Was bisher geschah...
Es ist mal wieder Zeit für eine kurze Zusammenfassung dessen, was ich so erlebt habe.
Lars, Kathrin und ich waren in Mikuni beim Hanabi (Feuerwerk). Mikuni ist ein Ort an der Küste zur Japansee in Fukui-Ken und auch der Ort an dem das Tojimbo-Kliff liegt. Die Fahrt dorthin dauert normal 40 Minuten, aber an dem Tag dauerte es 1 Stunde und obwohl wir schon keine Sitzplätze mehr bekamen, als wir einstiegen, wurde die Bahn immer voller und voller. Am Ende standen wir dicht gedrängt aneinander gepresst wie zur Rush Hour in Tokyo und mussten an den letzten Haltestellen Leute stehen lassen, die einfach nicht mehr einsteigen konnten. Der Strand an dem das Hanabi veranstaltet wurde war gerammelt voll und die Leute, mit denen wir uns dort treffen wollten, waren nicht aufzufinden und telefonisch nicht erreichbar. Also haben wir uns einen mäßig schlechten Platz "am Gang" ergattert. So wurden die ersten Minuten des Feuerwerks durch das ständige Hin und Her der Leute verdorben. Nach einer kurzen Platzkorrektur hatte man aber einen freien Blick auf das sehr schöne Feuerwerk. Pyrotechnik ist in Asien wirklich eine Kunstform. Nachdem das rund einstündige Spektakel sein Ende fand brachen natürlich alle Leute Richtung Bahn auf, wo sich eine elendig lange Schlange bildete. Glücklicherweise trafen wir zufällig eine Bekannte, die mit Auto dort war und uns anbot, uns mitzunehmen. Allerdings mussten wir dann erstmal eine Weile laufen, bis wir am Auto ankamen. Ein ziemlich langes Stück war das, aber der Zeitaufwand war nicht der Rede wert, denn dort wo das Auto weit weg vom Strand stant, endete nämlich gerade eine lange Autoschlange. Die Straßen des kleinen Ortes Mikuni sind für ein derartiges Menschenaufkommen nicht konzipiert und das Verkehrssystem war hoffnungslos überlastet. Also statteten wir einer Freundin unserer Bekannten einen Besuch ab, die günstigerweise in dem Haus wohnte, auf dessen Parkplatz das Auto stand. Es war schon merkwürdig, mal so in ein fremdes Haus reinzuplatzen als Ausländer und das auch noch, wenn schon Besuch da ist (in jedem Haus in Mikuni schien Besuch zu sein, daran erkennbar, dass in den Eingangsfluren sich die Schuhe stapelten). Wir aber natürlich nett empfangen. Selbst als wir dann 1 oder 1 1/2 Stunden später wieder aufbrachen, waren die Straßen immer noch gut voll. Das Feuerwerk ging von ca. 19:30 bis 20:30 und irgendwann nach Mitternacht war ich wieder zu Hause ^^
Ich hatte mir ja ein Seishun Ticket gekauft, mit dem man günstig herum fahren kann. Da ich das Prinzip aber missverstanden hatte, schmiss ich versehentlich das eigentliche Ticket weg und behielt nur die Informationszettel, von denen ich dachte, sie seien weitere Einzeltickets (ich hatte zuvor keinen Blick auf die Zettel geworfen). Nachdem ich mich also erstmal mächtig aufgeregt hatte kaufte ich mir ein neues Ticket. Erste Reiseziel war Himeji. Der Zug dorthin ging um 6:30 und ich musste entsprechend früh aufstehen. Die Fahrt dauerte 4 1/2 Stunden. Nur Hinweg! Müde aber guter Dinge kam ich dann in Himeji an und wurde erstmal von der Sonne gebraten. Der Weg zum nahe gelegenen Schloss (einem Weltkulturerbe und im übrigen das wohl berühmteste in Japan) war schon anstrengend. Auf dem Schlossgelände selbst rumzulaufen war bei der Hitze so kräftezehrend, dass ich kaum Lust hatte, Fotos