Leben wie Danny in Saijou
Am Samstag dem 24. hat mich Mihos Vater nach Saijou gebracht. Saijou ist ein kleiner Ort im Osten Hiroshimas und kleiner als beispielsweise Fukui. Das Auto des Vaters war natürlich mit allem Schnick-Schnack ausgerüstet, wie z.B. DVD-Player und GPS Navigation. Natürlich saß man auch auf bequemen Ledersesseln mit mehr Beinfreiheit als fast überall in Japan. Am Bahnhof von Saijou angekommen konnte ich Danny auch schon gleich sehen. Da der Bus, der weiter zu Dannys Wohnheim und zur Uni fuhr, schon da war, mussten wir schnell hinrennen. Wie man bezahlt (ob vorher oder nachher, wieviel, etc.) musste ich mir keine Gedanken machen, denn Danny hat immer 2 Prepaid Karten für den Nahverkehr dabei. Sehr praktisch! (Danke Danny ^^) So fuhren wir dann mit dem Bus ne Weile durch die Gegend, bis wir irgendwann jenseits der Zivilisation aussteigen, wo neben der Uni und der Straße hauptsächlich Wald zu sehen war. Wir sind also zunächst ins Wohnheim und haben in Dannys Zimmer zu zweit etwas Wii gespielt. Beim Baseball konnte ich Danny locker schlagen, weil Danny nicht wusste, was man für verschiedene Einflussmöglichkeiten beim Werfen des Balls hat. Dafür hat er mich beim Tennis abgezogen. Man merkt, das Danny öfters gegen andere Menschen spielt ^^ Da das Wetter zu schlecht war um Saijou zu besichtigen, sind wir zusammen mit einer Freundin von Danny aus dem Wohnheim, Katya, aufgebrochen um "das beste Okonomiyaki in Japan" zu essen. Da der Laden gerade Mittagspause hatte mussten wir uns aber mit dem 2. besten begnügen. Geschmeckt hat es trotzdem. Wer genau wissen will, was so ein Okonomiyaki ist, sollte es besser bei Wikipedia nachschlagen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Okonomiyaki) Danach ging es noch kurz zu Dannys geliebtem You Me Town und dann wieder zu Danny wo wir noch zu dritt ein wenig Wii spielten, bis ich dann wieder gen Hiroshima aufbrach. Bei Miho habe ich dann ein wenig am Klavier gesessen, konnte aber kein Stück mehr komplett spielen, da ich vergessen habe, wie es weitergeht. Wenn man nicht einmal im Monat übt, vergisst man schnell. An diesem Abend gab es zum ersten und einzigen Mal für mich hausgemachtes von Mihos Mutter. Neben dem obligatorischen Reis gab es Gemüse (Tomaten, Gurken und Blumenkohl - meine Verzehrrate lag bei 66% ^^), einen Teller mit Pommes und Hähnchenflügeln (wobei tatsächlich mehr Hähnchenflügel auf dem Teller waren als Pommes) und eine Zusammenstellung aus Kartoffeln, Schinken und Zwiebeln, was mich sehr an Deutschland erinnert hat. Es hat auf alle Fälle gut geschmeckt. Hinterher hat Miho mir noch ein paar von ihren selbst komponierten Stücken vorgespielt und wir haben uns noch recht lange über Musik und andere Themen unterhalten. Wieder mal bis spät nachts ^^
Am nächsten Morgen hörte ich in den Nachrichten von einem Erdbeben in Ishikawa, der Präfektur direkt nördlich von Fukui. Es war verhältnismäßig stark, aber es gab nur einen einzigen Todesfall. Mihos Freund Kazu kam auch morgens dazu und da fiel mir zum ersten Mal auf, das Kazu sehr höflich mit Mihos Eltern spricht, während ich nach japanischen Verhältnissen kollegial mit denen spreche. Die Schuld dafür trete ich gerne an Herrn Miyazaki von der Japanologie Hamburg ab. Er sagte zu uns, Höflichkeitssprache müssen wir verstehen können, aber sprechen können brauchen wir es nicht, das erwartet eh keiner von uns. Er sollte vielleicht mal Doro fragen, wie sie das sieht ;-) Naja, wir sind jedenfalls alle gemeinsam außer Haus gegangen, doch in der Straßenbahn trennten sich die Wege, weil ich weiter Richtung Innenstadt fuhr um mich mit Danny zu treffen. Ich schloss mein Gepäck ein und dann ging es los zu einem letzten Stadtbummel durch Hiroshima. Wirklich gefunden hatte ich aber nichts, zumal ich ja auch schon zuvor unterwegs war um einzukaufen. Wir haben dann noch bei McDo gegessen und dann bin ich auch schon wieder gen Fukui aufgebrochen.
