nicht ganz geheuer, aber wir sind unbeschadet angekommen. Die Aussicht war leider nicht so toll, da es nebelig war. Man konnte nur die Umrisse der näheren Inseln sehen, der Horizont war weiße, trübe Suppe. Von den ansässigen Affen haben wir auch nichts gesehen. Auf dem Rückweg konnten wir dann nochmal zum Torii gehen, da nun Ebbe war. Außerdem ging die Sonne langsam unter, was nochmal ein Foto des Toriis wert war. Am Abend war Miho mit ihrem Freund Kazuhiro verabredet, musste die Zeit aber mehrmals verlegen, weil es doch alles länger dauerte als gedacht. Es war der erste Jahrestag der beiden ^^ Als wir bei ihr ankamen, war Kazu schon da. Wir sind dann gemeinsam (Miho mit ihren Eltern, Ihrem Freund und mir) zum Italiener gegangen. Dort gab es ein 6-Gäng Menü mit Salat, Spaghetti und Fleisch. Der Vater, der allmählich spitz bekam, dass ich doch nur erlesene Zutaten esse, fragte mich, welches Gemüse ich mag und bestellte daraufhin sofort einen extra Salat für mich.

Am nächsten Tag bin ich mit Miho weiter in die Innenstadt von Hiroshima zum Peace Memorial Park, dort wo in etwa die Atombombe explodiert ist. Dort habe ich die Freidensflamme gesehen, die solange brennt, bis alle Nuklearwaffen abgeschafft sind, also so lange es noch Menschen gibt. Wir sind dann auch ins Museum der Bombenopfer gegangen, wo ich mir einen deutschen Audioguide geholt habe. Dort gab es Info zur Geschichte von Hiroshima vor und während des Krieges, zum Bau der A-Bombe und den Gründen ihres Einsatzes. Danach gab es noch einges zu Nuklearwaffen, Krieg und Frieden und Organisationen die sich für die Bombenopfer und für Weltfrieden einsetzen. Darauf folgte der harte Teil. Die Atombombe und ihre Auswirkung. Zuerst kommen die Auswirkungen der Hitzewelle, verkohlte Leichen, Menschen mit versengten Augen, denen die Haut in Fetzen herabhing etc., begleitet mit Erzählungen zu Einzelschicksalen. Als nächstes die Auswirkungen der Druckwelle, dann der Feuersbrunst in der Stadt und schließlich die der Strahlung. Am Ende ist man ziemlich fix und alle. Also schnell raus und etwas Udon essen. Weil Miho danach Unterricht geben sollte, bin ich erstmal alleine durch die Innenstadt getigert und habe mir diverse Läden angeschaut. Im Park habe ich dann gegenüber vom Genbaku-Dome (eine noch stehende Ruine eines Gebäudes, das als Mahnmal gilt) am Fluss Musik gehört. Eine Japanerin saß dort mit ihrer Gitarre, spielte und sang dazu. Als ich näher kam, sah und hörte ich, dass unweit von ihr noch andere saßen. Eine Gruppe von drei, zwei mit Gitarre und eine Sängerin. Abends ging ich mit Miho zu einem Treffen der Online Community für klassische Musik, zu der Miho gehört. Wir sind in ein kleines Cafe, in dem klassische Musik gespielt wurde und bestellten von der Karte, die auf eine Schalplatte geschrieben war, Curry-Reis. Es waren nur zwei andere dabei (zwischendurch kamen noch drei weitere, die aber gleich weiter zu einem Konzert sind), aber es war interessant, auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Natürlich haben die mich auch gut ausgefragt. Es war auch noch ein Violinenspiel und Konzertmeister im lokal, der eine paar Stücke auf der Violine vorspielte. Er hatte sich dann noch später zu uns an den Tisch gesetzt, als er mitbekam dass ich aus Deutschland bin und hat mich gefragt woher ich genau komme. Er hat nämlich Familie in der Nähe von Essen. Er hatte dann auch noch Visitenkarten mit Miho ausgetauscht und am selben Abend bekam Miho eine Mail von ihm mit einer Einladung, einmal mit ihm Musik zu machen. Wir waren zwar gegen 22 Uhr wieder bei Miho zu Hause, haben aber wieder bis 1 Uhr nachts geplaudert.