zu machen. Ich schwitzte wie Sau. So sehr hatte ich noch nie zuvor geschwitzt. Meine Arme sahen aus, als hätte ich sie gerade in Wasser getaucht. Ich bin also möglichst schnell über das weitläufige Gelände gelatsch und hab mir alles angeschaut und ein paar wenige Fotos gemacht. Nach einer kleinen Eispause machte ich halt in einem Kebab-Restaurant. Dort habe ich für viel zu viel Geld ein kleines Schiffchen mit Eintopf bekommen (Kinderportion) und dazu ein zu kleines Fladenbrot. Der Geschmack war auch eher durchschnittlich. Ich war neidisch auf die beiden Frauen am Tisch nebenan, die für den selben Preis zwei Döner bekommen hatten. Danach ging es weiter mit dem Bus und dann der Seilbahn zum Shoshazan, einem Berg auf dem sich der Engyo-ji befindet, eine relativ große Tempelanlage, deren älteste Gebäude über 1000 Jahre alt sind und unter anderem in Last Samurai zu sehen war. Dort war es dank der vielen Bäume zwar schattig, aber dennoch viel zu heiß. Ich fühlte mich schon richtig schmuddelig, weil ich wirklich schweißgebadet war. Ich hab sogar so sehr geschwitzt, dass man Seilbahn Ticket für die Rückfahrt sich zum Teil aufgelöst hatte. Akzeptiert haben sie es zum Glück trotzdem. Weil ich nach dem vielen Gelaufe und Geschwitze keine Lust mehr hatte (und alle Ziele abgehakt waren) bin ich relativ zeitig kurz nach vier Uhr mit der Bahn zurückgefahren.
Die nächste Fahrt ging nach Takaoke und Gokayama in der Präfektur Toyama (von Fukui aus ein Stückchen weiter nach Norden) zusammen mit Lars. Weil Lars allerdings am ersten Termin nicht ausreichend geschlafen hatte musste die Reise einmal verschoben werden. Wir fuhren morgens früh los und machten erstmal Halt in Takaoka, von wo aus der Bus nach Gokayama abfährt. Bei unserem Glück war der vorherige Bus gerade vor 20 Minuten abgedüst und der nächste ließ noch 2 Stunden auf sich warten. Also gingen wir nach Anleitung meines Reiseführers zum großen Buddha in Takaoka, dem drittwichtigsten in Japan (diesen Platz teilt er sich mit dem von Katsuyama in Fukui). Weil wir ja soviel Glück hatten, wurde der Buddha gerade restauriert und war verhüllt. Einige Leute sollen ja tatsächlich extra dafür irgendwo hingehen, um sich etwas hübsches anzuschauen, dass man gar nicht sehen kann, weil es verhüllt wurde. Fotos haben wir trotzdem geschossen und gingen dann weiter zum Schlosspark. Das Schloss selbst war nicht erhalten, aber der Park war sehr schön und es gab einen kleinen Zoo mit freiem Eintritt. Den nächsten Bus haben wir dann rechzeitig erwischt und sind damit weiter nach Gokayama. Gokayama gehört zusammen mit dem nahe gelegenen Ort Shirokawago ebenfalls zum Weltkulturerbe. In diesen Dörfern gibt es nämlich eine besondere Art von Reetdachhaus, die einzigartig ist. Außerdem liegt es mitten in den Bergen. Gokayama selbst besteht aus mehreren kleinen Dörfern und Lars und ich haben uns das nächstgelegene Ainokura angeschaut. Sowohl das Dorf als auch die Natur waren wirklich schön. Wir sind auch ein Stückchen den Berg hoch zu einem besonders großen und alten Baum. Der Pfad führte zwar noch weiter hoch, aber da der letzte Bus von Ainokura um kurz nach 16 Uhr abfährt (wir waren gegen 14 Uhr angekommen) hätte das zu lange gedauert. Nach einer überfälligen Eispause (ich habe Tulpeneis probiert - schmeckte ganz lecker) ging es dann zurück Richtung Fukui.
