Noch nicht up to date
Ich bin mit meiner Berichterstattung immer noch bei Ende März. Ich muss zunächst einmal nachtragen, dass ich am letzten Tag in Hiroshima mit Danny beim Schloss war, wo das übliche an geschichtlichem Material ausgestellt war. Außerdem gab es in dem Park um das Schloss herum ein paar Bäume zu sehen, die den Atombombenabwurf überlebt hatten und trotzdem blühen.
Am Dienstag den 27.3. ist Marc mit mir gen Nagoya aufgebrochen und hat mir das Ticket spendiert. In Nagoya sind wir durch die Einkaufsstraßen von Oosu getigert und haben so ziemlich jeden Laden angeschaut, der Videospiele verkauft. Beim Essen ist mir mal wieder aufgefallen, wie aufgeschmissen jemand wie Marc sein kann, wenn er kein japanisch kann, denn die Karte war bildlos und komplett auf japanisch. Da ich selbst auch nicht viel mehr herauslesen konnte als die grundsätzliche Kategorie (Schwein, Rind, Geflügel, Krabben, Reis, Ramen, Salat, etc.) hab ich mir das nochmal vor der Tür anhand der dortigen Bilder erklären lassen, wonach ich aber auch nicht schlauer war als vorher. Wenn nicht gerade Mayo, Chili oder Curry dran steht, weiß ich auch nicht genau welche Soße dazugehört, oder wie es zubereitet ist. Kurz nach dem Essen haben wir uns dann mit Doro getroffen, die gerade von der Uni kam und Hunger hatte. Also sind wir mit Doro nochmal Essen gegangen, wobei Marc und ich uns auf Nachtisch beschränkt haben. So mit zwei Freunden aus Hamburg, die man nicht jeden Tag sieht, an einem Tisch zu sitzen, lässt einen vergessen, dass man in Japan ist. Und das übrigens schon seit über einem halben Jahr (naja, jetzt, damals noch nicht ganz). Da es schon spät war mussten Marc und ich auch bald wieder aufbrechen. Marc nach Tokyo und ich nach Fukui. Auf der Fahrt nach Fukui habe ich noch etwas erlebt, dass ich so nicht kannte. Auf halber Strecke wurde nach dem Halt in Maibara die Fahrtrichtung gewechselt. Deshalb standen dort alle auf und drehten die Sitze um, damit sie wieder in Fahrtrichtung sitzen konnten. Ich war mir nicht sicher, ob es mir wert war da mit zu machen, aber wenn ich es nicht getan hätte, wäre aus meinem Sitz und dem vor mir ein Vierer geworden, also habe ich mich einfach mal eingegliedert. Als ich in Fukui ankam bin ich gleich ins Gomokutei, wo die Hamburger Sippe samt Besuch zusammensaß, aber als ich ankam, brachen sie schon alle wieder auf.
Nach der ganzen Anstrengung hatte ich mir vorgenommen am folgenden Tag auszuruhen und lange zu schlafen, aber irgendwie konnte ich nicht. Vielleicht hatte ich mich ja daran gewöhnt früh aufzustehen (davon ist inzwischen nichts mehr zu merken), jedenfalls war ich früher auf den Beinen als gedacht und hatte zudem noch Tatendrang. Also beschloss ich mal eine längere Tour auf dem Fahrrad zu wagen, zumal das Wetter auch gut war. Ich schlug meine Karte auf und suchte nach den beiden verbleibenden Hotspots des Tourismus, die ich noch nicht gesehen hatte: das Toujimbou-Kliff und das Maruoka-Schloss. Da das Schloss näher lag, entschied ich mich spontan dafür. Auf dem Hinweg nahm ich eine etwas kleinere Straße, was ich im Nachhinein bereute, denn der Bürgersteig war viel zu eng und hörte zwischendrin mal auf, war mal auf der einen mal auf der anderen Seite. Sehr unschön. Japan hat seine Fahrradfahrer nicht lieb! Ich bin dennoch nach gut einer Stunde heil am Schloss angekommen, wo bereits die Vorbereitungen zum Kirschblütenfest liefen. Ich bin also zum Schloss hoch, rein, durch und wieder raus in kurzer Zeir, denn das Schloss ist klein und außer einer Fotoreihe zu japanischen Schlössern im ersten der drei kleinen Stockwerke war absolut nichts da drin. Dafür ist es sehr alt und relativ original. Es wurde nach dem letzten Brand mit 80% der Originalmaterialien neu aufgebaut. Hübsch, klein und definitiv nicht spannend. Ich hab mir dann noch eine Portion Kirscheis gegönnt (was mir ein halbes dutzend Japaner kurz darauf nachgemacht hat) und machte mich dann auf den Rückweg, diesmal auf der größten verfügbaren Straße mit einem wunderbar breiten Bürgersteig, auf dem ich gut Gas geben konnte. Nach einer halben Stunde kam ich in die Randbezirke Fukuis, wo die Einkaufszentren stehen und hielt an einer Ampel um die Straßenseite zu wechseln. Als es grün wurde fuhr ich los und dachte mir nicht viel dabei, bis ein Kleintransporter, der aus meiner Richtung kam und abbiegen wollte auf mich zukam und nicht langsamer wurde. Hastig radelte ich schneller um davon zu kommen, aber er erwischte mich noch am Hinterrad. Ich verlor das Gleichgewicht, federte aber auf einem Bein mehrmals ab, bevor ich stehenblieb, sowie glücklicherweise auch der Transporter. Das Hinterrad war verbogen, mir selbst war aber nichts passiert. Der Fahrer lud mein Rad in den Wagen nah mich mit, gab mir sein eigenes Fahrrad leihweise mit und verpsrach, das Rad schnellstmöglich zu reparieren. Einen 10.000 Yen Schein drückte er mir auch noch in die Hand. Der Fahrer arbeitet bei einem Fahrradgroßhändler. Am nächsten Abend brachte er mir dann mein Fahrrad repariert zurück und meinte noch, ich solle mich melden, wenn irgendwas mit dem Rad ist und dass er beim nächsten Mal ein Lampe für mich mitbringen würde, da ich keine habe. Alles in allem hätte es also weitaus schlimmer kommen können. Aber Autofahrer in Japan sind echt gefährlich. Ich bin vorher schon einmal leicht angefahren worden und erst vorgestern, hatte ein LKW mich übelst erschreckt, als er spät und stark bremst, glücklicherweise ohne mich zu treffen. Einen halben Herzinfarkt hatte ich trotzdem. Da hilft auch keine Vorsicht mehr, wenn die Autofahrer einfach nicht schauen, ob da ein Fahrrad fährt. Im Endeffekt habe ich jedenfalls weniger Lust eine wirklich große Fahrradtour zu wagen.

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