Mittwoch, März 28, 2007

Was bisher passiert ist...

Ich hab lange nichts geschrieben und muss jetzt also ein wenig nachholen. Vor zwei Wochen am Donnerstag habe ich zum zweiten Mal Deutschuntericht gegeben. Ich werde wohl noch etwas brauchen, um mich da einzugewöhnen, aber das wird schon klappen.

Am Freitag darauf war dann der Ersatztermin für das ausgefallene Treffen mit Aika. Weil ihre jüngere Schwester gerade nichts zu tun hatte, hatte sie gefragt, ob sie auch mitkommen dürfe und da hab ich nicht nein gesagt. Aikas (愛佳 geschrieben) Schwester Megumi (愛 geschrieben, also dasselbe erste Kanji, aber völlig anders gelesen) hatte noch nie einen Ausländer persönlich getroffen und hatte wohl Angst vor Ausländern und deshalb wollte Aika mich ihr vorstellen um ihr zu zeigen, dass Ausländer überhaupt nicht schlimm sind. Ich und mein Good-Guy-Image ^^ Wir sind dann mit Aikas Auto zu Mister Donuts gefahren, haben uns dort was geholt und sind dann zu Aika nach Hause gefahren. Aika und Megumi haben mir dann kurz die Gegend dort im äußersten Süden der Stadt Fukui gezeigt. Sehr ruhige Gegend. Dann haben wir gegessen. Deren Haus wirkt für Europäer sehr eng und auch das Wohnzimmer ist sehr klein. Es gibt ein paar Schränke, einen ziemlich schicken, neuen und großen Plasma-Fernseher und exakt einen Tisch ohne Stühle, einen japanischen Kotatsu, ein Heiztisch, der unter der Tischplatte einen Heizofen hat und mit einer Decke überzogen ist, so dass es darunter sehr warm wird. Mir wurde erzählt, dass die Familie dann so häufig auf dem Boden mit den Beinen unter dem Tisch vor dem Fernseher liegt und auch nicht selten mal einnickt ^^

Am Samstag war nachmittags ein Auftritt vom Club für Japanische Musik in einem Tempel ganz in der Nähe. Der Club und eine handvoll Gäste hatte sich dort in einem nicht allzu großen Raum eingefunden um dem Abschlussauftritt der 4.-Semester beizuwohnen zu denen auch Elenas Tutorin Mayumi zählt. Die Musik reichte von traditionell japanisch (was sehr ungewöhnt klingt dank fehlendem durchgängigem Rhythmus, fehlender Struktur, wie man es in europäischer Musik gewohnt ist und den vielen Halb- und kleineren Zwischentönen) bis westlich. Insgesamt ging es zwei Stunden, also durchaus wie ein normales Konzert inklusive Pause. Da alle so stramm auf den Sitzkissen saßen, hatte ich auch versucht etwas gerader zu sitzen, was ich aber nicht lange ausgehalten habe. Bin ja auch schon ein alter Mann mit einem Vierteljahrhundert auf dem Buckel. Am Ende hatte die Lehrerin, die den Club leitet noch ein paar Worte an die Leute gerichtet und hat dabei leicht feuchte Augen bekommen. Zum Abschluss durfte das obligatorische Foto der Clubmitglieder und des gehenden Abschlusssemesters natürlich nicht fehlen. Soweit erst einmal, denn mein Bad wird sonst kalt. Es ist das erste Mal, dass ich in meiner kleinen Badewanne ein Bad nehme, aber das habe ich im Moment nötig.