Bevor ich dort ankam, machte ich aber einen Zwischenstopp in Kyoto. Nicht nur, weil ich dort umsteigen musste, sondern auch, weil ich mich dort mit Marc getroffen habe, der für 3 Wochen in Japan war um Urlaub zu machen. Nach 2 Wochen Tokyo wollte er mal was anderes zu sehen bekommen und da habe ich ihm angeboten nach Fukui zu kommen. Ich hab Marc so ziemlich alles aufgezählt, was man in Fukui anschauen kann und am Ende meinte er dann, ein Schloss wäre ok, weil er noch keins besichtigt hatte. Also sind wir am Montag, nachdem Marc das Game Center inspiziert und mit mir eine Runde Dance Dance Revolution gespielt hatte, nach Katsuyama aufgebrochen. Da ich keinen Plan hatte, wie und wann dort Busse fahren habe ich nachgefragt und den Tipp bekommen, dass ich doch gleich hier am Bahnhof auch Fahrräder kostenlos leihen könne. Also haben wir uns zwei Drahtesel geliehen (für Marc war es viel zu klein, bei mir ging es) und sind zum Katsuyama Schloss aufgebrochen, dem höchsten Schloss in Japan mit ca. 58 Metern. Katsuyama an sich ist ziemlich tot und entsprechend wenig Touristen findet man dort. Vermutlich ist im Winter mehr los, wenn Ski-Saison ist, denn Katsuyama ist von Bergen umschlossen und hat drei verschiedene Ski-Resorts. Das Schloss fand ich sehr schön. Vor allem die großen Drachen an der Außenwand konnten mich begeistern. Das Gelände selbst war nahezu verlassen und als wir Bauarbeiter am Werk sahen, hatten wir Angst, das Schloss sei geschlossen. Aber wir lagen falsch, denn die Bauarbeiter hielten für uns kurz inne und wiesen in Richtung Eingang. Drinnen war es ziemlich kalt (deshalb bekommt man an der Kasse auch Wärmetücher, die man durchknetet oder schüttelt oder was auch immer um eine chemische Reaktion auszulösen, die das Ding warm macht). Außerdem mussten wir unsere Schuhe aus und Slipper anziehen. Dabei war gut zu erkennen, dass sich nur ca. 10 Personen im Schloss aufhielten, denn mehr Schuhe waren nicht zu sehen. Es ging mit dem Fahrstuhl hoch in den 6. Stock zur Aussichtsplattform und dann mit der extrem flachen Treppe, die pro Stockwerk 4 Zwischenebenen hat, nach unten. Es gab einges zu sehen. Neben dem genialen Ausblick auf die Gebirgslandschaft, den wir dem guten Wetter zu verdanken hatten, gab es Austellungen zur Geschichte des Schlosses, ein wenig Kunsthandwerk und sehr viele beeindruckende Rüstungen und Waffen. Andere Besucher sahen wir nur ein einziges Mal. Alle anderen Leute waren Angestellte. Das Schloss selbst ist 1989 neu aufgebaut, nach dem Vorbild des alten Schlosses, wie ich vermute. Von dem originalen Schloss ist nur noch das Fundament geblieben und das liegt irgendwo im nirgendwo. Okay, das neue Schloss liegt auch mitten von Feldern umgeben, aber es ist unweit vom nächsten Reisepunkt: dem Echizen Daibutsu, dem großen Buddha von Echizen (Echizen war früher der Name einer Provinz, deren Gebiet nun in Fukui liegt). Auf dem Parkplatz des großen Buddhas standen nur die beiden Fahrräder, die wir mitgebracht hatten. Ansonsten war dort nichts. Es gab eine kleine Souvenirstraße in der nicht ein einziger Laden geöffnet hatte. Das einzige offene waren zwei Läden die nicht in Betrieb waren. Dort gab es Tische, Stühle, Getränkeautomaten und eine Box mit Lesestoff zur Selbstbedienung. Entgegen unserer erneuten Ängste war aber auch der Daibutsu nicht geschlossen. Wir kauften also unsere Tickets und betraten das große Areal. Es gab ähnlich wie in Nara ein großes Tor mit Wächterstatuen, die zwar neu, aber meines Erachtens nicht minder beeindruckend waren. Der Raum (oder besser die Halle) mit dem Buddha selbst hatte eine handvoll Besucher. Es gab dort die größte Buddhastatue Japans mit ca. 17 Metern Höhe, daneben 4 weitere bestimmt über 12 Meter hohe Statuen und im Hintergrund waren die Wände gefüllt mit kleineren Buddhas, die größten davon immer noch so groß wie Japaner. Marc und ich waren sehr angetan. Danach ging es noch zur Mauer der neun Drachen, eine sehr schöne Mauer mit buntem Mosaik und eben neun Drachen (wahrscheinlich Bezug nehmend auf den Namen des Flusses, der durch Katsuyama fließt, der Kuzuryuu Gawa, Fluss des Neunköpfigen Drachen), und danach zu einer 5-stöckigen Pagode, die erste Pagode, die ich bisher betreten habe. Nach diesem lohnenden Ausflug ging es zurück nach Fukui, wo wir Soosu-Katsu, eine Spezialität der Region, gegessen haben. Danach ging es weiter zu einer kleinen Shoppingtour durch diverse Videospieleläden, wobei Marc fündig wurde und ein Neo Geo Spiel kaufte.

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