Mein nächste Ausflug führte mich nach Oono, hier in Fukui. Dort traf ich mich mit einer Studentin von der Uni Fukui, die ich mich dort rumgeführt und rumgefahren hat. Erst ging es zum kleinen Oono Schloss, dass aber interessanter war, als manch anderes und nahezu menschenleer, was mir immer lieber ist. Weiter ging es dann zu einer Residenz einer Samurai-Familie. Ein sehr schönes und recht geräumiges Anwesen. Dann weiter zu einer Wasserquelle, für die Oono berühmt zu sein scheint. Das Wasser schmeckte auch weitaus besser, als das chemische Leitungswasser hier. Dann weiter nach Katsuyama, wo es zum Heisen-ji ging, einem Tempel am Fuß eines Berges. Der Tempel war zwar schön, aber wirklich beeindruckend war die Natur drum herum. Dann eine kleine Eispause und weiter rein ins Gebirge zum Kuzuryuu See. Die Fahrt dorthin war sehr schön, da sie entlang des Kuzuryuu Flusses führte, der sich seinen Weg durchs Gebirge bahnt und streckenweise als Schlucht verläuft. Weil es leicht regnete, sah man hier und dort auch kleine Wasserfälle an den Gebirgswänden. Der See war ebenfalls schön, vor allem mit dem Gebirge im Hintergrund, dessen mittlerer Teil durch Wolken behangen war. Als letztes folgte noch eine kurze Besichtigung des Teramachi, dem Tempelviertel, in Oono.
Der folgende Ausflug gin nach Toyama, der Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur. Die Stadt ähnelt Kanazawa in Ishikawa-Ken und ist größer als die Stadt Fukui. Ich schaute mir die Stadt zunächst von einer Aussichtsplattform an, bevor es zum Schloss ging. Das wirklich besondere an diesem Schloss für mich persönlich, war ein bestimmtes Ausstellungsstück. Ein Modell des Schlossgeländes. Toll, und was ist daran so besonders? Gar nichts. Besonders ist nicht das Modell, sondern die Show dazu. Das Modell liegt hinter einer schrägen Glaswand und über der Glaswand hing ein Monitor dessen Bild sich so im Glas spiegelte, dass man den Eindruck hatte, das Bild schwebe im Glaskasten über dem Modell. Dazu gab es noch eine sehr schöne Beleuchtung, die immer gerade das beleichtete, worum es gerade im Video ging und das in entsprechenden und wechselnden Farben. Auf der Rückseite lief auch noch ein anderes Video, dass wiederum eine andere Beleuchtung auf das Modell warf. Ein anderes Gebäude auf dem Schlossgelände war zum Kunstmuseum umfunktioniert. Dort besichtigte ich eine Ausstellung von Töpferwaren aus aller Welt und allen Zeitepochen. Nach einem Abstecher zum Wissenschaftsmuseum ging es zurück zum Bahnhof. Von dort aus wollte ich eigentlich zu einem Fest, dass in einem nahe gelegenen Ort veranstaltet wird, aber die Leute standen schon Schlange, um hinfahren zu können, und nach der Erfahrung mit dem Mikuni-Feuerwerk, war ich besorgt, nicht mehr rechtzeitig zurückkommen zu können und fuhr stattdessen wieder zurück nach Fukui.
Ende August hatten wir Barbecue in Mikuni gemacht, mit Blick aufs Meer. Anlass war die bald anstehende Heimkehr der beiden Koreaner Han und Kim. Mit von der Partie waren neben Lars, Kathrin und mir noch Yoshimi und Fumiyo, sowie zwei Arbeitskollegen vom Kino und Kims Tutor. Es gab reichlich zu essen, vor allem Fleisch, Fleisch und Fleisch. Von einer anderen Gruppe, die gerade wieder nach Hause fuhr, haben wir sogar noch mehr Fleisch und Salat geschenkt bekommen.