Donnerstag, März 15, 2007

Ein Wochenende mit dem International Club

Letzte Woche Donnerstag habe ich zum ersten Mal den Deutschunterricht im International Club gegeben, den ich von Ken übernommen habe. Es waren 3 der 4 Schüler da und ich habe sie erstmal ausgefragt, wo sie bisher Deutsch gelernt haben und wie sie weiterhin lernen wollen. Letztlich wollen sie über Konversation lernen und das heißt, ich muss mir jedesmal ein Thema überlegen und weil mir das nicht ganz reicht, versuche ich auch noch ein wenig Grammatik einfließen zu lassen. Keine Ahnung wie das wird ^^

Am Freitag war ich mit Yuka verabredet. Wir haben in der Innensatadt was gegessen und haben uns dann Ghost Rider im Kino angeschaut. Der Film ist ganz nett, aber ähnlich wie bei The Punisher sollte man mit der Erwartung reingehen, eine mäßige Comicverfilmung zu sehen. Besser als Elektra oder Superman Returns ist der Film aber alle mal. Abends gab es dann noch eine Stunde Yoga bei Elena mit Kathrin und Lars. Soll ja gut für den Rücken sein.

Am Samstag war ich abends beim International Club zum Takoyaki Essen. Da ich den Tako (Oktopus) in den kleinen Teigbällchen nicht mag, habe ich nur solche ohne gegessen. Es waren ne Menge Leute dort, die ich noch nie gesehen hatte. Zu viele sogar, für den kleinen Raum. Han und zwei andere Koreaner kamen auch noch dazu und haben etwas koreanisches gekocht, das gut schmeckte, aber auf der Zunge brannte wie nichts Gutes. Koreanische Küche ist scharf!! Ich hab an dem Abend mit mehreren Leuten Small Talk geführt und es kam mir jedesmal vor, als würde ich exakt den selben Text zitieren. Ich hätte gar nicht mehr auf die Fragen warten brauchen und einfach so alles abbeten können. Naja, ich hab mich noch ganz nett mit einer Japanerin über Gundam, Transformers und andere Kinderzeichentrickserien von früher unterhalten. Stein des Anstoßes dafür, war ein kleiner Vietnamese, 5 Jahre oder so, der seit 3 Jahren mit seinen Eltern in Japan wohnt und Gundam mag. Gundam ist ein Manga/Anime/Spielzeug/Videospiel aus den späten 70ern oder frühen 80ern mit den typischen japanischen Riesenrobotern, die menschlich anmuten und mit Schwertern und Maschinengewehren kämpfen. Sehr beliebte Serie die auch heute noch neu aufgelegt wird und in tausend Varianten besteht. Der kleine junge rannte den ganzen Abend mit einem riesigen Gundam Roboter herum, der wohl Yoshi, dem Leiter des International Clubs gehört (der ist glaube ich Anfang 30). Yoshi kam dann auf die Idee, dass sich alle für das nächste Treffen am Tag drauf einen Gundam Bausatz kaufen, zusammenbauen und dann untereinander austauschen. Damit der Junge sich einen Bausatz leisten kann hat er ihm (mehr aus Jux) eine Plastik Schachtel gegeben und gesagt, er solle die Leute fragen, ob sie ihm Geld für ein Gundam Modell spenden. Der kleine hat damit ganz gut abgesahnt ^^ Hinterher, als alles Geld in einem Umschlag steckte, ging er damit nochmal rum und man sollte sagen: fueru you ni (auf dass es sich mehre). Er war auch fest überzeugt, dass es tatsächlich mehr geworden war.

