Samstag, Juli 21, 2007

Überfällig? Nein, nicht wirklich...

Der letzte Eintrag ist schließlich gerade mal 2 Monate her, also fast gestern. Also, um kurz Revue passieren zu lassen, was denn bisher passier ist...

-Ai und ich waren im Mai in Osaka. Anlass dazu war ein Wettbewerb in einem Automaten-Prügelspiel, bei dem Ai mitmachen wollte (das Spiel ist veraltet, und die anderen Teilnehmer sind hauptsächlich alte Freunde aus ihrer Studienzeit). Am ersten Tag waren wir in den Universal Studios Japan. Dort hat es solange geregne bis wir am Ende des langen Tages Richtung Ausgang gingen. Da wurde es dann plötzlich sonnig. Naja, jedenfalls gab es kaum Schlangen und wir hatten zusätzlich einen Fastpass mit dem man sich an einer Extra-Schlange für Extra-zahlende Kunden anstellt und schneller reinkommt. Teilweise war die Wartezeit null. Wir sind dann auch in zwei Attraktionen (Spider-Man und Zurück in die Zukunft) gleich zweimal rein. Ansonsten gab es hauptsächlich Shows zu sehen, teils mehr, teils weniger interaktiv. Es gab Shrek, Waterworld, Jurassic Park, Backdraft, Terminator, der weiße Hai und mehr. Das Essen dort war natürlich von mäßiger Qualität bei horrenden Preisen. Abends waren wir dann noch indisch essen. Am nächsten Tag gingen wir zunächst durch Denden-Town, dem Elektronikviertel in Osaka, wo ich in einem Spielwarengeschäft eine Reise-Ausgabe von Die Siedler von Catan gefunden habe und zwar im Megaman Design. Ziemlich schräg. Dann haben wir uns mit Ronja zum Essen getroffen, der ich auch bei der Gelegenheit ihr Geburtstagsgeschenk überreicht habe. Danach ging es dann zur der Spielhalle, die weit außerhalb der Innenstadt lag. Bei dem Wettbewerb hat Ai zwar nicht gewonnen, aber doch ganz gut abgeschnitten. Natürlich waren ansonsten nur Männer beteiligt ^^ Ich hab nur zugeschaut. Gegen Profis hab ich eh keine Chance ;-)

-Am Tag darauf war ich mit Ai beim Unifest. Dort stellen die Studenten alle möglichen Freßbuden auf und präsentieren ihre Clubs mit Shows und Ausstellungen. Einige Clubs hatten auch Gewinnspiele, bei denen man Videospiele gegeneinander spielen oder mit Plastikpatronen auf Zielscheiben schießen sollte. Mein Filmclub war ebenfalls vertreten und präsentierte seine letzten Filme, unter anderem auch den, an dem ich mitgewirkt hatte. In einem anderen Film hatte Elenas Tutorin Mayumi eine Hauptrolle gespielt.

-Anfang Juni habe ich mich von Ai getrennt, weil es für mich nicht das Wahre war. Mit einer der Gründe dafür, dass ich wenig Lust hatte, meine Einträge hier fortzusetzen.

-Anfang Juli war die D-1 Dance Competition, bei der ich bei der Organisation ausgeholfen habe. Es waren insgesamt 18 Teams mit 4 bis 28 Leuten aus der Region angereist um sich zu präsentieren. Einige haben sich ganz schön in Schale geworfen, während andere eher leger daherkamen und wieder andere (vor allem die Mädels) geradezu aufreizend ^^ Es war auf jeden Fall etwas fürs Auge. Es waren bestimmt an die 700 bis 800 Gäste dort. Zusätzlich wurde der Wettbewerb auch im Regionalfernsehen und auf der Homepage ausgestrahlt. Und nein, ich habe nicht getanzt, ich habe tanzen lassen ;-)

-Der Filmclub hat sein erstes Projekt durch und nach einem langen Durchhänger, der mich dazu veranlasst hatte, dem Clubchef ein wenig auf die Finger zu hauen, befindet sich nun auch das zweite Projekt in Arbeit, bei dem ich wieder nur eine kurze Nebenrolle habe. Falls es zeitlich alles klappen sollte, wird das dritte Projekt aber von mir geschrieben werden und unter meiner Regie entstehen. Die Geschichte ist fertig und ich muss nur noch das Skript (natürlich auf japanisch) schreiben (und natürlich korrigieren lassen ;-)