Vor einer Woche hatten wir dann ein weiteres Abschiedstreffen. Diesmal mit unseren Anfangstutorinnen Aika, Mayumi und Naoko, zusammen mit Elena und den inzwischen wieder in Hamburg angekommenen Lars und Kathrin. Alle drei Mädels arbeiten jetzt seit einem halben Jahr und alle drei meinten, sie würden gerne wieder aufhören zu arbeiten. 22 Jahre ist meiner Ansicht nach auch viel zu früh um ins Arbeitsleben einzusteigen ^^ Ein paar Tage später gab es wieder eine Abschiedsfeier bei Fumiyo mit Lars, Kathrin, Elena, Oliver, Yoshimi, meiner neuen Tutorin Yuuki und einigen anderen, die bei der Summer School waren. Genau davor hatte ich meinen letzten Unterricht im International Club gegeben, wo wir gegessen und geplaudert hatten. Hinterher gab es noch das obligatorische Abschiedsfoto mit allen Leuten, die gerade dort waren. Am Tag vor der Abfahrt von Lars und Kathrin nach Osaka gab es noch eine letzte Abeschiedsfeier vor deren Wohnheim. Dort sie nahezu jeden Tag zum Rauchen saßen, versammelten sich alle möglichen Freunde und Bekannte um ein letztes Mal zusammen rumzuhängen. Am nächsten Tag brachten wir die beiden zum Bahnhof. Kathrin Flieger ging noch am selben Abend, der von Lars den Tag darauf.
Einen Tag war ich auch mal wieder in Fukui mit dem Fahrrad unterwegs, wo ich mir eine Samurai-Villa angeschaut hatte, die wirklich schön war. Vor allem der Garten mit dem riesigen Teich samt obligatorischen Karpfen war idyllisch. Das Haus selbst war sehr geräumig und es zog ein angenehm kühler Wind durch sätmliche Zimmer. Das Haus wäre bestimmt gut als Ferienhaus geeignet ^^ Anschließend fuhr ich zum Kunstmuseum. Dort gab es an dem Tag jedoch nur zwei Ausstellungen. Eine mit Shodou, Kalligraphie, und eine mit Bildern zu Gottheiten und ähnlichem. Bei der Kalligraphie Ausstellung wurde ich vom, ich vermute, Ausstellungsleiter angesprochen und ausgefragt. Weil ich nett und höflich war, gab es als Geschenk einen Band mit allen ausgestellten Werken.
Vor genau einer Woche war ich noch einmal in Kyoto mit dem letzten verbliebenen Seishun Ticket. Dort hab ich mich wieder mit Maria von der Summer School 2005 getroffen und wir haben eine Beisichtigungstour gemacht. Es ging zum Kinkaku-ji, dem Goldenen Tempel, dem Ryouan-ji, mit dem berühmtesten Steingarten Japans, dem Ninna-ji und dem Nijoujou, dem Schloss in Kyoto, alles Weltkulturerben. Das Schloss in Kyoto hat mir besonders gefallen. Nicht nur wegen des quietschenden und pfeifenden Holzbodens, der vor Eindringlingen warnt, die sich nachts ins Schloss zu schleichen versuchen, sondern vor allem, weil es das bietet, was eigentlich allen anderen Schlössern fehlt: die Residenz. Andere Schlösser bestehen meist nur aus dem Wehrturm. Dieses Schloss hatte keinen Wehrturm aber dafür das Anwesen, in dem der Schlossherr, in diesem Fall der Shogun, wohnte. Und es war riesig. Und der gut gepflegte Garten durfte natürlich auch nicht fehlen.
Der Dreh zu meinem Film hat nach langer Suche nach Hauptdarstellern endlich letzte Woche begonnen und läuft soweit planmäßig. Es bleibt nur noch ein einziger Drehtag und dann die mühselige Arbeit des Schneidens. Einen Film richtig zusammen zu kleben ist viel schwieriger, als ich gedacht hatte. Nicht nur der richtige Übergang im Bild sondern auch im Ton ist sehr schwierig, vor allem wenn das Mikro seine Position wechselt oder auffällige Hintergrundgeräusche vorhanden sind. Ich hab keine Ahnung, wie das am Ende aussehen/ sich anhören wird...
Ich habe nur noch 12 Tage in Japan und nur noch 10 in Fukui. Die Zeit wird knapp und es gibt noch viel zu tun. Verträge kündigen, Sachen verschicken, Sachen verkaufen, Leute treffen, letzte Einkäufe und natürlich der Film. Es ist anstrengend und stressig und auch wenn ich mich nicht darauf freue, Japan zu verlassen, so freue ich mich zumindest darauf, dass diese anstrengende Endphase ein Ende nimmt.

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