Am Sonntag war das nächste Treffen, dessen Anlass das 6 jährige Jubiläum des Malaysischen Restaurants nebenan war. Dort gab es für 1000 Yen All-you-can-eat (tabehoudai). Es waren zum Glück deutlich weniger Leute am Sonntag da. So sind wir zum Restaurant, haben einen Teller genommen, aufgefüllt und sind zurück in den Club nebenan um zu essen. Und das mehrmals. Irgendwann kam dann der Aufruf von Yoshi, Gundams kaufen zu gehen. Neben Yoshi und dem kleinen Vietnamesen, Long, kamen nur noch Ai, die Japanerin mit der ich mich unterhalten hatte, und ich mit. Yoshi fuhr uns zu einem großen Elektronik und Spielzeug Geschäft, in dem es 3 Regale nur mit Gundam Modellen gab. Es hat ganz schön lange gedauert, bis Long sich eins ausgesucht hatte, dass ihm gefiel und dass er sich mit seiner Beute vom Vorabend leisten konnte. Wir anderen kauften uns auch ein Modell und dann ging es zurück zum Club um zu basteln. Diese japanischen Roboterbausätze sind verdammt raffiniert. Man steckt die Teile einfach nur zusammen und erhält dann eher eine Art Spielfigur (wenn auch etwas leicht und gebrechlich) mit unzähligen Bewegungspunkten, auswechselbaren Waffen und anderen Teilen und eventuell noch der Möglichkeit zu transformieren. Als wir nach 2 oder 3 Stunden alle fertig waren ging es ans austauschen. Per Stein, Schere, Papier wurde gelost, wer zuerst wählen durfte und Long war Letzter ^^ Ai und Yoshi wählten den selbst gebauten Roboter und ich nahm mir den Roboter den Long, oder besser seine Eltern, zusammengebaut hatten (teils falsch zusammengesetzt und mit Tesa fixiert um bei fehlenden Teilen Stabilität zu gewährleisten), so dass für Long mein Roboter übrig blieb, ein verdammt cool aussehender goldener Roboter, auf den er scharf war. Er hat sich jedenfalls gefreut ^^

Donnerstag, März 08, 2007

Neue Kurse für ein neues Semester

Am Sonntag war ich eigentlich mit Aika bei Mister Donuts verabredet, aber da sie sich eine Grippe eingefangen hatte, musste ich mir etwas anderes für diesen frühsommerlichen Tag bei 20° C ausdenken. Also bin ich mit dem Fahrrad zu dem Osagoe Minkaen gefahren. Dort gibt es zunächst einen netten Park, der auch gut besucht war und daneben, etwas näher am Berg und dementsprechend höher gelegen, waren die alten Bauernhütten. Dort stehen 5 dieser alten Bauernhäuser, die Anfang der 80er aus ganz Fukui abgebaut und hier neu aufgebaut wurden. Die Häuser sind komplett begehbar (von Stall und Obergeschoss abgesehen) und gut erhalten. Erbaut wurden sie zwischen 1750 und 1850. Einige enthielten sogar Ausstellungen, wie z.B. landwirtschaftliches Werkzeug oder Reisverarbeitung. Außer mir waren hauptsächlich solche Leute anzutreffen, die wohl irgendwann einmal in solch einem Haus gelebt haben, Alter schätzungsweise über 70. Teilweise mit Enkelkindern, denen sie dann erzählt haben, wie man damals in solchen Häusern gelebt und gewirtschaftet hat. Ich habe auch ein wenig Small Talk mit einem Paar geführt. Als ich dann mit dem Fahrrad weiterfuhr, kam das Paar mit dem Auto an mir vorbei und wunk mir noch einmal zu. An der nächsten Kreuzung hielt das Auto, und ich fuhr erneut daran vorbei. Wieder nicken und winken. Dann wieder eine rote Ampel und ich überholte erneut das Auto, nickte erneut herüber, und sie nickten zurück. Dann überholten sie mich wieder und bogen vor mir ab. Ich fuhr weiter geradeaus, bog dann später ein und nach einer Weile kam deren Auto wieder aus einer Seitenstraße. Erneutes Kopfnicken und dann endgültiger Abschied. Irgendwann wird es aber auch echt lästig. Ich hab dann noch einen großen Bogen gemacht und einige Läden abgeklappert bevor ich zurückfuhr.