-Diesen Montag hatte ich den nationalen Feiertag (Umi no hi, Tag des Meeres) genutzt um nach Kanazawa zu fahren und zwar allein, da die anderen schon Pläne hatten. Ich habe mir dort das östliche Teeviertel (Higashi Chaya Machi) angeschaut, in dem heute noch japanische Häuser aus der Edo-Zeit stehen (ca. 1600-1860) und einem ein Gefühl für Alltagsleben in den damaligen Städten gibt. In den Läden selbst gibt es hauptächlich Kunstwaren und regionale Spezialitäten zu kaufen, obwohl auch ein paar Gastronomiebetriebe vorhanden sind. Besonders schön sind einige der engen Seitengassen mit den schönen alten Holzfassaden. Der Markt in Kanazawa war fast ausgestorben, aber dafür hätte ich Krebse spottbillig kaufen können. Wüsste nur nicht, wie man die zubereiten sollte. In den Kenrokuen bin ich auch noch mal gegangen. Zur Erinnerung: es einer der drei schönsten Gärten Japans. Das Museum für Kunst des 21. Jahrhunderts habe ich eher schnell durchlaufen, da ich eher ein Kunstbanause bin, vor allem was moderne Kunst betrifft. Aber da der Eintritt in Museen hier keine 2 Euro kostet, kann man sowas schnell mal mitnehmen. Nagamchi, das Samuraiviertel war schon interessanter. Es ist eine schöne Ergänzung zum Chaya Machi, was eher Gastronomieviertel war. In Nagamachi stehen die alten Residenzen der Samuraifamilien aus der Edo-Zeit. Es gibt nur zwei oder drei Häuser, die man begehen kann, aber die Straße an sich ist sehr hübsch und vermittelt die Atmosphäre alter Samuraifilme. Als letztes ging es noch zu einem Schrein mit einem ungewöhnlichen Tor (ich glaube der hieß Oyama Jinja, bin mir bei der Lesung aber nicht sicher.) Dort hat mich eine hübsche Japanerin auf Englisch angesprochen und meinte, sie glaubt, mich an dem Tag schon öfters gesehen zu haben. So kam man ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie Tourismus studiert hat und Reisen ihr Hobby ist. Also haben wir uns eine ganze Weile darüber unterhalten und ich hab ihr von den Sehenwürdigkeiten Fukuis erzählt. Sie meinte, sie wolle sich das wohl mal demnächst anschauen. Keine Ahnung ob da noch mal was von höre, aber Handynummer und E-Mail haben wir ausgetauscht. Auf dem Rückweg bin ich noch kurz in Kagaonsen ausgestiegen und hatte 30 Minuten Zeit schnell zur 73 Meter hohen Kannon-Statue zu laufen, die dort über den Überresten eines längst geschlossenen Freizeitparks türmt. Geradezu unheimlich. Die Kinder in der Gegend können Nachts bestimmt nicht gut schlafen. Alles in allem vermittelt Kanazawa den Eindruck eine Stadt des Goldes und der schönen Künste zu sein. Gold wurde dort früher hauptächlich hergestellt und Referenzen dazu findet man allerorts. Und an jeder Ecke gibt es entweder ein Kunstgewerbe oder Kunstmuseum. Die Innenstadt sind übrigens geradezu Metropol aus, mit großen Hochhäuserns, wirklich wie eine moderne Großstadt. Aber wenn man ein Stückchen weitergeht, wirkt es wieder wie Fukui. Eine typische japanische Stadt.

-Gestern hatte Elena einen kleinen Auftritt in einem Cafe in der Nähe der Uni mit ihrer hier gegründeten Band, in der auch ein Austauschstudent aus Korea mitmacht. Es waren alle möglichen Austauschstudenten und die üblichen Verdächtigen zusammengekommen um dem ganzen beizuwohnen.

-Heute habe ich mich nach lager Zeit mal wieder mit Aika getroffen. Wir sind in einem Cafe neben der hiesigen Konzerthallte gegangen, weil dort ihre jüngere Schwester Megumi arbeitet. Megumi, die mich nach unserem letzten Treffen scheinbar auch mal wieder sehen wollte, hat uns das Essen und alles drum und dran sogar ausgegeben. Also Essen, Getränk, Eis und Kuchen. Und beide Schwestern haben jeweils ein Foto von sich mit mir schießen lassen ^^ In der relativ kurzen Zeit, haben die beiden mein Ego wieder ganz schön hoch schießen lassen, wie die mir geschmeichelt haben. Auch eine der anderen Bedienungen meinte ich sei Kakkouii, also gut aussehend.

Ich habe seit gestern das Formular in dem ich mein gewünschtes Rückreisedatum angeben soll. Das heißt, es ist bald unwiderruflich so weit. Ich muss das Land verlassen. Die wollen mich hier nicht mehr haben! Im Moment steht mir aber noch nicht der Sinn danach zu gehen. Das erste halbe Jahr war man damit beschäftigt sich einzuleben und wenn man damit fertig ist, ist die Hälfte schon rum. Dabei gibt es noch so vieles zu sehen und zu tun. Ich war noch nicht beim Baseball oder Sumo. Hab noch kein Noh- oder Kabuki-Theater gesehen. Ich hab noch keinen der vielen Berge bestiegen. Ich habe die Hauptinsel Honshuu noch nicht verlassen. Ich hab so viele Weltkulturerben noch nicht gesehen. Und ich ich hab die Weltherrschaft noch nicht an mich gerissen ;-)