Am Montag waren Professor Quenzer und her Miyazaki von der Uni Hamburg in Fukui. Die beiden sind gerade auf Tournee und klappern die Partner-Unis ab. Vorher traf ich noch Kathrin und Magali, eine Franzosin, mit denen Lars und Kathrin viel Zeit verbringen und wenig später lief uns auch Lars über den Weg mit zwei Studentinnen der Uni Hamburg im Schlepptau, die gerade zum Urlaub hier sind. Er nahm die beiden dann auch mit zu dem Treffen mit den Senseis aus Hamburg. Es sassen also insgesamt 7 Studenten, ein Professor und ein Lektor aus Hamburg, Hayashi Sensei, unser Deutschlehrer, und Kurogi Sensei, der Chef der Fakultät an einem Tisch bei Kaffee und Kuchen (den Kuchen habe ich genossen, den Kaffee hat Kathrin für mich genossen, denn die weiß den besser zu würdigen). Wir mussten dann mal wieder über unsere Forschung reden (obwohl ich glaube, Lars hatte Hayashi missverstanden - er hatte, wie ich meine, nur gesagt, wir sollten von unserem Unterricht erzählen).

Bis zum Mittwoch sollten wir uns unsere Kurse zusammensuchen um sie dann von Hayashi absegnen zu lassen. Lars und Kathrin haben mal wieder viel mit japanischer Literatur und Geschichte gewählt, nicht zuletzt aus Mangel an interessanteren Kursen im Fachunterricht, von dem sie 5 Kurse wählen müssen. Im Allgemeinunterricht gab es zwar mehr interessantes, aber fast alles überschneidet sich miteinander. Dabei hätte ich gerne ncoh mal Koten, alt-japanische Literatur genommen. Bei dem durchaus konservativ anmutenden und ständig mit dem Schlagwort "Nihon" versehenen Unterrichtstiteln gespickten Stundenplan hat Hayashi ständig gesagt, das sei bestimmt interessant. Bei mir war das anders. Dies und jenes sei nicht so interessant, sollten sie nicht lieber etwas über Japan lernen? Ich hatte mir Kurse ausgesucht, die mehr in Richtung Medien gingen (so wenige es davon auch gibt) und musste jetzt meine Wahl auch noch verteidigen. Ich verstehen zwar das Argument, aber ich kann auch in Hamburg Kurse zu japanischer Literatur und Geschichte belegen. Da ist es doch weitaus interessanter Kurse zu nehmen, die einen thematisch interessieren (nicht dass ich kein Interesse an Geschichte und Literaur Japans hätte, aber mein Schwerpunkt liegt halt bei Medien) und den japanischen Standpunkt und die Herangehenweise an solche Themen zu betrachten. Naja, bei Hayashi konnte ich noch alles wichtige durchprügeln, aber im Büro hieß es, ich solle das eine Seminar striechen, weil es ein Blockseminar ist, und vielleicht stattfinden könnte, wenn ich nicht mehr da bin. Ja toll, das Semester endet irgendwann im Juli und ich fliege vermutlich Mitte bis Ende September. Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich das verpasse? Naja, Bürikratie halt. Weil Hayashi uns dann auch noch auf eine Feier mit der Fakultät und den Auslandsstudenten aufmerksam machte ("Denasai" "Gehen sie dorthin!") sind dann abends dort hingegangen. Ich habe die erste Stunde mit Essen totgeschlagen und die zweite mit Rumstehen und war froh, als ich wieder gehen konnte.

Samstag, März 03, 2007

Ruinen, Tempel, Dinos und Laufen, Laufen, Laufen...

Am Samstag dem 24. war Yuka nochmal bei mir um mir ein wenig mit meiner Videospielübersetzung zu helfen, die immer noch nicht allzu gut vorankommt. Da es ihr Geburtstag war(!), wollte ich sie natürlich nicht zu sehr beanspruchen und hab nach 2 Stunden aufgehört, denn es war klar, ich wollte und sie wollte es auch, also haben wir es getan. Wir haben Wii gespielt! :-P Sie hat mich beim Baseball sogar einmal besiegen können.

Am Montag dem 26.2. ist Ronja dann nach Fukui gekommen. Ich hab sie vom Bahnhof abgeholt, das Gepäck in meine Wohnung gebracht und dann sind wir zurück zum Bahnhof um mit einer interessanten Ein-Mann-und-nur-ein-Wagon-Bahn, die zur Hälfte wie Regionalbahn (4er-Sitze) und zur Hälfte wie japanische U-Bahn (lange Sitzbänke am Fenster) aussah, nach Ichijoudani in Fukui-Shi. Dort liegen nämlich die Ruinen des Asakura Clans, gleich neben dem Bahnhof, wenn man der Karte glaubt. Als wir ausgestiegen sind (wir wären beinahe zu früh ausgestiegen, bzw eigentlich sind wir das auch, weil wir allen anderen gefolgt sind, die gesammelt die Bahn verlassen hatten, doch der Bahnbeamte schickte uns zurück zur Bahn, als er sah, dass unsere Tickets noch eine Station weiter gültig waren), sahen wir nur ein paar Häuser, eine größere Straße, Baustellen und viel Gebirge rundherum. Auf Gutdünken sind wir dann losgezogen und haben nach einer Weile dann auch ein Schild gefunden dass uns den Weg wies. Die Ruinen erstrecken sich über ein paar Kilometer entlang einer Straße die durch ein schmales Gebirgstal führt. Die Ruinen selbst sind ziemlich unspektakulär: hier mal ein Grundstein mit einem Hinweisschild, was das mal gewesen ist, da mal ein Hügelchen, nur ein kleiner Wall und ein Tor sind vom Hauptanwesen geblieben, komplett mit Karpfen-gefülltem Graben. Ein wenig spannender war da die kleine Samurai-Stadt die sie dort aufgebaut haben. Dumm nur, dass wir erst um 16:35 Uhr da waren, denn nach 16:30 Uhr lassen die keinen mehr rein. Die Ruinen waren auch menschenleer und die Gegend nur dünn besiedelt. Touris gab es keine, mal abgesehen von einem alten Herren, der über das Gelände lief. Insgesamt also viel gelaufen und wenig gesehen. Auf dem Rückweg fuhren wir in einer Bahn mit zwei normalen Waggons. Naja, so normal, wie knirschende, quietschende und verrostete Waggons mit ausgesessenen dreckigen Sitzen nunmal sind. Am Abend gab es dann noch Pizza und Wii.

Am 27.2. sind wir früh aufgestanden (für meine Verhältnisse jedenfalls) um mit der Echizen-Tetsu vom Supermarkt Mitsuwa aus nach Eiheiji und dann nach Katsuyama zu fahren. In Eiheiji ging es mit dem Bus weiter zum Tempel, den ich ja schon im Oktober gesehen hatte. Diesmal habe ich allerdings ein paar neue Räume gesehen, die vorher nicht zugänglich waren. Danach ging es durch die Omiyage-Läden-gepflasterte Straße, wo ich auch süße Mochi mit schwarzem Sesam gekauft habe. Ich hab sie nach viel Probieren ausgewählt, denn in den Läden liegen die meisten Essensspezialitäten in kleinen Portion zum kosten bereit, was ich gut ausgenutzt habe ^^ Das Essen dort war für Ronja nicht so toll, denn sie wollte kein Soba, mag kein Gyuudon und kann kein Curry Reis essen und genau auf diese drei Sachen beschränkt sich ein Großteil des Angebotes in Eiheiji, das für seine Soba bekannt ist. Nach dem Essen ging es mit dem Bus zurück zur Bahn und mit der weiter nach Katsuyama. Da der Bus zum Dinosauriermuseum, der einzigen geplanten Station in Katsuyama, noch eine halbe Stunde gebraucht hätte sind wir schon mal losgegangen. Die Stadt ist gepflastert mit Dinos. Dinofussspuren die zum Museum führen (die ich erst später entdeckte), Gullideckel mit Dinos, Dinostatuen an jeder Ecke und sogar auf dem Postkasten. Es gibt so verdammt viele Dinos überall, dass ich mich ernsthaft frage, ob sie nicht doch einmal auf andere Sehenwürdigkeiten aufmachen möchten, wie z.B. den Echizen Daibutsu, den großen Buddha von Echizen, der größten Buddha Statue in Japan mit ca. 17 Metern Höhe, oder dem Katsuyama Schloß, dem höchsten in ganz Japan. Ich hatte nur einen einzigen Blick auf die Fahrplankarte geworfen, dachte mir aber, der Weg zum Museum könne nicht allzu schwer sein. Ich dachte ja eigentlich daran nur ein Stückchen vorzugehen und dann den Bus zu nehmen, denn ich wusste, dass der Weg zum Museum ne gute Dreiviertelstunde dauern würde. Dummerweise ging ich aber im wahrsten Sinne des Ortes zu weit und ehe wir uns versahen hatte ich uns einen Berg zu weit östlich am Museum vorbeigeführt. Da auf der Straße dort kein Laden, kein Hinweisschild und gar nichts wahr außer Wohnhäusern, drehte ich um. Auf dem Rückweg fragte ich eine Anwohnerin nach dem Weg und nur eine halbe Stunde später (nach insgesamt gut anderthalb Stunden Gewaltmarsch) waren wir dann tatsächlich da. Das letzt Stück ist echt das beste. Man sieht von weitem die große spiegelnde Kuppel im Gebirge und geht erstmal an Feldern vorbei, lange Zeit, bis man die Auffahrt sieht. Die fährt aber hübsch schlängelig erstmal hoch, dann um die Kuppel herum durch den anliegenden Park (Spielplatz wäre wohl treffender) bis man endlich nach langer Zeit am Eingang steht. Das Gelände war im übrigen derart menschenleer, dass ich schon Angst hatte, sie könnten geschlossen haben. Auch im Museum waren neben uns scheinbar nur drei weitere Besucher. Das Museum an sich ist sehr interessant, hochmodern und atmosphärisch dicht, mit Videoscreens, Geräuschkulisse und sich bewegenden Roboterdinos. Ausgestellt (und als Model zu kaufen, auch auf T-Shirts, Keksen und allem anderen denkbaren Merchandise) waren auch der Fukuiraptor und der Fukuisaurus die in Katsuyama seit 1989 gefunden wurden. Da wir eine Dreiviertelstunde vor Schluß ankamen machten uns die Mitarbeiter immer darauf aufmerksam, dass das Museum um 5 schließt und wir uns beeilen sollen. Als wir dann rechtzeitig draußen waren und der letzte Bus um 17:01 Uhr auf uns zukam, freuten wir uns schon darauf, endlich sitzen zu können, denn vom Laufen hatten wir genug. Der Bus kam auf die Haltestelle zu, wurde langsamer und dann, nach Ronjas Aussage, schüttelte er den Kopf, wunk ab und drehte um. Ich war völlig perplex, als ich den Bus verschwinden sah. Erst dachte ich noch, er würde woanders halten wollen, denn auch der Japaner, der mit uns wartete schien eher ruhig und gelassen. Aber der Bus verschwand und ward nie mehr gesehen. Ronja und ich konnten unser Glück kaum fassen und machten uns frohen Mutes auf noch einmal den langen Weg zum Bahnhof anzutreten. Überschwenglich vor Freude, auch angesichts der düster aussehenden Wolken, gingen wir also den langen Weg an den Feldern vorbei zurück, als unerwarteter Weise (ich hatte es vorgeschlagen, aber Ronja meinte, Japaner würden wohl kaum Ausländer per Anhalter mitnehmen) ein Auto hielt. Die Fahrerin stieg aus und stellte sich als Mitarbeiterin des Museums vor. Wie sich herausstellte, hatte ihre Kollegin schon den anderen Japaner aufgegabelt und sie hatte dann uns beide mit zum Bahnhof genommen. Glück im Unglück ^^ Abends waren dann noch Lars, Kathrin und Elena vorbei gekommen und wir haben bis um zwei Uhr nachts geplaudert.

Entsprechend spät sind wir am folgenden Tag aufgestanden. Das Wetter sah eher unfreundlich aus und es hatte die Nacht viel geregnet. Deshalb entschieden wir uns für eine Tour durch Fukui. Mit der Karte, die ich vom Geschichtsmuseum in Fukui hatte, klapperten wir die Tempel ab, nachdem wir nicht ins Museum konnten, weil es geschlossen hatte und dann erstmal Pizza bei Texas Hands gegessen hatten. Auf dem Weg durch die Stadt entdeckten wir auch einen Spielplatz mit einem interessanten Objekt, dass sich eigentlich nur als UFO beschreiben lässt. Ein Foto weiter unten zeigt das gute Stück. Dieses UFO fand ich weitaus spannender als die meisten der kleinen Tempel hier. Auf dem Weg fuhr auch Nakajima, a.k.a. Weihnachtsfrau, mit dem Auto an uns vorbei. Sie ist eine Erstsemestlerin aus meinem Speech-Kurs bei Kuwabara, die eine Rede über Weihnachtsmänner gehalten hatte. Ich hatte sie schon zufällig an ihrem Arbeitsplatz in einem Supermarkt getroffen und einen Tag zuvor hatte ich sie zufällig bei Mitsuwa getroffen. Fukui ist halt klein ^^ Am Abend haben wir dann noch zu zweit Munchkin gespielt und danach noch etwas Wii.

Am Donnerstag, dem 1.3., ist Ronja dann mittags wieder zurückgefahren. Zuvor waren wir in der Innenstadt, wo Ronja Mitbringsel eingekauft hat. Weil ihre Uhr stehen geblieben war sind wir auch in einen Juwlierladen um die Batterie wechseln zu lassen. Die Dame rief per Telefon einen Kollegen um das zu bewerkstelligen und bat uns, für einen Moment Platz zu nehmen. Ich schaute mir die netten teuren Ringe an, wie zum Beispiel einen mit einem ziemlich fetten Opal für schlappe 5.7 Millionen Yen, also rund 35.000 Euro. Wir bekamen dann sogar noch sauguten grünen Tee in teuer aussehenden Tassen serviert. Ich hab noch nie so guten grünen Tee getrunken. Die Batterie war dann auch schnell gewechselt und der Small Talk blieb entsprechend kurz. Bei bei ca. 6 Euro für Batteriewechsel und den Service kann man definitiv nicht meckern. Sowas werde ich in Deutschland vermissen ^^ Nachdem Ronja weg war ging es zur Uni. In der Mensa traf ich Lars und Kathrin mit denen ich danach zum International Affairs Büro bin, wo wir uns etwas zum Ausfüllen für die Kurse im nächsten Semester holen sollten. Da das Vorlesungsverzeichnis noch nicht gedruckt ist, muss man seine Kurse mit einem Ausleihexemplar auswählen. Außerdem erfuhr ich, dass ich meine Kurse, bis auf einen Pflichtkurs, völlig frei wählen kann, während Lars und Kathrin eine Beschränkung haben, dass sie ein bestimmtes Verhältnis an Fach- und Allgemeinseminaren haben sollen. Zu ihrem Leidwesen mehr von den schweren Fach- und weniger von den interessanteren Allgemeinseminaren. Nach einigem Durchblättern mit ungenügendem Ergebnis (die genauen Kurse wähle ich nächste Woche) ging es in Elenas Forschungszimmer (das sie sich mit Ken und einigen anderen teilt), wo Teil 1 ihrer Geburtstagsfeier stattfand. Zusammen mit eine Brasilianerin Sylvia, die mit Ken befreundet ist und Hayashi Sensei, unserem Deutschlehrer, saßen wir bei Kaffee und Kuchen und haben geplaudert. Abends ging es dann standardmäßig ins Gomokutei, wo wir Hamburger (inklusive Ken) und später auch Sylvia und eine Japanerin gefeiert haben.


Das Dinomuseum von Katsuyama-Shi, Fukui-Ken


Eine Dinostatue vor dem Museum


Ein UFO, geischtet auf einem Spielplatz in Fukui


Ruinen. Spannend. Aufregend. Atemberaubend. Wie oft sieht man schon Steine im Boden?


Die handgemachten, leckeren Kekse von Fumiyo und Shouko